Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2012

18:06 Uhr

Was vom Tage bleibt

Troika auf Tour de France

VonFlorian Kolf

Parteitaktische Spielchen gefährden die Euro-Rettung, selbst die Sicherheit deutscher Anleihen wird nun angezweifelt und bei Opel wurstelt sich die US-Mutter weiter durch. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Münchhausen gefragt

War Deutschland bisher noch der letzte Retter, muss sich das Land wohl bald wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Euro-Sumpf ziehen. Der Vermögensverwalter Pimco, eine Allianz-Tochter, hat jetzt erklärt, dass er so gut wie keine Bundesanleihen mehr im Portfolio hat. Aber nicht, weil die Renditen zu mickrig sind, sondern weil das Risiko langsam zu groß wird. Es drohten durch Rettungsschirme und anderweitige Verluste enorme Belastungen. Geahnt hat man das schon lange, wenn wichtige Investoren das so selbstverständlich aussprechen, wird einem schon etwas mulmig.

Parteitaktik statt Politik

Während die Euro-Zone langsam zerbröselt, verlieren sich deutsche Politiker in parteitaktischen Spielchen. Die heutige Verhandlung zwischen Regierung und Opposition über die Zustimmung zum Fiskalpakt wurde erneut ohne greifbares Ergebnis vertagt. Musste ja so kommen. Denn heute Abend ist die Troika der potenziellen SPD-Kanzlerkandidaten öffentlichkeitswirksam beim französischen Präsidenten Francois Hollande zu Gast. Mit dieser Tour de France wollen sie noch mal Kanzlerin Merkel unter Druck setzen. Da hätte eine rasche Einigung in der Sache die Inszenierung gestört.

Prügel für den "Azubi"

Nur wenige Fragen erregen offenbar so die Gemüter, wie die, ob Deutschland im Euro bleiben sollte. Ein Handelsblatt-Online-Redakteur hat heute für sein Plädoyer für den Euro fast 120 Leserkommentare bekommen, die meisten davon mit Schaum vor dem Mund geschrieben. Er musste sich als Azubi und Schülerpraktikant beschimpfen lassen. Offenbar darf man diese Frage nicht mehr sachlich diskutieren. So weit hat uns das miserable Krisenmanagement der europäischen Regierungen schon gebracht.

Opel ist gerettet - vorläufig

Die Eil-Meldung des Tages: Alle Opel-Standorte in Deutschland bleiben bis 2016 erhalten. Was auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht aussieht, heißt im Klartext: Der orientierungs- und entscheidungslose Kurs der Opel-Mutter General Motors geht weiter. Seit Jahren wursteln sie sich so durch und ruinieren mit dieser halbherzigen Strategie eine einst stolze Automarke. Und auch diesmal fehlt ein klares Bekenntnis zur Zukunft von Opel. Denn auch die zunächst erleichterten Mitarbeiter in Bochum können sich sicher sein, dass in spätestens zwei Jahren die Diskussion wieder los geht.

Was fehlt? Das Kultspiel Deutschland gegen Holland bei der EM, weil es erst um 20.45 Uhr angepfiffen wird. Es gibt wohl kaum Thema, das in deutschen Büros heute mehr diskutiert wurde. Ein kleiner Tipp für Feinschmecker: Handelsblatt Online wird das Ergebnis heute Abend auf seiner Facebook-Seite laufend visualisieren - mit Hilfe von Käse und Kartoffeln.

Ich wünsche Ihnen einen spannenden Feierabend,

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Radiputz

13.06.2012, 19:04 Uhr

Herr Kolf, nehmen Sie den Azubi sportlich, jeder hat mal angefangen. Habe mir die Mühe gemacht den Artikel und die Kommentare noch mal alle zu lesen. Halb so schlimm.
Herr M. hat sich wirklich nicht die Mühe gegeben etwas zu differenzieren sondern die Euro-Rettung plakativ als "alternativlos" in den Raum gestellt, was sie nicht ist.
Insgesamt ist das HB ja nicht so einseitig, na sagen wir mal freundlicherweise "naiv", wie Herr M.
Das zeichnet das "HB" aus. Und darauf dürfen Sie stolz sein.

Pequod

13.06.2012, 20:29 Uhr

Nachwuchsbeitrag
------------------
Wenn alle einer Meinung wären, gäbe es keine Diskus-
sionen mehr, was mit diesem Nachwuchsbeitrag verhin-
dert wurde!
Es werden sich noch genügend Gelegenheiten ergeben in
heißen Diskussionen gegen die geplante Gleichschaltung
einer ''EU'' durch die EU-Bankrotteure vorzugehen, von
denen offensichtlich auch die gleichgeschaltete Euro-
sionsmeinung angestrebt wird und das wäre nur ein
Diskussionsfeld des HB.

Fortunio

13.06.2012, 21:07 Uhr

Vielleicht sollten Herr Kolf aber vor allem Herr Mallien mal ausnahmsweise heute abend zur Konkurrenz (FAZ) gehen, da gibt es etwas Interessantes von Herrn Sinn zu lesen "Renoviert das Bad und werdet mündige Bürger"
Sehr aufschlussreich und mit "Erleuchtungspotential"

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×