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19.12.2013

19:11 Uhr

Was vom Tage bleibt

Putin bleibt uns lange erhalten

VonStefan Menzel

Michail Chodorkowski kommt frei, auf die Telekom wartet viel Geld. Die Börsen freuen sich über die US-Notenbank, Strom in Deutschland ist sehr teuer und der Wulff-Prozess wird eingestellt. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Fest im Sattel

Damit hatte wohl niemand gerechnet: Russlands Präsident Putin gibt sich gnädig und verspricht seinem Widersacher Chodorkowski die Freilassung aus dem Gefängnis. Dass Putin sich zu diesem Schritt entscheidet, dürfte nur einen einzigen Grund haben: Er fühlt sich verdammt sicher in seinem Sattel. Und das wahrscheinlich zu Recht. Für Chodorkowski ist die angekündigte Freilassung natürlich eine gute Nachricht. Die gesamte Welt wird sich allerdings darauf einstellen müssen, dass Putin noch ziemlich lange Präsident seines Landes bleibt. Das ist dann die schlechte Nachricht: Auf ein wirklich demokratisches Russland werden wir ebenfalls sehr lange warten dürfen.

Freundliches Erbe

Timotheus Höttges wird zum Jahreswechsel neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. Wahrlich kein einfacher Job. An allen Ecken und Enden fallen die Erträge, die gemütlichen Zeiten als staatlicher Konzern mit Monopolrecht sind schon lange vorüber. Da ist es doch angenehm für Höttges, wenn ihm als neuem Chef ein richtig schönes Ei ins Nest gelegt wird. In den USA streiten sich die Bieter um die amerikanische Tochter T-Mobile US. Höttges kann also mit einem warmen Milliardenregen rechnen, sollte er tatsächlich verkaufen. Und wahrscheinlich wird er das auch tun. Der große Konkurrent Vodafone hat gerade eben sein US-Geschäft für viel Geld abgegeben. Wenn die Telekom eine ähnliche Feuerkraft haben möchte, dann gibt es keine Alternative zum Verkauf.

Alles nur ein Anfang

Finanzmärkte funktionieren nach ganz eigenen Gesetzen. In den USA hat die Notenbank einen langsamen Rückzug aus der expansiven Geldpolitik beschlossen. Da künftig also weniger Geld für Aktienkäufe zur Verfügung steht, müssten die wichtigsten Börsenindizes eigentlich fallen. Doch nachdem der Dow Jones in den USA bereits am Vortag kräftig zugelegt hatte, gingen die Kurse am Donnerstag auch an den Börsen in Europa ordentlich nach oben. Die Börsen sagen so Danke dafür, dass die US-Notenbank zur Normalität zurückkehren will. Die Notenbanker sollten diese Botschaft klar verstehen: Das ist erst der Einstieg aus der lockeren Geldpolitik, es muss noch viel mehr kommen.

Teurer Strom

Ja, die Strompreise in Deutschland sind verdammt hoch. Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass Stromkunden in den europäischen Nachbarländern deutlich weniger bezahlen müssen. Natürlich schmerzt die hohe Stromrechnung, die in Deutschland jeder jeden Monat zu begleichen hat. Immerhin passiert das für eine gute Idee: den Umbau der Stromversorgung, die Energiewende. Deutschland versucht etwas Außergewöhnliches, die Hinwendung zu erneuerbaren Energieformen. Sollte uns dieser Umbau gelingen, wären die höheren Strompreise gut investiertes Geld. Aber nur dann.

Warnung vom Gericht

Das Strafverfahren gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff dürfte schon im Januar eingestellt werden. Das hat heute der Richter des laufenden Prozesses angekündigt. Das Gericht hat damit die ermittelnden Staatsanwälte bis auf die Knocken blamiert. Christian Wulff hat auch ein Privatleben und darf sich von Freunden einladen lassen, 700 Euro sind keine Bestechung und kein Fall für den Staatsanwalt. Es ist schon verrückt, dass die Ermittler daraus eine Straftat konstruiert haben. Und das ist die eigentliche Botschaft des Wulff-Prozesses: Staatsanwälte sollten sich hierzulande sehr genau überlegen, wann sie ein Strafverfahren anstrengen. Manchmal wird viel zu schnell geschossen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, genießen Sie den Advent und die vorweihnachtliche Stimmung. Herzlichst Ihr

Stefan Menzel

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