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20.08.2015

19:05 Uhr

Was vom Tage bleibt

Premier für längere Zeit

VonStefan Menzel

Griechenlands Ministerpräsident tritt zurück, Mazedonien ruft den Ausnahmezustand aus. Der Dax fällt ins Bodenlose, Chinas Krise erreicht die kleineren Länder und Egon Bahr ist gestorben. Der Tag in der Rückschau.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Alles nach Plan

Irgendwie läuft alles am Schnürchen. Kaum haben die nationalen Parlamente das nächste Rettungspaket für Griechenland beschlossen und die erste Rate ist überwiesen, da tritt Griechenlands Premier Tsipras auch schon zurück. Da komme niemand auf die Idee, das sei nicht orchestriert. Natürlich hat der griechische Ministerpräsident einen Plan. Mit den Neuwahlen im September will er seine Machtposition stärken und seine Gegner schwächen. Seine Fähigkeiten als gewiefter Taktiker sind schon jetzt unbestritten. Fazit: Sein Plan dürfte aufgehen und er wird uns noch sehr lange als Premier in Athen erhalten bleiben.

Der arme Osten

Deutschland ist vergleichsweise groß und wohlhabend. Deshalb dürfte unser Land den gewaltigen Flüchtlingszustrom irgendwie in den Griff bekommen. Weiter östlich sieht das schon ganz anders aus. Das kleine Mazedonien weiß nicht mehr weiter und hat deshalb am Donnerstag den Ausnahmezustand ausgerufen. Die Slowakei will keine Muslime ins Land lassen, um so den Kollaps zu vermeiden. Mit dem Flüchtlingsansturm kommt die europäische Solidarität ein weiteres Mal auf den Prüfstand. Der reichere Westen muss wahrscheinlich mit Geld aushelfen, weil die kleinen Staaten im Osten bald nicht mehr können.

Ziemlich ungemütlich

Mit einem kleinen Beben hat sich der Dax aus dem Tag verabschiedet: 250 Punkte weniger sind ein Wort, die wichtige 10.000-Grenze ist nicht mehr allzu weit entfernt. Schon die gesamte Woche geht es Stück für Stück abwärts, eine Erholung ist nicht in Sicht. Die neue Krise in China hat große Ängste ausgelöst. Von Tag zu Tag wächst die Furcht, dass die chinesische Wirtschaft so richtig tief abrutschen wird. Und dann gibt es auch für deutsche Unternehmen natürlich weniger zu verdienen.

Weitreichend

Chinas Probleme erreichen inzwischen auch die anderen Schwellenländer. Sogar Staaten, die bislang niemand so recht im Blick hatte, bekommen die Auswirkungen zu spüren. Kasachstan gehört im weltweiten Vergleich zu den kleineren Ölförderländern, liefert aber vergleichsweise viel nach China. Deshalb ist die kasachische Landeswährung Tenge am Donnerstag gewaltig abgestürzt. Der Ölpreisverfall und die große Unruhe in China hinterlassen auch in Kasachstan ihre Spuren. Es dürfte nicht das letzte Land sein, das unter der chinesischen Krise leidet.

Unverzichtbar

Für die Sozialdemokraten ist es auf jeden Fall ein trauriger Tag. Egon Bahr ist gestorben, einer der wichtigsten Vertrauten des früheren SPD-Bundeskanzlers Willy Brandt und in den 70er-Jahren einer der Wegbereiter der damals neuen Ostpolitik. Die junge Generation von heute wird Egon Bahr nicht mehr kennen. Warum auch? Es gibt keine Grenzen mehr und Deutschland ist vereint. Aber wir alle, auch die Jungen, sind Egon Bahr zu Dank dafür verpflichtet, dass er die Aussöhnung zwischen Ost und West vorangetrieben hat. Ohne ihn hätte es die Wiedervereinigung wahrscheinlich nicht gegeben.

In stiller Erinnerung an Egon Bahr wünsche ich Ihnen einen geruhsamen Abend. Es grüßt Sie

Stefan Menzel

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