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08.10.2012

18:11 Uhr

Was vom Tage bleibt

Trübe Aussichten für Schwarz-weiß-Maler

VonFlorian Kolf

Warum Konjunkturprognosen mehr verwirren als erhellen, wovor Lufthansa sich fürchten muss und wie der US-Kongress mit Gerüchten Handelskrieg betreibt. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Schutz gegen stürmisches Wetter

Wer es gerne schwarz-weiß mag, für den ist die Konjunkturberichterstattung zurzeit wahrlich ein Graus. Da schreckt uns erst die Weltbank mit einer gesenkten Prognose für China, nur noch um 7.7 Prozent soll die größte Volkswirtschaft Asiens in diesem Jahr wachsen statt um 8,2 Prozent. Dann überraschen die deutschen Exportzahlen mit einem Anstieg um 2,4 Prozent zum Vorjahr. Was wird denn nun? Klar ist: Das Wetter wird stürmischer. Aber wie stark es auch bei uns reinregnet, kann keiner sagen. Also lieber mal vorsichtshalber den Südwester überziehen. Wenn es wider Erwarten Brei regnet, kann man ihn ja immer noch zum Auffangen benutzen.

Angriff auf Lufthansa

Noch muss Lufthansa nicht wirklich Angst haben. Aber das Netz, das der arabische Konkurrent Etihad zieht, hat langfristig das Zeug dazu, dem deutschen Marktführer das Leben schwer zu machen. Zwar wirkt die Strategie von Etihad bisher etwas ungeordnet, aber die heute verkündete Partnerschaft der Etihad-Beteiligung Air Berlin mit Air France ist ein wichtiger Schritt. Mit diesen europäischen Brückenköpfen und den asiatischen Partnern bietet die aufstrebende arabische Airline deutschen Reisenden eine echte Alternative. Angesichts der Klagen über das Service-Niveau der Lufthansa, die man immer wieder hört, werden einige Kunden da nicht lange zögern umzusteigen.

Handelskrieg mit Gerüchten

Da werden wieder die wunderbarsten Vorurteile bedient. Ohne einen echten Beleg behauptet der US-Kongress einfach mal so, man dürfe mit dem chinesischen Konzern Huawei keine Geschäfte machen, weil er durch seine Staatsnähe ein Sicherheitsrisiko sei. Die Netzwerkrechner – so wird geraunt – könnten beispielsweise Kopien des Datenverkehrs an den chinesischen Geheimdienst funken. Wer weiß, wie skrupellos die USA zuweilen ihre Geheimdienste zum Wohl der eigenen Wirtschaft einsetzen, kann da nur müde lächeln. Hier wird wohl eher mit Gerüchten Protektionismus betrieben. Und das ganz zufällig mitten im US-Wahlkampf.

Wissenschaft mit ethischer Dimension

Häufig ist der Nobel-Akademie vorgeworfen worden, dass ihre Auszeichnungen oft Jahre zu spät kommen und für den Stand der Wissenschaft kaum noch Bedeutung haben. Doch die Forschung der beiden Wissenschaftler, die heute den Nobelpreis für Medizin bekommen haben, hat nicht nur wissenschaftliche Relevanz, sondern bietet auch die Perspektive, einen ethisches Dilemma zu lösen: Kann man verantworten, dass Embryonen zerstört werden, um Krankheiten zu heilen? Dank John B. Gurdon und Shinya Yamanaka weiß man, dass sich reife Stammzellen neu programmieren lassen. Das könnte der Beginn einer Revolution in der Medizin sein.

Was fehlt? Fast zwei Drittel der Berufstätigen in festen Partnerschaften müssen auch außerhalb ihrer Arbeitszeit für den Chef oder Kunden erreichbar sein, hat eine Allensbach-Umfrage ergeben. Weil sie Angst um ihre Beziehung haben, ist die Hälfte der Befragten dafür, Arbeit und Freizeit wieder klarer zu trennen. Ich kann nur empfehlen: Fangen Sie gleich heute damit an.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen ruhigen Feierabend,

Florian Kolf

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