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03.09.2012

18:39 Uhr

Was vom Tage bleibt

Schluss mit der Vielfliegerei

VonOliver Stock

Der Streik bei der Lufthansa kann morgen aus dem Volk der Vielflieger ein Volk der Bodenhocker machen. Chinesen kaufen weniger in Europa und die Griechen entdecken hauseigenes Vermögen in der Schweiz. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Tag der Bodenhocker

Achtung: Bitte nicht in die Luft gehen. Denn wenn Sie das morgen vorhaben, könnte es sein, dass sie gezwungen werden, am Boden zu bleiben. Und das ist dann erst recht ein Grund zum in die Luft gehen. Es geht um die Streiks bei der Lufthansa. Das Kabinenpersonal will fünf Prozent mehr Lohn, was moderat klingt, aber eben so überhaupt nicht ins Sparkonzept der Fluggesellschaft passt, sodass beide Seiten nur noch über Streiks und nicht mehr über Lösungen ihres Tarifkonflikts reden. Am ersten Streiktag musste die Kranich-Linie bereits 190 Flüge streichen - drei Mal so viel wie zunächst geplant. 26.000 Passagiere saßen am Frankfurter Flughafen fest. Nun will die andere Seite den Streik nicht mehr auf einen Flughafen beschränken. Es dürften also noch mehr Bodenhocker geben. Was die denken ist klar: Nur eine schnelle Einigung ist eine gute Einigung.

Geld aus China saugen

Dass Südeuropa kein Highlight mehr für deutsche Exporteure ist, überrascht jetzt nicht wirklich. Dass aber auch China gegen einen Abwärtstrend kämpft, das enttäuscht all diejenigen, die mit großen Hoffnungen ins Riesenreich der Mitte gewandert waren. Und das sind viele. Die Folge: Die Exportaufträge schrumpften so stark wie seit April 2009 nicht mehr. Fazit: Es gibt keine Absatzgarantie, nur weil die Märkte, die beliefert werden wollen, mehr geworden sind. Das einzige, was hilft, sind gute Produkte. Und da lassen wir Europäer uns Gott sei Dank etwas einfallen. Schnurlose Staubsauger der Firma Dyson zum Beispiel, wie sie auf der Infa in Berlin zu besichtigen sind, werden jetzt auch aus England nach China exportiert. Um das letzte bisschen Geld abzusaugen, ist das vielleicht keine schlechte Idee.

Es bleibt in der Familie

Die Bad Bank der ehemaligen WestLB will weitere rund 100 Milliarden Euro aus der Erbmasse ihrer untergegangenen Mutter ohne größere Belastungen für den Steuerzahler schultern. Die Bank war vor rund zweieinhalb Jahren als Reste-Rampe der WestLB mit Portfolien in einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro an den Start gegangen. Bis zur Jahresmitte 2012 reduzierte sie die ihr übertragenen Risiko-Kredite und Staatsanleihen auf rund 45 Milliarden Euro. Jetzt wird also ein noch größeres Rad gedreht. Beraten wird die Bad Bank dabei von Portigon, einer weitern Erbfolgerin der WestLB. Portigon wird für seine Dienste von der Bad Bank bezahlt. So bleibt die Familie auch nach dem Todesfall der Mutter zusammen. Das Geld kommt vom Steuerzahler. Auch das war in dieser Familie schon immer so. Bei der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ werde ich morgen in Frankfurt Gelegenheit haben, Portigon-Chef Dietrich Voigtländer zu fragen, ob unser Geld gut angelegt ist. Ehrlich gesagt habe ich meine Zweifel.

Griechenland hebt verborgene Schätze

Griechenland verhandelt mit der Schweiz über ein Steuerabkommen. Der griechische Vize-Finanzminister hat sich mit dem Schweizer Finanzstaatssekretär getroffen und über ein Abkommen nach dem Muster des Abkommen mit Deutschland gesprochen. Danach würden die Vermögen von Griechen auf Schweizer Bankkonten pauschal besteuert - die Namen der Kontoinhaber würden aber weiterhin anonym bleiben. Ob die Griechen wissen, dass die Deutschen statt aufs Abkommen lieber auf den Ankauf von Daten mit Steuersündern setzen? Vermutlich nicht. Denn dafür haben sie keine Zeit. Sie brauchen das Geld aus der Schweiz schnell. Deutschland offenbar nicht.

Einen reichhaltigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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imao

03.09.2012, 19:19 Uhr

Fische stinken stets vom Kopf her, wenn sie zu verwesen beginnen.
Sollte man stets im Auge behalten, diese Fischerweisheit.

esm

03.09.2012, 19:47 Uhr

Hallo Herr Stock,
in Bezug auf Lucia's Kommentar - Kann man auf HB nicht mal ein Bewertungssystem für Kommentare einführn? Ich denke da in Richtung Huffpost.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wolfgang-schaeuble-der-eiserne/v_detail_tab_comments/7088252.html?pageNumber=4&commentSort=debate

black

04.09.2012, 09:08 Uhr

ist doch super CO2 freundlich ( ist das nicht das Wichtigste ? ) ^^

mal sehn ob ich da die Grünen bei der Demo sehe;

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