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02.04.2015

18:55 Uhr

Was vom Tage bleibt

Schreckliche Klarheit

VonStefan Menzel

Der Co-Pilot von 4U9525 dürfte die Katastrophe geplant haben, Öl bleibt billig. Kenia wird zum neuen Krisenherd, Airbnb geht nach Kuba und das IOC veröffentlicht die Chefgehälter. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Gewissheit

Jeder Journalist lernt, dass er sich bei Vorverurteilungen zurückhalten muss. Doch im Fall von Germanwings-Flug 4U9525 ist es verdammt schwer, sich an diese Vorgabe zu halten und nicht emotional zu reagieren. Doch jetzt geht es nicht anders. Die jüngsten Äußerungen der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft sind zu eindeutig: Co-Pilot Andreas L. hat sich demnach im Internet über Selbstmord und Cockpit-Türen informiert. Es war also nur eine Frage der Zeit, dass die große Katastrophe passieren würde. Wahrscheinlich ist dieser Fall jetzt wirklich abgeschlossen. Wir haben so etwas wie Gewissheit.

Vorteilhaft

Die westlichen Industrieländer können sich schon jetzt über einen beispiellosen Verfall des Ölpreises freuen. Binnen eines Jahres hat sich der Preis für ein Fass Rohöl mehr als halbiert. Da jetzt offensichtlich auch noch der Durchbruch bei den Atom-Verhandlungen mit dem Iran gelingt, werden auf absehbare Zeit auch die Sanktionen gegen die Regierung in Teheran fallen. Dann drängt plötzlich auch wieder iranisches Öl in größeren Mengen auf den Weltmarkt. Neues Öl, das noch einmal zusätzlichen Preisdruck auslösen sollte. Und damit ist es ziemlich klar: Der Ölpreis bleibt dauerhaft niedrig.

Solidarität

Schreckliche Nachrichten kommen aus Kenia. Mindestens 70 Studenten sind bei einer Attacke islamischer Milizen auf eine Universität ums Leben gekommen. Kenia ist eigentlich ein christliches Land und hat vergleichsweise wenig mit dem islamisch geprägten afrikanischen Norden zu tun. Trotzdem ist Kenia nun zum zweiten Mal Ziel eines brutalen Terrorangriffs geworden. Vor knapp zwei Jahren starben bereits mehr als 60 Menschen bei einer Attacke auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi. Kenia klingt für uns in Europa irgendwie weit weg. Aber trotzdem verdient es unsere Unterstützung und unsere Solidarität, gerade wegen seiner engen Verbindungen nach Europa. Die brutale Gewalt darf sich auf Dauer nicht auch noch südlich der Sahara festsetzen.

Einfach friedlich

Zum Glück gibt es an diesem Tag auch noch die guten Nachrichten. Das Internet-Übernachtungsportal Airbnb nimmt ausgerechnet im sozialistisch geprägten Kuba seine Geschäfte auf. Das ist zwar erst einmal nur eine kleine und vergleichsweise unbedeutende Nachricht. Das Beispiel Airbnb steht allerdings für die immer bedeutender werdende Normalisierung zwischen den USA und Kuba. US-amerikanische Unternehmen werden jetzt also auch auf Kuba aktiv und machen dort ganz einfach ihre Geschäfte. Es geht voran. In wenigen Jahren dürfte die jahrzehntelange Feindschaft zwischen beiden Ländern vergessen sein.

Transparent

Sportverbände sind so etwas wie eine Blackbox. Sie lassen sich allzu ungern in die Karten sehen und arbeiten lieber im Verborgenen. Korruptionsverdacht etwa bei der Vergabe großer Sportereignisse ist eigentlich schon an der Tagesordnung. Das Internationale Olympische Komitee will jetzt für mehr Transparenz sorgen und veröffentlicht die Gehälter des Spitzenpersonals. IOC-Chef Thomas Bach kommt auf ein Jahressalär von gut 200.000 Euro, also ungefähr vergleichbar mit einem Ministergehalt. Das IOC deckt damit vorbildlich das Informationsbedürfnis im Sport ab. Das IOC wird zum Vorbild für andere. Wäre das nicht auch etwas für Sie, Herr Blatter von der Fifa?

Handelsblatt Online wünscht Ihnen ein gesegnetes Osterfest. Hoffentlich wird das Wetter nicht zu schlecht. In der kommenden Woche hören Sie wieder von uns. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

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