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19.09.2012

18:26 Uhr

Was vom Tage bleibt

Trügerische Ruhe am Markt

VonOliver Stock

Gold steigt und steigt und steigt. Deutschland verschwendet viel Geld. Minijobber dürfen mehr verdienen. Und ein Ex-MAN-Vorstand dealt mit dem Staatsanwalt. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Braten riecht

Seit Mario Draghis Intervention und Karlsruhes Segen läuft es rund an den Märkten. Portugal bekam heute relativ günstig Geld und auch Spanien ist nicht mehr so verzagt. Alles geht aufwärts. Auch das Gold. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass der Preis für eine Feinunze innerhalb des ersten Halbjahres 2013 über die Marke von 2000 Dollar steigen wird. Ungewöhnlich ist, dass Gold und Stimmung gleichzeitig steigen. Normal wäre, dass sich alle ans Gold klammern, wenn sonst nichts mehr funktioniert. Trauen etwa diejenigen, die auf Gold setzen, dem Braten nicht?

Das stinkt zum Himmel

Journalisten leben von Geschichten. Hier ist eine: Die Müllmänner im schönen niedersächsischen Landkreis Holzminden haben Ende 2011 nach europaweiter Ausschreibung kurz vor Jahresschluss einen neuen Vertrag zur Müllverbrennung unterzeichnet. Statt wie bisher um die Ecke in Hameln, sollte der Müll ab 1. Januar 2013 in Bremen verbrannt werden. Verglichen mit dem alten Vertrag konnten sich die neuen Konditionen sehen lassen. Der Spaß sollte nur die Hälfte kosten. Bei den Müllentsorgen knallten die Korken. dummerweise vergaßen sie im Rausch den alten Vertrag mit Hameln zu kündigen, weswegen die Bürger von Holzminden jetzt doppelt zahlen müssen. Für die Verbrennung von Müll in Bremen und in Hameln. Wahrscheinlich gibt es dafür nicht mal genug Müll. Wer solche und andere Geschichte liebt, kann sich das heute neu erschienene Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes besorgen. Aufgemacht ist es übrigens mit dem Flughafen Berlin. Es hat das Zeug, ein Bestseller zu werden.

Arme Minijobber

Nächstes Jahr soll die Einkommensgrenze für Minijobs von 400 auf 450 Euro steigen. Dadurch nimmt der Staat etwa 300 Millionen Euro weniger an Sozialabgaben und Steuern ein. Die Mini-Jobbern erhalten damit nach zehn Jahren sozusagen eine Gehaltsanpassung. Bei einer Inflation von geschätzten 1,5 Prozent pro Jahr ist das ein magerer Schritt nach oben. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die SPD warfen der Koalition trotzdem vor, sie weite den Niedriglohnsektor aus. Wir lernen: Die Solidarität reicht weit. Aber sie reicht nicht bis zu denen, die ganz unten stehen.

Die Dealer

Im MAN-Schmiergeldprozess hat der Ex-Chef der Nutzfahrzeugsparte ein Geständnis abgelegt. Anton Weinmann räumte vor dem Landgericht München seine indirekte Beihilfe an Bestechungszahlungen nach Slowenien ein. Das Geständnis ist Teil eines Deals. Weinmann wurde zu einer Geldbuße und zehn Monaten Haft verurteilt, die auf Bewährung ausgesetzt sind. Es bleibt der Eindruck, dass unehrlichen Kaufleute mit den Mitteln der Justiz kaum Herr zu werden ist.

Zaghafte Frauenquote

Die europäischen Banken müssen sich auf eine verbindliche Frauenquote von 15 Prozent für ihre Führungsgremien einstellen. Eine entsprechende gesetzliche Regelung soll in die neue EU-Eigenkapitalgesetzgebung eingefügt werden, erfuhr das Handelsblatt aus dem Europaparlament. Erschrecken muss jetzt kein Mann. In einem siebenköpfigen Gremium muss dann künftig eine Frau einziehen. Das dürfte machbar sein.

Steigern Sie doch Ihre Quote heute Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

19.09.2012, 20:03 Uhr

Hallo Herr Stock!

Sie haben interessante Beiträge angesprochen.
Mit der Einschätzung der trügerischen Ruhe liegen Sie vollkommen richtig. Nach der Windstille kommt der Sturm. Die europäische Schultenpolitik ist ein riesengroßes Dilemma. Jeder einzelne Bürger wird gezielt in die Schuldenfalle getrieben. Nur wenige können sich diesem Sog erwehren.

Früher wurde solange gespart, bis eine Couchgarnitur bar bezahlbar war. Heute werden wegen jeder Kleinigkeit permanent Schulden gemacht. Zum Schluss führt dieser Unsinn immer zu einer Privatinsolvenz. Und die Privatinsolvenzen steigen unaufhaltsam bedrohlich an. Die Bevölkerung ist getrimmt darauf, dass Bestellungen mit Schuldenmachen eine ganz normale Sache ist. Diese Unsitte ist nicht normal. Wie will das Volk lernen vernünftig mit dem Geld zu hantieren. Was im Kleinen schief läuft ist natürlich in anderen Dimensionen allgegenwärtig. Wo sind die guten Vorbilder geblieben?

Doch glaube ich, dass wir Menschen erst zur Vernunft kommen werden, wenn das Brot nicht mehr bezahlbar ist. Erst dann geht das Volk auf die Straße und kämpft für soziale Gerechtigkeit und um ein menschenwürdiges Leben in unserer Gesellschaft.

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