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17.02.2012

19:15 Uhr

Was vom Tage bleibt

Thilos Tabus

VonOliver Stock

Ex-Bundesbankvorstand Sarrazin stürmt nach bewährter Methode auf die Bestsellerplätze. Und Zuckerberg handelt mit Tomaten, glaubt die Börse. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Mit Grass auf die Insel

Mein Kollege hat es vorhin so gesagt: „Was Thilo Sarrazin mit dem Kopf aufbaut, reißt er mit dem“, hier zitiere ich nicht wörtlich, „Hinterteil wieder ein.“ Ich gehöre nicht zu denen, die sein Buch zum Leben ohne den Euro bereits in die Hand genommen haben. Die, die das Vergnügen hatten, versichern, es stecke voller nachvollziehbarer Fakten, sei aber ungenießbar scharf gewürzt mit unappetitlichen Vergleichen wie dem, dass die Zahlungsbereitschaft der Deutschen für den Euro etwas mit der „Buße für Holocaust und Weltkrieg“ zu tun habe. Für mich ist der Mann ein kalkulierter Tabubrecher. Vielleicht lädt Günter Grass ihn mal für eine Woche auf eine einsame Insel ein und die beiden knobeln eine neue Strategie aus, wie sie ihre Werke unters Volk bringen können.

Buffett schlägt Zuckerberg

Facebook lernt eine neue Richtung kennen. Sie heißt: nach unten. Um mehr als zehn Prozent brach der Kurs der jungen Aktie heute ein. Hat Zuckerberg mit Tomaten gehandelt? Nein. Die Chancen und Risiken von Facebook liegen auf dem Tisch. Es ist nur eben so, dass mal wieder gilt, was Warren Buffett sagte. Auf seiner jüngsten Pilgerveranstaltung in Omaha hat er es als "dümmlich" bezeichnet, Aktien am Tag der Erstnotierung zu kaufen. Dass sie dann aus Käufersicht den richtigen Preis hätten, sei extrem unwahrscheinlich. Der Mann hat recht. Wie immer.

Bauch gegen Kopf

Die Weisheit gilt übrigens noch mehr bei einem Börsengang, der sich abzeichnet, wenn die Nachrichtenagentur Bloomberg Recht hat. Sie glaubt, und hat dafür ihre Quellen, dass die Formel Eins in Startposition an der Börse in Singapur steht. Bis zu drei Milliarden Dollar sollen dabei herausspringen. An alle die Benzin im Blut haben: Halten sie sich beim Aktien ordern zurück! Sport und Geschäft geht selten gut. Das liegt daran, dass beim einen der Kopf und beim anderen der Bauch entscheidet.


Die Herren Aufsichtsräte

Runter kommen wir immer, wissen Flugkapitäne. Die Bruchpiloten vom Berliner Hauptstadtflughafen wollen das nicht glauben. Nachdem Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit vergangene Woche einräumte, dass sich die Eröffnung nicht um ein paar Wochen sondern gleich um knapp ein Jahr verzögert, räumte heute Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ein, dass das neue Terminal mit 1,22 Milliarden auch doppelt so teuer wird wie gedacht. Die beiden Herren sitzen übrigens im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Irgendwann müssen sie runterkommen diese Aufsichtsräte und uns erklären, wo sie waren, als sie Aufsicht führen sollten.

Wenn die Mutter Probleme macht

Wer gedacht hat, heute entscheidet sich die Zukunft des Opel-Werks in Bochum war blauäugig. Sie bleibt weiter ungewiss. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke konnte auf einer Betriebsversammlung nur versichern, dass er bis Ende 2014 geltenden Verträge zur Standortsicherung für Opel-Werke in Deutschland einhalten wird. Das Problem der Opelaner ist die Konzernmutter in Detroit. Sie will schwarze Zahlen sehen, erlaubt dem Konzern aber nicht, dahin zu expandieren, wo die Konkurrenz Erfolge feiert. Solange Opel künstlich klein gehalten wird, nimmt das Sterben auf Raten kein Ende. Saab läßt grüßen.

Das Leben ist Hertha

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat entschieden, dass das Relegationsspiel zwischen Berlins Hertha und Düsseldorfs Fortuna trotz chaotischem Spielverlauf nicht wiederholt wird. Düsseldorf hat also gewonnen und es gilt: Die erste Liga ist hart, die zweite Liga ist hertha.

Nehmen Sie es nicht zu hart heute Abend

Oliver Stock

Kommentare (14)

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CochmaSapientia

21.05.2012, 19:24 Uhr

Grass, Sarrazin und die Tabus. Was ist ein Tabu? Ein Tabu ist etwas, wenn man es bricht, den Anlass gibt, dass ein riesengroßes Geschrei losbricht. In archaischen Gesellschaften kommt oder kam es sogar vor, dass der Tabubrecher oder derjenige, der davon betroffen war vor lauter phychischen Schreck tot umfiel oder um die "Ecke" gebracht wurde, jedenfalls aber aus der Stammesgesellschaft entfernt werden mußte um sein Leben inskünftig als Einsiedler und Ausgestoßener zu fristen . Also achtete jeder mit peinlichster Sorgfalt darauf, es nicht zu eine Tabubruch kommen zu lassen um nicht Gefahr für Leib und Leben herauf zu beschwören.
Ich kann nicht erkennen, dass Sarrazin irgendein Tabu dieser Art gebrochen hat.Sein letzter "Tabubruch" ist in Tendenz und Inhalt eigentlich nichts anderes, was Helmut Schmidt auf seiner vielbeachteten Rede auf dem letzten SPD-Parteitag auch gesagt hat. Nicht mehr und nicht weniger

Account gelöscht!

21.05.2012, 19:27 Uhr

Interessant, dass bei den Artikeln über Thilo Sarrazin die Kommentarfunktion von Beginn an deaktiviert wurde.

http://img221.imageshack.us/img221/4561/selection210512002.png

Sachlichkeit_ware_besser

21.05.2012, 19:28 Uhr

Wieso wieder dieses unsachliche Einprügeln auf Sarrazin, indem irgendwelche merkwürdigen Zusammenhänge zwischen Kopf und Hintern gebastelt werden? Sachlicher Journalismus ist das nicht. Den Zusammenhang zwischen deutscher Vergangenheit und Transferunion haben nicht nur Steinbrück und Schmidt bestätigt, sondern er ist auch in all den deutschlandfeindlichen Artikel und Merkelbildern mit Hakenkreuz deutlich. Ebenso deutlich ist der deutsche Reflex darauf, sich von dieser Vergangenheit ständig neu per Scheckbuch freikaufen zu wollen. Die Psychologen würden das Trauma nennen, das nur durch Analyse, nicht durch Ignorieren und Zuschütten überwunden werden kann. Sonst brodelt da was im Untergrund, das eines Tages in der Tat Gruseliges hochspülen kann.

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