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15.11.2012

18:05 Uhr

Was vom Tage bleibt

Schwarze Zahlen und rote Linien

VonFlorian Kolf

Bundespräsident Gauck mahnt einen „verantwortlichen Kapitalismus“ an, der GM-Chef verspricht das Blaue vom Himmel und BP muss nichts aus den Fehlern lernen. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Verantwortlicher Kapitalismus

Lange Zeit sah es so aus, als ob in Deutschland alles nur noch eine Frage des Geldes ist. Besonders in Europapolitik wurden jegliche Sachfragen darauf verkürzt, wer wann wie viele Milliarden bekommt. Um so wohltuender sind die Worte, die Bundespräsident Joachim Gauck heute bei einer Rede vor Führungskräften in Berlin fand: "Schwarze Zahlen sind kein Grund, rote Linien zu überschreiten", warnte er und mahnte einen "verantwortlichen Kapitalismus" an. Und er erinnerte daran, dass der Wildwuchs im Finanzsektor noch nicht beseitigt sei. Genauso dringend sei es aber, innere Überzeugungen, Motive und Haltung zu überprüfen. Vermisst eigentlich irgendwer Christian Wulff?

Verkaufte Opelaner

Mit dem Überschreiten von roten Linien kennen sie sich aus bei Opel, leider aber nicht mit schwarzen Zahlen. Der andauernde Zick-Zack-Kurs verordnet von der US-Mutter General Motors, hat den einst stolzen Autobauer immer tiefer in die Krise geführt. Ob die Mitarbeiter den Worten der Konzernführung da überhaupt noch Glauben schenken? "Nichts liegt mir ferner, als Opel zu verkaufen", sagte GM-Chef Dan Akerson heute vor 5000 Opelanern in Rüsselsheim. Zynisch könnte man darauf antworten: Wen wundert's, keine Opels verkaufen können sie doch seit langem sehr gut.

Verschwendete Finanzen

Von schwarzen Zahlen immer weiter entfernt sind auch die Staatshaushalte in Europa. Nach den aktuellen Zahlen des Statistikamtes Eurostat driften die hochverschuldeten Länder der Eurozone kollektiv in die Rezession, eine Sanierung der Etats ist nicht in Sicht. Trauriges Schlusslicht ist weiterhin Griechenland, dessen Wirtschaft im dritten Quartal um 7,2 Prozent schrumpfte. Aber da gab es ja auch leider keine roten Linien bei der Selbstbedienung aus den öffentlichen Kassen.

Verwarnter Konzern

Die Zeche für BP wird immer länger: Jetzt muss der Mineralölkonzern weitere 4,5 Milliarden Dollar Strafe an die USA zahlen. Ungefähr das Doppelte hat er bereits an eine Reihe von privaten Klägern gezahlt, die Gesamtforderungen sind noch höher. Mehr als 38 Milliarden Dollar hat der Konzern dafür bereits zurückgelegt - durch Beteiligungsverkäufe finanziert. In rote Zahlen wird er trotz dieser riesigen Summen deswegen nicht geraten, die Gewinne sprudeln weiter. Denn nach einem kurzen Moratorium lässt die US-Regierung fröhlich weiter bohren wie zuvor. Man schlachtet ja nicht die Kuh, die man melken will. Rote Linie? Fehlanzeige.

Was fehlt? Der Bundesgerichtshof hat in einem bemerkenswerten Urteil festgestellt, dass Eltern nicht haften, wenn ihre Kinder illegal Musik im Internet tauschen - vorausgesetzt, sie haben sie vorher aufgeklärt, dass das nicht erlaubt ist. Noch besser wäre, Sie gehen heute Abend mal zusammen mit ihren mit ihren Kindern ins Netz, lassen sich zeigen, welche Musik ihnen gefällt und laden gemeinsam ein paar coole Songs runter - und zwar ganz legal. Das schützt nicht nur vor Strafe, sondern macht auch Spaß.

Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Feierabend,

Florian Kolf

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Kommentare (5)

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Account gelöscht!

15.11.2012, 18:59 Uhr

Hallo Florian Kolf

Verantwortlicher Kapitalismus

offen gestanden würde ich beide nicht vermissen.
Nach meiner Meinung steuert H.Gauk gerade auf ein mediales Desaster zu.Er bringt sich immer tiefer in die Enge.
Ich habe hier aus einem Welt-Artikel von heute zitiert.
Für sich genommen sind seine Aussagen okay.
WER es sagt ist wichtig,und da klaffen zwischen Anspruch und Aussage gewaltige Lücken, einfach Doppelmoral!
Wenn Teile der Medien gegen ihn so vorgehen würden wie gegen Wulff/Steinbrück,dann sehe es ziemlich finster aus.
Ich meine nicht das HB nein.Ich war mal Gauk-Fan,so ändern
sich die Zeiten.

Radek

15.11.2012, 19:30 Uhr

Über schwarze Zahlen und rote Linien läßt sich trefflich philosophieren...oder schwafeln.
Herr Kolf hat mit feiner Ironie gefragt, wer denn eigentlich noch Herrn Wulff vermisse, der so gut schwafeln konnte, oder weniger gut, ganz wie man´s nimmt, wenn man doch jetzt den Herrn Gauck hat.
Auch Gauck "schwafelt" einseitig. Von Staatsverschuldungen und roten Linien, die sich ergeben könnten, ist bei Gauck keine Rede, was auch Herrn Kolf aufgefallen ist.
Dafür besten Dank.

BatmansReturn

15.11.2012, 20:38 Uhr

.. quiiiiiitscht ... knatterknatterknatter .. Was .. knatterspotzknatter .. passiert denn, .. spotz .. wenn die knatter .. Wirtschaft die .. spotzknatter .. Warnung des .. knatterknatter .. Jokers igno- .. knatter .. riert .. spotz?
Bääätmäään!

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