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27.08.2015

19:11 Uhr

Was vom Tage bleibt

Schlepper sind Mörder

VonOliver Stock

Die Tragödie von Wien erschüttert Europa. Wenn wir schon die Flüchtlingsströme kaum eindämmen können, dürfen Schlepper keine Chance mehr bekommen, ihr schmutziges Geschäft zu betreiben. Lesen Sie den Tagesüberblick.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser!

Die Tragödie

Welche Tragödie! Auf der Autobahn vor Wien ersticken 50 Flüchtlinge in einem als Hühnerfleisch-Lieferant getarnten Kühllastwagen. Die Nachricht erschüttert uns alle zutiefst. Diese Katastrophe ist näher dran als der zahllose und oft namenlose Tod im Mittelmeer. Wir können vor ihr noch weniger die Augen verschließen. Es ist eine Schande für Europa, dass so etwas mitten im Herzen unseres Kontinents passiert. Die Schlepper, die diesen Transport organisiert haben, sind für mich Mörder. Es ist Sache der Ermittler, sie dingfest zu machen. Und es ist unser aller Verantwortung, so etwas dort zu verhindern, wo es in unserer Macht steht. Bleiben wir aufmerksam.

Zugelangt

Angesichts dieser Tragödie sind andere Nachrichten an sich kaum zu ertragen. Zu den paar ausgewählten, die uns alle angehen, gehört die Ankündigung der Banken, die Gebühren am Geldautomaten kräftig zu erhöhen. „Gebühren“ ist dabei ein schönfärberisches Wort. Es suggeriert Alternativlosigkeit und das Gegenteil von Gewinnstreben. Wir können davon ausgehen, dass beides nicht der Fall ist. Also sprechen wir vom Preis. Der steigt bei der Deutschen Bank zum Beispiel ums Doppelte für Geldabheber, die nicht zum eigenen Kundenkreis gehören. Wir wissen künftig: Der Geldautomat hat zwei Öffnungen. Vorne für unser Geld und hinten für das Geld, was die Bank erhält. Beides wird vom gleichen Konto abgebucht.

Eine Frau für Griechenland

In Griechenland soll erstmals eine Frau die Regierung führen – aber nur übergangsweise. Staatspräsident Pavlopoulos beauftragte die Präsidentin des Areopag, des höchsten Gerichts, mit der Regierungsbildung, Solange neue Wahlen kein eindeutiges Ergebnis hervorbringen, ist jetzt Vasiliki Thanou erstmal Chefin der Griechen. Als Deutsche wissen wir, dass Frauen weniger Testosteron getrieben ihren Regierungsgeschäften nachgehen. Das hilft manchmal. Vor diesem Hintergrund erfüllt mich der Satz meines Klempners heute morgen mit Hoffnung: Provisorien halten manchmal am längsten, sagte er.

Bunter Spruch

Auf den Hass, den Rechtsradikale Flüchtlingen in vielen Orten Deutschlands entgegenschreien, haben zahlreiche Prominente mit drastischer Wortwahl geantwortet. Der Pastillen-Hersteller Fisherman's Friend will mit Witz etwas erreichen. In einer Facebook-Kampagne, erdacht von der Werbeagentur Scholz & Friends, setzt er den dumpfen Parolen scharfe Sprüche entgegen. „Sind sie zu bunt, bist du zu braun“ ist bis auf Weiteres mein Lieblingsmotto.

Einen bunten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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Sergio Puntila

27.08.2015, 20:33 Uhr

"Schlepper sind Mörder"
___________

Weit entfernt, Schlepper in irgendeiner Weise exkulpieren zu wollen:
Schlepper sind und wirken wie Mitprofiteure einer politischen Entwicklung von der alle wissen und bei der viele immer noch nicht bereit wirken sich mit den Folgen politischen Handelns (Riskmanagement?) ernsthaft so auseinanderzusetzen, ihr eigenes Handeln auf menschenwürdiges Riskmanagement hin zu organisieren.

Jetzt mit dem Finger auf Schlepper, und das kann durchaus auch als Geschäftsfeld betrachtet werden angesichts billigster Rettungswesten schlechtester Boote [auch um "Flüchtlingsimages" zu vermitteln], zeigen zu wollen könnte auf abentuerlich wirkende Risikofolgenabschätzung auf höchsten Ebenen hinbedeuten, die durchaus mit dem "Schlepperbusiness" sich gemein zu machen scheint.

Vmtl aber scheint man gar keine Zeit mehr zu haben zu reflektieren was man anrichtet: um so wesentlicher wirkt es nicht weiter Öl in lodernde Feuer zu giessen, statt mit "haltet den/die Dieb/e" eklatante politische Verfehlungen auf allen Seiten so eines "Board of Trade" zu benennen zu vergessen.

Die ursächlichen Verantwortlichen an diesem Desaster tragen zuweilen klingendste bestbeleumdete Namen.

Man wünscht dem Handelsblatt den Mut, diese nicht unbedingt aufreisserisch wie die anonym wirkende Schuldzuweisung "Schlepper" zuweilen auch zu benennen, damit keine Unklarheit darüber aufkommen kann, wer dieses Desaster zu verantworten hat.

Sergio Puntila

27.08.2015, 20:40 Uhr

Grob vereinfacht gesagt: das Handelsblatt berichtet ungewohnt verhalten über das Flüchtlingsbusiness und seine politischen Drahtzieher.

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