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05.12.2012

18:49 Uhr

Was vom Tage bleibt

Steinbrück und seine Abgründe

VonOliver Stock

Der Kanzlerkandidat redet jetzt doch nicht bei der Schweizer Bank Sarasin. Das Attentat auf einen Versicherungsmanager offenbart ein heikles Thema. Die Allianz kann nicht mehr zahlen, was sie versprach. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Steinbrücks Abgründe

Auf Peer Steinbrück werden einige, die es gut mit ihm meinen, eingeredet haben. Wieder ein Vortrag auf Einladung einer Bank? Das wird verdammt schwer zu erklären – selbst wenn er das 15.000-Euro-Honorar spendet. Heute zog Steinbrück also die Notbremse: Er sagte seinen Vortrag bei der Schweizer Privatbank Sarasin für Donnerstagabend ab. Der Grund ist natürlich nicht der Ärger wegen der Vortragshonorare - nein, der Grund seien Berichte über staatsanwaltliche Ermittlungen bei der Bank, ließ Steinbrück mitteilen. Hmm. „Wir schauen in einen Abgrund“, würde ich dazu Steinbrück aus vorherigen Zeiten zitieren.

Attentat mit Folgen

Wissen Sie, wie viele Versicherungsunternehmen die Sparkassen unterhalten? Elf. Noch mehr, als sie sich Landesbanken geleistet haben. Seit Jahrzehnten ringen die Sparkassenverbände darum, vielleicht nur noch eine einstellige Zahl am Leben zu erhalten. Vergeblich. Es bewegt sich nichts. Bis heute. Heute ist der Chef des Sparkassen-Versicherungskonzerns Provinzial Nordwest Ulrich Rüther von einem Vermummten angegriffen und mit einem Schraubenzieher in die Brust gestochen worden. Rüther hätte am Vormittag an einer Betriebsversammlung der zweitgrößten Sparkassen-Versicherung teilnehmen sollen, bei der die Belegschaft über mögliche Verkaufsabsichten an die Allianz informiert werden sollte. Das Attentat hat ein Schlaglicht auf ein Thema geworfen, das alle Sparkassenkunden angeht. Es könnte sein, dass sich öffentliche Banken hier eine Überversorgung mit Versicherungsunternehmen auf Kosten ihrer Kunden leisten. Ulrich Rüther befindet sich übrigens bereits auf dem Weg der Besserung. Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute.

Corbats erste Tat

Es gab die, die die Banken in die Finanzkrise führten. Und es gab die Generation von Bankern, die sie durch die Finanzkrise gesteuert haben. Jetzt sind die nächsten dran. Die, die die Banken neu aufstellen: Schmaler, offener und hoffentlich auch sicherer. Bei der Citigroup heißt der neue Mann seit zwei Monaten Michael Corbat. Seine erste Tat heute: Er streicht 11.000 Stellen. Schmaler ist die Bank damit. Wir freuen uns schon, wenn Corbat zeigen kann, dass sie so auch sicherer geworden ist.

Das Leben geht nicht mehr auf

Hoffentlich nicht Allianz versichert: Der Marktführer hat eingeräumt, dass auch er die Überschussbeteiligung für Kunden seiner Lebensversicherungsprodukte deutlich senkt. Sich nun über die Allianz zu ärgern, ist zwecklos. Die können nichts dafür. Es ist die Schuldenpolitik der EU-Länder und die Schuldenbehebungspolitik der deutschen Regierung, die ein Zinstief zur Folge hat, das so dauerhaft ist wie das schlechte Wetter in Bielefeld. Die Folge ist, dass unsere Lebensberechnungen nicht mehr aufgehen. Die Krise ist bei uns zu Hause angekommen.

Schon mal die Instrumente gezeigt

Kurzarbeitergeld soll nicht mehr sechs sondern zwölf Monate lang bezahlt werden können, hat die Regierung beschlossen. Sie räumt damit ein, dass sie der Konjunktur nicht traut. Aber sie zeigt auch, dass sie einen Werkzeugkasten besitzt, den sie bei Bedarf öffnen kann. Wir durften heute schon mal die Instrumente sehen.

Einen kurzweiligen Abend wünscht Ihnen,

Oliver Stock

Kommentare (12)

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Fakten

05.12.2012, 19:41 Uhr

Nach Merkels Volkskammertagung in Hannover dürfte es Steinbrück doch nicht schwer fallen, endlich ein bürgernahes Wahlprogramm zu präsentieren. Da kam doch von der CDU außer neutrales Gefasel nichts, fast 2000 Seiten nutzloses Zeug, kein Wort zu den Nöten der Menschen wie überteure Energiekosten, höhere Abgaben, sinkende Nettoeinkommen und Entwertung der kleinen Rücklagen, auch Lebensversicherungen, und Verarmung der Rentner. Wenn die SPD jetzt die Chance nicht beim Schopf ergreift, wird sie unsäglich abstürzen. Steinbrück muss Ross und Reiter nennen, auch wenn es weh tut, sonst sind weitere vier Jahre vergebens.

Republikaner

05.12.2012, 19:51 Uhr

Steinbrück - Vortrag ausgerechnet bei einer schweizer Bank? Einer von den beiden Vertragsparteien muß ein ziemlich starkes Kraut geraucht haben!

Account gelöscht!

05.12.2012, 19:57 Uhr

Lieber Herr Oliver Stock,

was ist nur mit der Moral der Menschen los.
An allen Ecken und Kanten knistert es. Nahezu alle Politiker sind für das Volk keine Vorbilder mehr. Das ist genau die saumäßige Moral die ich anklage. Mehr und mehr kupfern unsere Bürger dieses Treiben ab.

Das kommt davon, immer mehr Menschen begehen Unfallflucht nach einem Verkehrsunfall. Neben dem großen Ärger müssen die Betroffenen die Reparaturkosten selber tragen. So passiert es auch mir, am 01.12.2012 um 14:19 Uhr in Ronnenberg OT Empelde (Hannover).

Ich stellte mein Fahrzeug ordnungsgemäß am Straßenrand „In der Beschen“ ab um u.a. einen Adventskranz im HAGEBAUMARKT einzukaufen. Als ich nach ca. 2 Stunden zurückkam war mein Fahrzeug mit einem Totalschaden gesegnet. Der Stoßfänger, eine Rückleuchte, einiges an Blech und zwei Radlager sind im Eimer. Der Schaden beläuft sich auf über 2.000,- Euro. Ein weißer Kleintransporter VW?, laut Zeugin, hat den Toyota Corolla Compact um 13 cm versetzt und an den nahe liegenden Bordstein geschleudert. Dabei entstand wohl auch der Radlagerschaden an der rechten Seite. In dem Fall wurden vorsichtshalber beide Radlager gewechselt. Zur Sicherheit folgten ein Achsvermessung und eine geringe Nachjustierung der Spur. Der Blech- und Lackschaden ist bei einem 17 Jahre alten Fahrzeug nicht mehr rentabel. Ärgerlich ist, dass der das Fahrzeug in einem topp gepflegten Zustand war.

Wer den Schaden hat brauch für den Spott nicht zu sorgen.
Die Verantwortung sehe ich bei unseren Politikern. Da wo Korruption an der Tagesordnung legalisiert wird, muss sich niemand wundern dass diese saumäßige Moral auf das Volk überspringt.

Unsere Politiker sind unglaubwürdig und so wird Fahrerflucht nach einem Unfall zum Hobbysport in Deutschland.

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