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20.08.2014

18:35 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ratlosigkeit pur

VonStefan Menzel

Ein US-Journalist wird im Irak brutal hingerichtet, der Bund bleibt der Commerzbank treu. Ebola in Afrika wird bedrohlich, Fußball zum wirtschaftlichen Erfolg und der Euro schwächelt. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Trauertag

Im Journalismus gilt eigentlich das ungeschriebene Gesetz, dass Journalisten nicht über Journalisten schreiben. Doch der heutige Tag ist anders, am Tod von James Foley kommt niemand vorbei. Seine brutale Hinrichtung erschüttert, sie macht ratlos und sprachlos. Warum passiert so etwas? Warum sind Menschen in der Lage dazu, einem anderen Menschen so etwas anzutun? Was im Moment im Irak passiert, das macht mir Angst. Lässt sich so etwas nicht doch irgendwie verhindern? Und ich bin froh darüber in einem Land zu leben, in dem so etwas nicht passiert.

Treuebekenntnis

Es ist ein klares Bekenntnis: Die Bundesregierung will den Staatsanteil an der Commerzbank mindestens bis zum Jahr 2016 behalten. Aktionäre und Kunden können sich natürlich über diese Erklärung freuen, bekommen sie doch Gewissheit und Sicherheit für die nächsten zwei Jahre. Dass der Bund der Commerzbank bis auf Weiteres die Treue hält, sagt aber auch noch etwas anderes: Die Banken sind immer noch nicht über den Berg, der Staat hätte sich schon längst zurückgezogen.

Afrika, ganz nah

Westafrika scheint unheimlich weit weg. Deutschland hat keine besonders intensiven Kontakte zu Ländern wie Liberia und Sierra Leone. Doch schon in Belgien, Frankreich und Großbritannien sieht das ganz anders aus – wegen ihrer intensiven kolonialen Vergangenheit haben sie viel stärkere Bindungen in die von Ebola geplagte Region in Westafrika. Niemand sollte hierzulande meinen, Ebola sei allein eine Sache der Afrikaner. Die Epidemie geht uns sehr wohl etwas an, weil sie doch auch hier in Europa ankommen kann. Zudem erwarten die Menschen in Afrika auf unsere Unterstützung. Völlig zurecht.

Modell D

Zwei Drittel der deutschen Profi-Fußballklubs schreiben Gewinne. Das ist eine gute Nachricht nicht nur für die Fans. Über Fußballrechte im Fernsehen, Merchandising und andere Vermarktungswege ist dieser Sport zu einem milliardenschweren Wirtschaftszweig geworden. Deshalb sollte sich hierzulande jeder darüber freuen, dass die meisten Fußballvereine wirtschaftlich auf gesunden Beinen stehen. In anderen Ländern Europas fahren etliche Klubs ein viel höheres finanzielles Risiko. Das wird sich irgendwann bitterböse rächen. Deutschland liefert auch im Fußball ein Modell, das sich nachzuahmen lohnt.

Abwärts

Es fehlt nicht mehr viel und der Euro kostet weniger als 1,30 US-Dollar. Noch zu Jahresbeginn waren die Klagen der Exportwirtschaft groß, weil der Euro viel zu stark geworden sei und die Unternehmen gefährde. Inzwischen jedoch geht es kontinuierlich abwärts, sehr zur Freunde besonders der deutschen Konzerne. Öffentlich hat sich aber bislang noch niemand bei der Europäischen Zentralbank für deren Euro-Schwächung bedankt. Ein wenig mehr Aufrichtigkeit wäre in diesem Fall doch nun wirklich angebracht, oder?

Freuen Sie sich über den Feierabend. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Kommentare (1)

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Herr Udo Jung

20.08.2014, 20:38 Uhr

Warum schreiben Journalisten nicht über Journalisten? Ich erkläre mir das so, dass es eine Art Sippschaft ist. Ich pinkele dir nicht ans Bein und du mir nicht. Der andere könnte sich ja wehren. Der Hass auf die Amerikaner nimmt stetig schrecklichere Ausmaße an und macht auch vor einem Journalisten nicht Halt.
Deswegen ist es wichtig, dass sich Deutschland nicht zum Vasallen der USA macht. Die Konflikte dieser Welt können nicht durch Waffengewalt gelöst werden.

Sich über die Schwäche der eigenen Währung zu freuen ist mir als Deutscher zutiefst zuwider. Es gibt hierzu andere ökonomische Auffassungen, und Deutschland ist mit einer starken DM und einem starken Euro gut gefahren.

Toi toi toi für Ihre Kommentare, ich lese sie immer wieder gerne!

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