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11.04.2013

18:46 Uhr

Was vom Tage bleibt

Scheine im Socken

VonOliver Stock

Ohne 500-Euro-Scheine wäre das Leben leichter. Die Kirch-Erben streiten sich mit der Deutschen Bank am falschen Ort. Opel lernt Haltung. Österreich bangt ums Bankgeheimnis

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Falscher Ort

Einer der teuersten Prozesse der Republik wurde heute nicht im Gerichtssaal sondern bei einer außerplanmäßigen Hauptversammlung ausgetragen: Die Erben des erst Pleite gegangenen und dann über den Prozess verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch hatten die Beschlüsse einer der vergangenen Aktionärstreffen der Deutschen Bank wegen eines Verfahrensfehlers gekippt - also musste die Prozedur heute wiederholt werden. Kirch hatte die Bank einst für seine Pleite verantwortlich gemacht, weil sich ihr damaliger Chef unbedacht und abfällig über den Medienkonzern geäußert hatte. Seither herrscht Fehde. Richtig daran ist, dass die Kirch-Erben sich nicht über den Tisch ziehen lassen. Falsch ist aber, dass sie ihre Auseinandersetzung unter dem Deckmantel der Aktionärsdemokratie in einer Hauptversammlung austragen.

Siegen, wenn keiner dran glaubt

Dan Akerson will die Vergangenheit vergessen machen. Der General Motors-Chef schüttelte heute die Hand der Kanzlerin jenes Landes, in dem die Firmentochter Opel wegen einer verpatzten Konzernstrategie nicht aus dem Leidensmodus herausfindet. Als Geschenk brachte Akerson vier Milliarden Euro mit nach Deutschland, die in die angeschlagene Tochter gesteckt werden sollen. Das ist schön, aber nicht genug: Geld ist nämlich das eine, Haltung das andere. Auch da macht Opel Fortschritte. Die Autobauer geloben heute in einer Zeitungsanzeige, von Borussia Dortmund zu lernen: "Siegen, wenn keiner mehr daran glaubt!", nennen sie ihre Strategie, die sie mit dem Fußballverein verbindet.

Geld-Besuche

Banken aus Österreich werben gerade bei deutschen Kunden mit Diskretion und ihrem exklusiven Bankgeheimnis. „Es spricht doch nichts dagegen, dass Kunden bei einem Skiurlaub auch einzahlen, abheben oder einfach ihr Geld besuchen wollen." So sagte es uns jüngst Österreichs Raiffeisen-Bank-Chef Walter Rothensteiner. Unser Gespräch ist ein paar Tage her. Seitdem ist einiges passiert. Inzwischen kann sich sogar Luxembourg vorstellen, ungefragt Kontodaten an deutsche Finanzämter zu melden. Es könnte es sein, dass deswegen der Besuchsverkehr zwischen Deutschen und ihrem österreichischen Geld strengeren Öffnungszeiten unterliegt und möglicherweise nicht mehr ganz so diskret abläuft.

Blick unter die Matratze

Er ist violett, misst 160 mal 82 Millimeter, zeigt moderne europäische Bauwerke – und nur die wenigsten haben ihn jemals zu Gesicht bekommen: der 500-Euro-Schein. Kaum eine andere Volkswirtschaft verfügt über eine derart wertvolle Banknote. Nun könnte ausgerechnet der seltene Schein dem krisengeplagten Europa aus der Patsche helfen. Und zwar, indem er abgeschafft wird. Das zumindest meint Athanasios Vamvakidis, Währungsexperte bei der der US-Großbank Bank of America. „Das wird den Euro schwächen und die Wirtschaft ankurbeln“, empfiehlt der Analyst. Wie das? Ganz einfach: Eine Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt, dass nur ein Drittel der 500-Euro-Scheine zum Bezahlen benutzt werden. Der Rest, der immerhin seine 300 Millionen Euro wert ist, steckt irgendwo unter der Matratze oder im Socken. Was würde die Wirtschaft florieren, wenn uns die Scheu vorm großen Schein nicht länger hinderte, dieses Geld auszugeben?

Einen florierenden Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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btw

11.04.2013, 19:18 Uhr

Geld ist das eine, Haltung das andere.
__________________

Was GM noch lernen muß: verlieren.
Erfolg hat viele Väter, GM macht das ausgerechnet mit der Borussen Werbung mehr als klar.

Eine Marke versemmeln kann jeder, ihr jedoch wieder zu Ansehen zu verhelfen: da fängt Führungsarbeit eigentlich an.

Außer vollmundigen Werbeversprechen hat GM bislang wenig mehr geschafft, als das eigene Image auf vielen wichtigen Märkten erheblich zu ramponieren.

Man bleibt gespannt, was GM eigentlich will: Autos bauen oder als Globalplayer weiter Vertrauen leichtfertig verspielen.

Brasil

11.04.2013, 22:21 Uhr

Jetzt soll der Herr Chefredalkteur nur nicht luegen und sagen er haette folgende meldung nicht gekannt:

DEUTLICH MEHR GELD
Zypern braucht 23 Milliarden Euro
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Wie die Regierung der Inselrepublik ankündigte benötigt Zypern für seine Rettung viel mehr Geld als ursprünglich angenommen.
Zypern benötige 23 Milliarden Euro, bestätigte der zyprische Regierungssprecher Christos Stylianides am Donnerstag. Bislang war die Regierung in Nikosia von 17,5 Milliarden Euro ausgegangen.
"Es ergibt sich, dass wir 23 Milliarden (Euro) brauchen", sagte der Regierungssprecher in Nikosia und bestätigte damit bereits am Mittwoch bekanntgewordene Zahlen aus einem Bericht der EU-Kommission und Europäischen Zentralbank (EZB) zum Hilfsprogramm für Zypern.
Verantwortlich dafür sei die "Tatenlosigkeit" der vorigen Regierung unter dem linken Präsidenten Dimitris Christofias. Die vorige Regierung habe "verantwortungslos" gehandelt, sagte Stylianides. Die 17,5 Milliarden Euro sei die Summe, die Zypern im vergangenen November gebraucht habe, hieß es. Inzwischen sei der Geldbedarf zur Rettung des maroden Bankensektors gestiegen./tt/DP/hbr
NIKOSIA (dpa-AFX

Was das ok aus der FDJ-Presseabtreilung nicht rechtzeitig da, oder einfach nur negativ beschieden worden?

Fuer eine unabhaengige Presse waere das jedenfalls eine first page headline gewsen!

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