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05.01.2015

19:15 Uhr

Was vom Tage bleibt

Schwarze Rosen aus Athen

VonStefan Menzel

Die Börsen fürchten Griechenland, der Ölpreis fällt ins Bodenlose. Für Elektroautos ist bald kein Platz mehr, die AfD ringt um das eigene Überleben und BMW leidet in China. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Keine Angst vor Griechenland

Vor drei Jahren stand der Euro wegen der ersten Griechenland-Krise am Rande des Zusammenbruchs. Doch seitdem ist eine ganze Menge passiert. Der Euro hat zusätzliche Sicherungssysteme wie den ESM bekommen. Krisenländer wie Irland und Spanien sind aus dem Gröbsten heraus und können den Euro nicht mehr in den Abgrund treiben. Griechenland als einzelner Störfaktor ist einfach zu klein, um das große Ganze ins Wanken zu bringen. Der stark fallende Euro-Kurs sorgt nun dafür, dass sich die geschwächte Konjunktur in der Euro-Zone aufgrund einer steigenden Auslandsnachfrage wieder stabilisieren dürfte. Die wirtschaftlichen Aussichten für 2015 verbessern sich also maßgeblich. Bis zum Wahltermin Ende Januar wird es aus Griechenland zwar noch das eine oder andere Störfeuer geben. Aber es gibt keinen Grund, deswegen in große Unruhe zu verfallen. Auch diese neue Griechenland-Krise wird sich bewältigen lassen.

Rennen an die Zapfsäulen

Die Entwicklung am Ölmarkt nimmt immer verrücktere Züge an. Am Montagabend ist der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) in den USA das erste Mal wieder unter die Grenze von 50 Dollar gefallen. Wir alle können uns über den dadurch ausgelösten Kaufkraftzuwachs gewaltig freuen. Das Geld aus unserem Portemonnaie landet nicht mehr am Persischen Golf, sondern bleibt hier. Es wird nicht mehr allzu lange dauern, dann kostet der Liter Diesel an der Tankstelle wieder weniger als einen Euro. Die armen Tankstellen-Pächter: Hoffentlich sind sie nicht damit überfordert, dass sie jeden Tag zu den Zapfsäulen rennen und andauernd die Preise senken müssen.

Kein Platz mehr für die Stromer

Der stark fallende Ölpreis hat aber auch seine Nebenwirkungen. Auf etwas längere Sicht könnte der Preisverfall zwar dafür sorgen, dass die Zulassungszahlen wieder steigen werden. Kurzfristig ist davon aber bislang noch nichts zu spüren. Wenn die Autofahrer beim Tanken nicht mehr so sehr auf das Geld achten müssen, werden sie aber wahrscheinlich auf größere Motoren mit höherem Verbrauch setzen. Und was passiert noch? Sind wir doch einmal ganz ehrlich und fragen uns im Innersten unseres Herzens: Wer kauft künftig noch Elektroautos?

Die junge Partei

Die AfD ist die jüngste Partei im deutschen Parteiengefüge. Da ist es völlig normal, dass die Parteioberen nach dem rechten Kurs suchen. Wohin soll die Partei am Ende gehen? Im Selbstfindungsprozess der AfD geht es nun darum, wer gewinnt: Die eher intellektuelle Fraktion der Euro-Kritiker um Parteigründer Lucke und den früheren BDI-Chef Henkel oder die weiter nach rechts orientierten Funktionäre aus Ostdeutschland? Ein schnell geschlossener „Burgfrieden“ soll jetzt dafür sorgen, dass die AfD dann doch nicht auseinanderbricht. Aber: Junge Parteien überleben selten die ersten fünf Jahre. Aufgrund des tiefen Grabens zwischen beiden Gruppen droht der AfD jetzt genau dieses Schicksal.

Chinesen und Autos

Russland ist eingebrochen, Westeuropa stockt ebenfalls, die wundersamen Zeiten sind auch in den USA vorüber. Da ist es verständlich, dass die deutschen Automobilhersteller auf den letzten verbliebenen Hoffnungsträger China gesetzt haben. Doch leider ist es damit auch schon wieder vorbei. Das zeigt das Beispiel BMW. Der Münchener Hersteller zahlt seinen chinesischen Händlern fast 700 Millionen Euro an Entschädigung, weil der Verkauf der bayerischen Premiumkarossen im Reich der Mitte ins Stocken geraten ist. BMW & Co. werden sich also auch in China mit kleineren Brötchen zufrieden geben müssen. Kleiner Trost: Der chinesische Automarkt wächst weiter, wenn auch mit niedrigeren Raten.

Dem Süden morgen einen schönen Feiertag, der Mitte und dem Norden nicht allzu viel Arbeit! Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Kommentare (1)

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aza azaziel

05.01.2015, 19:58 Uhr

Keine Angst vor Griechenland? Was fuer ein Fehlurteil, Herr Menzel. In Griechenland zeigt sich deutlichst, dass die Faktenlage durch Schoenrederei von Politik und Presse verschleiert werden sollte, damit die Schulden der Banken ungestoert in die Portfolien der oeffentlichen Haende verlagert werden konnten. Wie hiess es damals? Griechenland braucht eine e-i-n-m-a-l-i-g-e Finanzspritze von 30 Milliarden Dollar. Danach bekam Griechenland 240 Milliarden und dazu einen Schuldenschnitt von 100 Milliarden. Und ist heute mit fast 180% des BIP hoeher verschuldet denn je und hat eine vernichtende Arbeitslosigkeit. Die Lage der Griechen ist voellig aussichtslos. Und wohin ist dieses Geld geflossen? Laut Schaeuble war aber Griechenland immer auf einem guten Weg.

Klar, das Urteil der Leser ueber die Presse ist ungerecht. Nein, nein, wir haben keine Luegenpresse. Unsere Journalisten recherchieren sorgfaeltig und praesentieren ihren Lesern immer ein ausgewoges Urteil ueber die Faktenlage.

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