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06.01.2012

17:44 Uhr

Was vom Tage bleibt

Rettungsschirm für die FDP

VonOliver Stock

Die Nachrichten von heute zeigen: Die FDP verpatzt ihre Wiederauferstehung, Wulff auch und Ungarn hat es nicht einmal versucht. Gut, dass da aus den USA ein Lichtblick kommt.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend Ihnen allen,

FDP ade

Die Regie ist schon ein Knüller: Während im Stuttgarter Staatstheater Philipp Rösler auf dem Drei-Königs-Treffen seiner daniedergehenden FDP Mut zuspricht („Deutschland geht es gut unter dieser Bundesregierung, unter Schwarz-Gelb“) bricht 250 Kilometer Luftlinie von diesem Theater entfernt in Saarbrücken die erste deutsche Jamaika-Koalition zusammen. Sie scheitert an - na wem wohl? - der FDP. Die Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) kündigte wegen der anhaltenden Zerwürfnisse in der Landes-FDP das 2009 geschlossene Regierungsbündnis auf. Zugleich bot sie der Saar-SPD Gespräche darüber an, wie die beiden größeren Parteien zusammen weiter regieren könnten. Rainer Brüderle versuchte sich daraufhin in Stuttgart im Schönreden: Es sei keine "einfache Konstellation" gewesen im Saarland. Tatsächlich ist die Situation für die FDP überall einfach ein Desaster. Sie braucht den Rettungsschirm mindestens so dringend wie Griechenland und der Euro, der heute auf seinem 16-Monats-Tief gelandet ist. Der einzige Unterschied: Wenn Griechenland fällt, kippt der Euro. Wenn die FDP zerbröselt, merkt es vielleicht gar keiner.

Wulff fast allein zu Haus

Die Kanzlerin ließ heute durch ihren Regierungssprecher ausrichten, dass sie den Bundespräsidenten gut findet. Christian Wulff selbst verwickelt sich zwar etwa stündlich in neue Ungereimtheiten, was auch an der Masse der recherchierenden Journalisten liegt, aber mit einer Kanzlerin, die den Rücken stärkt und nicht in selbigen fällt, kann er durchhalten. Was der Mann sich damit antut, kann er selbst am besten abschätzen. Die vergangenen Wochen habe er als dermaßen belastend empfunden, dass er sich diesen Druck „nicht noch einmal zumuten“ wolle, sagte er heute. Wir wollen so eine Woche auch nicht, haben aber Angst, dass sie sich mit Wulff im Präsidentensessel durchaus wiederholen könnte.

Ungarn rutsch ab

Mitten in den verzweifelten Bemühungen Ungarns um einen Notkredit des IWF hat die Ratingagentur Fitch das klamme Land abgestraft. Die Bonitätswächter senkten heute die Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus. Ministerpräsident Viktor Orban erklärte erstmal die Einlagen der Sparer für sicher. Vielleicht erklärt diesem Elefanten im politischen Porzellanladen mal jemand, dass er mit seiner nationalistischen Politik sein Land in den Ruin treibt? Solange er von diesem Kurs nicht abweicht, bietet Ungarn Stoff für den Unterricht: So ergeht es einem Land, dessen Regierung die nationale Karte spielt, während der Rest der Welt sich in immer größere Abhängigkeit voneinander begibt. Globalisierungskritiker aufgepasst.

USA steigen auf

Noch etwas, dass froh macht zum Wochenende? Gut. Aber ganz nüchtern: Die US-Wirtschaft gewinnt langsam wieder an Fahrt. Dies macht sich am amerikanischen Arbeitsmarkt bemerkbar. Im Dezember stieg die Zahl der Beschäftigten überraschend deutlich. Den US-Präsidenten, der dieses Jahr wieder gewählt werden möchte, wird das freuen. Und alle die, die gut davon leben, wenn es den USA gut geht, auch. Das sind zum Beispiel die deutschen Autobauer. Sie präsentieren sich nächste Woche auf der ersten Motorshow des Jahres in Detroit. Mehr davon am Montag.

Ein entspanntes Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (4)

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Adieu_FDP

06.01.2012, 17:56 Uhr

Wieso ein Rettungsschirm für die FDP? Der hilft nichts mehr.
Vielmehr sollte man sich schon mal Gedanken über den Ablauf der demnächst stattfindenden Trauerfeier Gedanken machen. Die FDP ist tot und Tote müssen unter die Erde gebracht werden.

lexx_parker@yahoo.de

06.01.2012, 18:35 Uhr

Etwas zu polemisch und etwas wenig Fakten um Ihre Aussagen zu stützen, aber als Kommentar zum Tag/Woche finde ich den Artikel sehr gut!

FDP_in_den_SOFFIN.

06.01.2012, 18:38 Uhr

Rettungsschirm für die FDP. OK, lagert die Liberalen in den ESM, EFSF oder SOFFIN aus. In den kapitalistischen Müllhaufen. Wo sie hingehören. Da tuts einem doch nur noch um Persönlichkeiten wie Genscher und Baum leid, dass sie derzeit so einen unwürdigen Nachwuchs ansehen müssen.

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