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27.09.2012

18:06 Uhr

Was vom Tage bleibt

Realsatire am Landgericht

VonFlorian Kolf

Kölner Richter verbieten eine App, die keinen mehr interessiert, die Euro-Skeptiker haben einen Achtungserfolg erzielt und die Harry-Potter-Autorin kann doch nicht zaubern. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Absurdes Theater um die "Tagesschau"-App

Sie wissen nicht mehr, was die Meldungen des Tages am 15. Juni 2011 waren? Zumindest mit der "Tagesschau"-App können Sie diese Bildungslücke jetzt nicht mehr füllen. Denn das Kölner Landgericht hat die App heute verboten - aber nur für diesen einen Tag. Damit ist der jahrelange Streit zwischen Verlegern und ARD um eine absurde Wendung reicher. Zwar sind die Richter den Argumenten der Kläger voll gefolgt, dass nämlich die App eine unfaire, weil gebührenfinanzierte Konkurrenz für private Nachrichtenapps ist, aber grundsätzlich verboten haben sie sie nicht. So kommt zur Verschwendung von Rundfunkgebühren auch noch eine überflüssige Beschäftigung von Gerichten.

ESM nimmt letzte Hürde

Immerhin eine gewisse zusätzliche Absicherung hat das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Rettungsschirm ESM gebracht: Die Bundesregierung hat daraufhin gegenüber den Partnern in der Eurozone klargestellt, dass die deutschen Verpflichtungen 190 Milliarden Euro nicht ohne Genehmigung des Bundestages überschreiten dürfen - und die haben das schriftlich akzeptiert. Deswegen hat heute auch der Bundespräsident dem Gesetz endgültig zugestimmt. Doch der Bundestag muss wachsam bleiben. Die Erfahrung lehrt: EU und auch EZB tendieren dazu, ihren Machtbereich schleichend auszudehnen.

Nur Luxus läuft

Wir befinden uns im Jahr 2012. Die ganze Autobranche ist in Heulen und Zähneknirschen verfallen. Die ganze Autobranche? Nein. Ein unbeugsames Segment stemmt sich tapfer gegen die einbrechende Autokonjunktur: Die Luxusschlitten. Auf dem Pariser Autosalon präsentierte Porsche jetzt überraschend eine edle Kombi-Variante des Panamera, Bentley zeigte stolz einen Rennwagen, auch die Konzernschwestermarke Lamborghini stellt immer neue Verkaufsrekorde auf. Das zeigt: Attraktive Produkte für kaufkräftige Kunden laufen, für austauschbare Dutzendautos sitzt das Geld nicht mehr locker. Harte Zeiten für Opel, Fiat, Renault und Co.

Entzauberte Heldin

Sie kann offenbar doch nicht zaubern: Obwohl das neueste Buch der Harry-Potter-Schöpferin Joan K. Rowling mit großem PR-Theater in den Buchhandel gebracht wurde, bildeten sich zumindest in Deutschland heute keine Schlangen vor den Geschäften. Zuvor hatte Rowling die Geheimhaltung auf die Spitze getrieben: Erst um Punkt 9 Uhr durften die Buchhändler die Folie um die Bücher aufreißen, kaum einer hatte das Werk vorab lesen dürfen. Nun liegt es auf dem Tisch, und es muss sich beweisen, ob die Autorin auch ein anderes Genre als Kinderbücher beherrscht.

Was fehlt? Weil er in New York öffentlich eine Zigarre geraucht hat, wird Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy jetzt wüst beschimpft. Erzürnte Bürger werfen ihm einen luxuriösen Lebensstil vor, während er den Spaniern das Sparen predigt. Einige fühlen sich an die französische Königin Marie-Antoinette erinnert, die den Bürgern riet, doch bitte Kuchen zu essen, wenn sie kein Brot haben. Das ist der Vorteil der Demokratie: Rajoy wird im schlimmsten Fall abgewählt, Marie-Antoinette wurde geköpft.

Ich wünsche Ihnen einen zauberhaften Feierabend,

Florian Kolf

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Kommentare (1)

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Account gelöscht!

27.09.2012, 18:59 Uhr

Was heißt hier Verschwendung von Rundfunkgebühren, wenn ich schon GEZ Gebühren auf mein Handy zahle weil es ein Radio beinhaltet und internetfähig ist dann möchte ich natürlich auch die Öffentlich Rechtlichen empfangen können oder soll ich nur zahlen aber nichts dafür bekommen? Mit meinem Fernseher kann ich auch online gehen und das Handelsblatt online empfangen sollen jetzt die ARD auch gegen die Printmedien klagen weil ich diese im Fernseher empfange?

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