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29.04.2014

19:16 Uhr

Was vom Tage bleibt

Starrsinniger Schröder

VonStefan Menzel

Altkanzler Schröder feiert mit Putin, die EZB kündigt einen harten Stresstest an. Wallraff testet Burger King, der BGH verdonnert die Commerzbank zu Schadensersatz und Siemens bietet für Alstom. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Im Party-Fieber

Altkanzler Gerhard Schröder hat sich aus dem Politikbetrieb zurückgezogen. Er ist Privatmann und verdient als Rechtsanwalt und Aufsichtsrat sein Geld. Doch ein ehemaliger deutscher Regierungschef kann trotzdem nicht einfach machen, was er will – die politische Funktion wirkt noch lange nach. Deshalb war die gemeinsame Geburtstagsfeier mit dem russischen Präsidenten Putin vollkommen falsch. Pro-russische Kräfte haben in der Ostukraine deutsche OSZE-Beobachter als Geiseln genommen. Wie Schröder in einer solchen Situation mit Putin feiern kann, ist allein seine Entscheidung. Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder war bei der Party in St. Petersburg ebenfalls dabei. Seine Karriere als Führungskraft der Union dürfte zügig ein Ende nehmen.

Stresstest und Russland

Die Europäische Zentralbank verspricht einen scharfen Stresstest für die größten Geldhäuser der Euro-Zone. Skepsis ist angesichts dieser Aussage angebracht. Bankenaufseher haben in der Vergangenheit immer wieder angekündigt, dass sie die Banken an die kurze Leine nehmen wollten – und hinterher ist dann doch nicht viel passiert. Genau das droht jetzt wieder. Im neuen Stresstest müssten auch extrem harte Sanktionen gegen Russland durchgespielt werden, die angesichts der Ausweitung der Eskalation in der Ukraine jetzt vielleicht doch kommen werden. Nur ein Stresstest, der die Russland-Sanktionen komplett einschließt, wäre wirklich glaubwürdig.

Guten Appetit

Günter Wallraff ist wieder unterwegs. In Filialen der Burger-King-Kette hat sein Team Darmkeime, alte Salatblätter und ziemlich fragwürdige hygienische Bedingungen aufgespürt. Wie gut, dass sich Wallraff noch nicht aufs Altenteil zurückziehen will. Gerade in der Gastronomie gibt es immer wieder haarsträubende Arbeitsbedingungen, die am Ende der Kunde zu spüren und schlechtes Essen vorgesetzt bekommt. Wenn Wallraff für mehr Sauberkeit und Ordnung sorgt, dann macht er seinen Job absolut richtig.

Danke an die Richter

Nach der Finanzkrise haben alle Banken den großen Wandel versprochen. Kunden würden jetzt bestens beraten und auf alle möglichen Probleme bei Anlageentscheidungen hingewiesen. Die großen Versprechungen sind natürlich etwas Schönes. Aber hat es bei den Banken wirklich die großen Veränderungen gegeben? Zweifel sind angebracht. Wie gut, dass sich immer wieder die obersten Richter auf die Seite geschädigter Anleger stellen. Die Commerzbank muss jetzt Schadensersatz leisten, weil sie nach Ansicht des Bundesgerichtshofs eben nicht ordentlich aufgeklärt hat. Wahrscheinlich bedarf es noch mehr solcher Urteile – damit es zu einem echten Wandel in der Finanzbranche kommt.

Keine Geschenke an die Politik

Frankreich und Deutschland versuchen den nächsten großen Schulterschluss in der Industriepolitik. Nach dem Erfolg beim Airbus soll es nun auch globale Champions bei Zügen und bei Kraftwerken geben. Siemens und sein französischer Konkurrent Alstom sind die beiden Akteure, die diesen Schulterschluss vorbereiten sollen. Zwischen Deutschland und Frankreich gibt es allerdings einen wesentlichen Unterschied. Bei den Franzosen schiebt die Politik einen solchen Deal an, in Deutschland sind die Unternehmen meist auf sich allein angewiesen. Die Siemens-Führung sollte aufpassen: Auf den Alstom-Deal sollte sich der deutsche Konzern nur dann einlassen, wenn er auch wirklich aus unternehmerischer Sicht sinnvoll ist. Von den schönen Träumen französischer Politiker kann sich niemand etwas kaufen – auch Siemens nicht.

Einen entspannten und angenehmen Abend wünscht Ihnen  

Stefan Menzel

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

29.04.2014, 20:22 Uhr

Das wirkt unangenehm diktatorisch, was der stellvertretende Chefredakteur des Handelsblattes von sich gibt. Wir leben schließlich in einem freien Land. Demokratie setzt sich nun mal aus verschiedenen Meinungen und Verhaltensweisen zusammen.
Deutschland ist kein Polizeistaat. Genauso wie der stellvertretende Chefredakteur seine Meinung äußern darf, dürfen auch andere Bürger dieses Landes das Verhalten von Herrn Schröder als grossartig bewerten. Er setzt damit ein wichtiges Signal, dass ein anderer, vernünftiger Umgang mit Russland angesagt ist.

Account gelöscht!

30.04.2014, 07:53 Uhr

..."Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder war bei der Party in St. Petersburg ebenfalls dabei. Seine Karriere als Führungskraft der Union dürfte zügig ein Ende nehmen."...
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So ist das nunmal in der Welt eines Herrn Menzel und ganz gewiß auch in der Welt vieler anderer.

Besser jedenfalls kann man kaum veröffentlicht sehen, dass weiten Teile der Presselandschaft das Konzept einer offenen Gesellschaft, wie Popper sie skiziert hatte, nicht nur als nicht erstrebenswert zu betrachten scheinen, sondern dass Kadavergehorsam ganz offenkundig wieder zu den Kardinaltugenden eines Gemeinwesens geschrieben wird.

Account gelöscht!

30.04.2014, 08:34 Uhr

.."Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder war bei der Party in St. Petersburg ebenfalls dabei. Seine Karriere als Führungskraft der Union dürfte zügig ein Ende nehmen."...

Dann müsste aber auch die Karriere von Merkel bald ein Ende fidnen, bezeichnet sie doch die ukrainische Oligarchin Timoschenko als ihre Freundin und holt diese sogar zur Behandlung nach Berlin. Ist denn das Telefonat Timoschenkos vom Krankenbett in Berlin tatsächlich schon in Vergessenheit geraten?

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