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05.11.2012

18:12 Uhr

Was vom Tage bleibt

Raubritter aus Berlin

VonFlorian Kolf

Die Koalition verspielt ihre Zukunft und greift anderen in die Tasche, Standard und Poor's wird mit Fehlern der Vergangenheit konfrontiert und ein Grüner bezahlt Prostituierte aus der Parteikasse. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Signal der Hilflosigkeit

Für wie dumm hält die Regierung eigentlich ihre Wähler? Wie auf dem Basar haben die Koalitionäre ihre politischen Interessen ausgekungelt und verkaufen das als "Signal der Handlungsfähigkeit" (Originalton Philipp Rösler). Dabei hat Schwarz-Gelb ja noch Glück, dass die Opposition zurzeit auch ein eher unglückliches Bild abgibt und für viele keine überzeugende Wahl ist. Ein innovativer Vorschlag: Alternativ zur normalen Wahlstimme könnte man die negative Stimme einführen, mit der die Partei, die einem gar nicht gefällt, eine Stimme abgezogen bekommt. Das würde sicher viele Nichtwähler zurück an die Urne locken.

Ausgeplünderte Förderbank

Wie verzweifelt die Koalitionäre nach neuen Geldquellen für ihre politischen Steckenpferde suchen und wie hemmungslos sie dabei vorgehen, zeigt das Beispiel der Förderbank KfW. Bisher ist gesetzlich festgelegt, dass die Bank ihre Gewinne einbehält, um sie in neue Förderprojekte zu stecken. Nun hat die Regierung kurzerhand beschlossen, sich diese Gewinne ausschütten zu lassen - und die KfW darüber über die Presse informiert. Erst missbraucht die Regierung die Förderbank für fragwürdige Verstaatlichungen wie beim Luftfahrtkonzern EADS, dann plündert sie sie aus. So verspielen die Raubritter aus Berlin die Zukunft.

Fehlurteil vor Gericht

Die Ratingagentur Standard & Poor's ist in Australien zu Schadenersatz in Millionenhöhe verurteilt worden, weil sie offenbar vor sechs Jahren die Bonität von Finanzprodukten zu optimistisch eingeschätzt hat. Bei vielen dürfte diese Meldung Genugtuung auslösen, sind doch die Ratingagenturen zu einem der beliebtesten Hassobjekte in der Finanzkrise geworden. Zuerst hatten sie die Katastrophe nicht kommen sehen und jetzt verschärfen sie die Krise noch mit ihren Herabstufungen, so der Vorwurf. Dabei haben sie doch immerhin aus der Krise gelernt - und schauen jetzt genauer hin. Was man von vielen Politikern nicht behaupten kann.

Comeback von Toyota

Aus Krisen gelernt hat auch Toyota. Vorschnell hatten viele den einst so bewunderten Autobauer schon abgeschrieben und nur noch auf den Aufstieg von Volkswagen geschaut. Doch so einfach dürfte das Überholmanöver nicht werden. Nach schweren Rückschlägen durch Rückrufaktionen und die Tsunami-Katastrophe hat sich Toyota nun zurückgemeldet und beim Absatz wieder die weltweite Spitzenposition übernommen. Dabei half die Rückbesinnung auf das Erfolgsrezept der Vergangenheit: permanente Erneuerung. Und die Besinnung darauf, was der Kunde will - und nicht was technisch möglich ist. Davon kann VW immer noch etwas lernen.

Was fehlt? Mit Geldern aus der Parteikasse hat Christian Goetjes, der frühere Schatzmeister der Brandenburger Grünen, über Jahre zwei Prostituierte ausgehalten und landete deswegen jetzt vor Gericht. Das soll doch noch einer behaupten, die Grünen hätten keine Nähe zur Wirtschaft: Ergo und VW lassen grüßen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Feierabend,

Florian Kolf

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Kommentare (7)

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Radiputz

05.11.2012, 18:24 Uhr

Herr Kolf, Sie bekommen Witz und Pfiff und werden immer besser, während der etwas hausbackene Herr Stock aufgerufen ist, Ihnen nachzueifern.
Fröhlichen Wettbewerb bei was "vom Tage bleibt"

scharfschuetze

05.11.2012, 18:50 Uhr

Respekt, wenn der Herr Goetjes es schafft, von den paar Kröten 2 Nutten freizuhalten. Denn mehr wie 2 Mitglieder hat doch die Grünen-Sektion Brandenburg bestimmt nicht, oder?
Vielleicht waren die Damen aber auch supergünstig?

atinak

05.11.2012, 19:07 Uhr

Der Beitrag gefällt mir auch sehr, ebenfalls der Vorschlag mit den Negativstimmen. Das würde in der Tat viele Nichtwähler erneut an die Wahlurnen bringen. Und was passiert dann mit den Parteien, die mehr Negativ- als Positivstimmen bekommen? Muss dann beispielsweise der Krisenverursacher Steinbrück, der jetzt die Stirn hat, zu allem Elend auch noch auf Kanzlerkandidat zu machen, endlich in die Haftung treten und seine Milliönchen abtreten? Oder Frau Merkel für ihre wilden Behauptungen und Versprechungen geradestehen? Dann ist's nix mehr mit der alptraumhaften Molkereiausstellung in Bayreuth. Deutschland würde aufatmen.

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