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18.10.2013

18:44 Uhr

Was vom Tage bleibt

Roter Kreidefelsen

VonStefan Menzel

Die Sozialdemokraten greifen nach der Macht und Opel expandiert nach Russland. Schweizer Banken geben auf und Aldi gibt beim Kaffee Gas. Bundestrainer Joachim Löw darf natürlich wieder weitermachen. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Kreide schmeckt bitter

Die SPD-Oberen klingen auf einmal, als ob sie tagelang nur Kreide gefressen hätten. Von unüberbrückbaren Gegensätzen mit der Union ist plötzlich nicht mehr die Rede, sondern von einer absehbar guten Zusammenarbeit mit CDU und CSU. Wir haben es doch immer schon geahnt: Gleich nach der Wahl war bereits klar, dass die Große Koalition das wahre Ziel der Sozialdemokraten ist. Das Grollen, Grummeln, auf Distanz gehen – das ist alles nur Teil einer geplanten Inszenierung. Irgendwie muss es der Parteibasis doch schmackhaft gemacht werden, dass die Parteioberen auf jeden Fall in die Regierung wollen. Spätestens Weihnachten dürfte die neue Regierung stehen, diese Wette gilt.

Auf nach Osten

Opel geht es alles andere als gut. Vor allem auf den westeuropäischen Stammmärkten haben die Verkaufszahlen gewaltig nachgelassen. Frankreich, Italien, Spanien – überall dort hat Opel Federn lassen müssen. Und auch daheim in Deutschland sieht es für die General-Motors-Tochter alles andere als rosig aus. Wenn Opel eine Zukunft haben soll, dann müssen neue Märkte her. Offensichtlich hat sich diese Erkenntnis nun endlich auch in der GM-Konzernzentrale in Detroit durchgesetzt. Opel übernimmt künftig in Russland die Regie für den gesamten Konzern. Nach den vielen Pleiten und Pannen ist das endlich wieder einmal eine gute Nachricht für Opel. Vielleicht wird es mit dem Turnaround ja doch noch was.

Luft ablassen

In der Schweiz muss die zweite Bank schließen, weil es Probleme mit dem US-Geschäft gibt. Die Amerikaner sind es leid, dass die Reichen ihr Geld aus dem Land schaffen und bei den Schweizer Banken deponieren. Die USA verlangen deshalb, dass auch in der Schweiz verlässliche Steuerregeln gelten. Der Regierung in Bern bleibt nicht viel anderes übrig, als sich dem Druck aus den USA zu beugen: Die Kräfteverhältnisse sind in diesem Fall eindeutig. Natürlich ist das Bankwesen der Eidgenossen nur deshalb so übermäßig groß geraten, weil das Schweizer Bankgeheimnis als wichtigstes Lockmittel galt. Damit ist es nun vorbei, die überschüssige Luft muss aus dem Schweizer Bankwesen heraus. Deshalb wird es noch mehr Geldhäuser geben, die ihre Pforten endgültig schließen.

Träger Riese

Aldi ist ein großer, träger Riese. Aber eben verdammt stark mit seiner gewaltigen Marktmacht. Was der Discounter aus dem Ruhrgebiet als neues Wachstumsfeld entdeckt, das hat in aller Regel Hand und Fuß. Jetzt startet Aldi das Geschäft mit eigenen Kaffeekapseln. Konkurrenten wie Nestlé und Tchibo mögen sich damit zwar viel besser auskennen. Das sollte Aldi aber nicht besonders stören. Den Abstand zu den größten Kaffeeröstern wird der Discounter ganz schnell aufgeholt haben. Die Konkurrenz muss sich richtig warm anziehen, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Aldi muss sich nur eine Frage gefallen lassen: Warum kommen die eigenen Kaffeekapseln erst jetzt?

Echter Test

Sind unsere Fußballer wirklich so gut, wie sie es selbst immer behaupten? Sind die Ergebnisse der zurückliegenden Saison die Messlatte, dann gibt es an dieser Aussage nichts zu rütteln. Den alles entscheidenden Test wird es erst im kommenden Jahr bei der Weltmeisterschaft in Brasilien geben. Dort werden wir sehen, ob das Team von Bundestrainer Löw wirklich ganz oben bestehen kann. Insofern hat Löws Vertragsverlängerung bis 2016 vom Freitag keine besondere Bedeutung. Diese Zahl steht nur auf dem Papier. In Brasilien wird sich entscheiden, ob er bleiben darf. Und nur dort und nirgendwo anders.

Ein geruhsames Wochenende wünscht Ihnen

Stefan Menzel

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