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28.08.2013

19:00 Uhr

Was vom Tage bleibt

Syrien berührt uns alle

VonStefan Menzel

Schlechte Nachrichten aus dem Nahen Osten und ein Rückschlag für den Kreml. Den Weißrussen wird der Ölhahn abgedreht, bei den Eidgenossen geht es voran – und Lebensversicherungen sind ein Renditeloch. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wunschdenken und Realität

Alle zusammen würden wir uns wahrscheinlich wünschen, dass wir das Wort Syrien nicht mehr tagein tagaus lesen müssten. Aber was soll das Wunschdenken, allein die Realität zählt. Nach den Entwicklungen der vergangenen Tage ist es ziemlich klar, dass die USA das syrische Regime als Reaktion auf die feigen Giftgas-Angriffe in der vergangenen Woche attackieren werden. Natürlich kann man am Ende immer nach Entschuldigungsgründen für das Assad-Regime suchen und die Gas-Attacken in Frage stellen. Aber vielleicht stimmt die jüngste Entwicklung auch die letzten Zweifler um: Sogar die Vereinigung der islamischen Staaten sieht die Verantwortung für den Einsatz von Giftgas bei der syrischen Regierung. Eine Strafaktion für Präsident Assad und seine Soldateska ist also gerechtfertigt. Machen Sie sich also darauf gefasst: In den nächsten Tagen, wenn Sie am Morgen das Radio einschalten, werden Sie von Marschflugkörpern hören, die in der Nähe von Damaskus einschlagen.

Kein Geld für Moskau

Über die Folgen einer US-Attacke auf Syrien lässt sich derzeit nur spekulieren. Auf jeden Fall dürfte das Verhältnis zwischen den USA und Russland Schaden nehmen, das steht außer Zweifel. Am Mittwoch hat es schon einen ersten Vorgeschmack darauf gegeben, was vielleicht passieren könnte. An sich ist Russland ein solventer Schuldner, der wegen seines Rohstoff-Reichtums in den vergangenen Jahren immer problemlos genügend Käufer für seine Staatsanleihen gefunden hat. In Zeiten der angespannten Weltlage ist jetzt aber eine Auktion mit russischen Anleihen abgesagt worden. Der Grund: Käuferstreik. Früher haben gern auch westliche Banken bei russischen Staatsanleihen zugegriffen. Nun scheint das Vertrauen in Russland verlorengegangen zu sein, der Konflikt mit den USA in der Syrien-Politik lässt grüßen.

Kein Öl für Weißrussland

Wie verrückt und wenig verlässlich Russland zum Teil agiert, zeigt ein anderes Beispiel des heutigen Tages. Eigentlich sind Russland und Weißrussland ziemlich enge Verbündete. Der weißrussische Diktator Lukaschenko hat sich nur deshalb an der Macht halten könnten, weil es immer ausreichend Unterstützung aus Moskau gab. Weißrussland ist allerdings nur der kleine Juniorpartner, Aufbegehren wird von russischer Seite hart bestraft. Genau das hat aber die weißrussische Seite im Kali-Streit gemacht und ihre eigenen Ziele bei der Vermarktung dieses wichtigen Düngemittels verfolgt. So etwas passt den Machthabern in Moskau natürlich überhaupt nicht – und dann wird den Weißrussen eben mal ganz schnell der Ölhahn zugedreht.

Vernünftige Eidgenossen

Zum Glück gibt es noch Länder, in denen die Vernunft regiert, wie etwa in der Schweiz. Die Regierung gibt den Banken des Landes jetzt freie Hand, wenn sie Kundendaten an die Finanzbehörden in den USA weiterleiten. Mitarbeiter der Schweizer Großbanken werden dafür nun also nicht mehr automatisch bestraft. Dass die Schweizer in diesem Streit mit den USA endlich einlenken, hat seinen guten Grund. Die Eidgenossen haben verstanden, dass ihre Banken nur noch seriöse Geschäfte machen können. Die Zeiten der Schweizer Kreditinstitute als Geldwaschanlage sind endgültig vorüber.

Rendite im Keller

Lebensversicherungen sind schon länger unter Feuer. Dieses neue Testergebnis hätte aber wohl niemand erwartet: Nach den Berechnungen eines Fachmagazins haben verschiedene Kapitallebens- und Rentenversicherungen eine extrem magere Rendite abgeworfen. Bundesanleihen sind schon nicht besonders rentabel, die untersuchten Lebensversicherungen haben allerdings bis zu zwei Prozentpunkte weniger erwirtschaftet. Für junge Leute, die heute nach einer sinnvollen Anlagemöglichkeit suchen, kann das eigentlich nur heiße: Bloß Finger weg von der Lebensversicherung!

Vermeiden Sie heute Abend einen Blick auf Ihre Versicherungspolicen, genießen Sie den Sommer. Herzlichst

Stefan Menzel

Kommentare (9)

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OleLakshmiMuellerSchabrunski

28.08.2013, 19:34 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

SenecAAA

28.08.2013, 19:45 Uhr

Meinung Lügner 1 + Meinung Lügner 2 = Beweis ala HB ?! Was bitte schön ist die Meinung der von Kriegstreiber Nr. 1 und Nr 2 (Saudi Arabien und Katar) dominierten arabischen Liga wert, wenn der CIA-Prinz Bandar bereits Anfang August in Moskau angekündigt hat, dass nur noch die militärische Option bleibt, wenn Russland einem Sturz Assads nicht zustimmt. Warum muss man das im Telegraph nachlesen und hört darüber in deutschen Massenmedien kein Sterbenswörtchen ? Wie lange wollen im Internetzeitalter Spiegel, Welt, HB & Co. ihre (kostenfreien) Leser noch verkohlen ? Bis zum eigenen wirtschaftlichen Untergang ? Ein Angriff auf Syrien ohne UN-Mandat ist völkerrechtswidrig UND unmoralisch. Da können HB & Co noch so sehr schönreden und -schreiben.

Rechner

28.08.2013, 20:20 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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