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30.04.2013

18:32 Uhr

Was vom Tage bleibt

Porsche wird zum kreativen Zerstörer

VonFlorian Kolf

Das Beispiel Opel zeigt: Schumpeter lebt! Der Flughafen Kassel dagegen muss weiter künstlich beatmet werden und der spanische Arzt Fuentes wird wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit verurteilt. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Neue Jobs

Es gibt immer wieder Beispiele dafür, dass Schumpeters Theorie der kreativen Zerstörung lebt. Strukturen, die sich überlebt haben, werden verdrängt, Unternehmen scheiden aus dem Markt und werden ersetzt durch andere, die besser auf neue Bedingungen eingestellt sind. Während Opel sein Werk in Bochum dicht macht, baut Porsche das Werk in Leipzig aus und stellt 1400 neue Mitarbeiter ein. Mehr als 32.000 Menschen haben sich bereits beworben, viele davon arbeiten bisher bei Opel. Ein komplettes Team von Opel hat Porsche bereits für die Lackiererei übernommen. Politiker, die mit viel Steuergeld künstlich Arbeitsplätze erhalten wollen, sollten darüber mal in Ruhe nachdenken.

Irrflug in Calden

Apropos Subventionen: Der mit Millionen an Steuer-Euros gebaute neue Flughafen in Kassel-Calden entwickelt sich genau so erfolglos wie befürchtet. Nachdem bereits zum Start der erste Flug nach Antalya abgesagt werden musste, weil sich nur sechs Fluggäste Tickets für den Charterflug gekauft hatten, ist jetzt auch die erste geplante Linienverbindung abgesagt worden. Auch für die für den 2. Mai geplante Verbindung von Croatia Airline nach Split gab es nicht genug Nachfrage. Aber davon lassen sich ja gestandene Regionalpolitiker nicht beirren. „Verluste haben wir von vornherein eingeplant“, sagt der hessische Finanzminister Thomas Schäfer. Ist ja nicht sein eigenes Geld.

Abenteuerliche Erklärung

Es ist immer lustig zu lesen, wie angebliche Experten Statistiken interpretieren. So hat die GfK jetzt ermittelt, dass die Sparquote in Deutschland sinkt und die Bürger das Geld lieber ausgeben. Die abenteuerliche Erklärung des GfK-Experten Rolf Bürkl: „Die Zwangsabgabe in Zypern hat auch die bundesdeutschen Sparer in ihrem Vertrauen in die Sicherheit ihrer Einlagen erschüttert.“ Und deshalb würden sie jetzt einfach mal das Geld mit vollen Händen für den Konsum raushauen. Wer das ernsthaft glaubt, dem ist nicht zu helfen. Ich jedenfalls renne nicht gleich ins Möbelgeschäft nur weil die theoretische Möglichkeit besteht, dass Frau Merkel mir das Girokonto plündert.

Vergeblicher Kampf

Abenteuerlich sind auch die Verrenkungen, die die spanischen Ermittler machen mussten, um den Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zumindest zeitweise aus dem Verkehr zu ziehen. Wegen „Gefährdung der öffentlichen Gesundheit“ wurde er jetzt verurteilt, weil es zur Zeit seiner Verhaftung noch kein Anti-Doping-Gesetz in Spanien gab. Doch es kommt noch schlimmer: Die Blutbeutel von rund 200 Spitzenathleten, meist Radsportler, aus dem Labor von Fuentes will die Richterin nicht der Welt-Anti-Doping-Agentur zur weiteren Auswertung überlassen. Angeblich seien Persönlichkeitsrechte dadurch gefährdet. Unter den Voraussetzungen kann man den Kampf gegen Doping gleich einstellen. Dann sollte man Profiradfahren aber auch nicht mehr als Sport bezeichnen.

Was fehlt? Die Niederlande sind im orangen Rausch – sie haben einen neuen König. Ein herrlich anachronistisches Spektakel war die Krönung. Und es zeigt: Ein Europa, das sich in zahlreichen Länder - darunter hoch verschuldeten Staaten wie Spanien oder Großbritannien - einen solchen monarchischen Luxus leisten kann, dem geht es offenbar immer noch nicht schlecht genug, um radikal umzudenken.

Ich wünsche Ihnen einen Maifeiertag mit Kaiserwetter und königlichem Vergnügen.

Florian Kolf

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Kommentare (4)

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Account gelöscht!

30.04.2013, 19:30 Uhr

Die Zwangsabgabe in Zypern hat auch die bundesdeutschen Sparer in ihrem Vertrauen in die Sicherheit ihrer Einlagen erschüttert.“ Und deshalb würden sie jetzt einfach mal das Geld mit vollen Händen für den Konsum raushauen. Wer das ernsthaft glaubt, dem ist nicht zu helfen.

Das sehe ich ebenso. Allerdings, wenn ich mir in meiner Umgebung einen erhöhten Platz aussuche, bin ich schon verwundert über die Zunahme an Baukrähnen. Anscheinend investiert man in langlebige Güter. Man schichtet um. Gut so.

Schönen abend noch.

Account gelöscht!

30.04.2013, 20:18 Uhr

Keine Sorge, wer Immobilien hat, wird ebenso herangezogen denn mit einer Immobilie kann man weder entkommen noch kann man sie verstecken. Hatten wir in unserer Geschichte alles schon mal....Lastenausgleich sage ich da nur...

Viel Spass wenn die Verbrecherregierung zuschlägt

Account gelöscht!

30.04.2013, 21:11 Uhr

@karstenberwanger

Sehe ich ebenso.
Zwangsanleihe wird kommen, nur wann. Wer weis, ob ich dann noch bin. Aber man sollte auf mehreren Beinen stehen. Diesen Prozess habe ich vor viele Jahren eingeleitet auch durch interessante Beiträge im HB Forum. Auch Margritt war hilfreich. Bin für meine Meinung schwer beschimpft worden. Habe aber leider Recht behalten.

Schönen Abend noch,

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