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04.06.2014

19:00 Uhr

Was vom Tage bleibt

Schaeffler und wie man es nicht machen sollte

VonStefan Menzel

Beim Zulieferer Schaeffler kommt kein neuer Chef, Litauen erhält den Euro. Bio-Produkte laden zum Betrug ein, Bundesanwälte ermitteln wegen des abgehörten Merkel-Handys und die EZB weckt Erwartungen. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Personalexperten

Der Schaeffler-Konzern ist eigentlich ein ordentlich geführtes Unternehmen. In der Automobilbranche hat sich die Schaeffler-Gruppe über Jahre einen guten Ruf als zuverlässiger Zulieferer erarbeitet. Personalpolitik kann das fränkische Familienunternehmen allerdings nicht. Da wird über Monate mühsam Klaus Deller vom Konkurrenten Knorr als neuer Vorstandsvorsitzender abgeworben. Doch jetzt, wenige Tage vor der zum 1. Juli geplanten Amtsübernahme, wird Deller abserviert und darf gar nicht erst bei Schaeffler antreten. Vertragstreue sieht anders aus, liebe Familie Schaeffler.

Der Nächste, bitte

Aus 18 wird 19: Zum 1. Januar 2015 tritt Litauen als 19. Land der Euro-Zone bei. Das kleine Land im Baltikum verspricht sich davon mehr an ökonomischer Stabilität, erhofft sich aber zugleich auch ein Plus an politischer Sicherheit angesichts des gewaltigen russischen Nachbarn. Trotz aller nicht zu leugnenden Probleme mit dem Euro hat die Gemeinschaftswährung nichts an Attraktivität verloren. Litauen wird definitiv nicht das letzte Land sein, das der Euro-Zone beitritt.

Zu viel des Guten

Wir sind alle ganz Bio. Wenn sogar Discounter wie Aldi und Lidl erfolgreich auf den Zug mit Bio-Produkten aufgesprungen sind, dann unterstreicht das erst recht, wie weit die Öko-Welle unser Leben bereits durchdrungen hat. Die Landwirte kommen kaum noch hinterher, der wachsenden Nachfrage Rechnung zu tragen. Dann ist es kein Wunder, dass auch Betrüger die Bio-Welt entdecken und abkassieren wollen. Wie bei der Öko-Fleischmarke Neuland, unter deren Namen kein Bio-, sondern konventionell produziertes Fleisch verkauft worden ist. Wahrscheinlich müssen wir alle unsere Erwartungen ein Stück weit zurücknehmen – Bio-Produkte lassen sich einfach nicht in gewaltigen Mengen herstellen.

Furchtlos vor den USA?

Nun also doch: Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen ausländische Geheimdienste, weil das Handy von Kanzlerin Merkel systematisch abgehört worden ist. Wie gut, dass es keine außenpolitische Rücksichtnahme gegenüber den USA gibt und dass die Ermittler freie Hand bekommen haben. Allerdings dürfen wir uns keinen Illusionen hingeben. Ermittlungen sind schön und gut, aber ein Durchgriffsrecht auf der anderen Seite des Atlantiks haben deutsche Behörden nicht. „Verfahren eingestellt“, das werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit auf absehbare Zeit zu hören bekommen.

Frankfurt, ganz negativ

Alles wird morgen nach Frankfurt blicken, wo die Europäische Zentralbank Geschichte schreiben und erstmals negative Einlagezinsen beschließen will. Wenn die EZB ihre nächsten geld- und zinspolitischen Schritte verabschiedet, dann wird der reichere Norden dem schwächeren Süden in Form niedrigerer Zinsen helfen. Sparer hierzulande verzichten auf Zinserträge, um die Volkswirtschaften im Süden anzukurbeln. Für begrenzte Zeit geht solch eine Unterstützung völlig in Ordnung. Die Euro-Zone steht heute für einen gemeinschaftlichen Wirtschaftsraum, nationale Interessen treten ein Stück weit zurück.

Einen schönen und entspannten Abend wünscht Ihnen   

Stefan Menzel

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