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26.02.2015

19:25 Uhr

Was vom Tage bleibt

Und auch in den USA fallen die Preise

VonStefan Menzel

Inflation ist in den USA kein Thema mehr, Sparkassen schlagen Zinshilfen vor. Griechen bringen Geld zu den Banken, Russen planen Alleingang im All und der VfL Wolfsburg will zur Top-Mannschaft werden. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das böse Öl

Die Schwarzmaler sind in Europa unterwegs: Der Euro behindere das Wirtschaftswachstum, überall fallen die Preise, es drohe eine Deflation. Das mit den fallenden Preisen stimmt tatsächlich. Im Januar sind die Preise im Vergleich zum Vorjahr gefallen. Es stellt sich nur die Frage nach dem Warum. Und, welche Überraschung, jetzt stellt sich heraus, dass auch in den USA die Preise im Januar gefallen sind. Ausgerechnet in dem Land, in dem es keinen Euro und keine EZB gibt. Was ist nun auf beiden Seiten des Atlantiks für die sinkenden Preise verantwortlich? Natürlich der Preissturz beim Öl, der Schmierstoff der Weltwirtschaft ist heute nur noch halb so teuer wie vor einem halben Jahr. Es gibt also keinen Grund, eine Deflation zu fürchten. Das Öl ist schuld, nichts anderes.

Keine neuen Subventionen

Sparkassen-Verbandschef Georg Fahrenschon sorgt sich um die deutschen Sparer. Weil die Zinsen so extrem niedrig sind, möge doch der Staat den gebeutelten Sparbuch-Haltern unter die Arme greifen. Noch eine neue Subvention in Deutschland? Bitte nicht. Gibt es irgendwo einen gesetzlich vorgeschriebenen Anspruch auf eine hohe Verzinsung? Natürlich nicht. Kleinsparer mögen derzeit keine besondere Rendite erreichen. Aber sie werden an anderer Stelle auch entschädigt: beim Konsum etwa durch das stabile Preisniveau. Und wer etwas mehr Risiko einzugehen bereit ist, der kann auch ganz anders sparen. Etwa mit Aktien nämlich.

Der neue Bank-Run

Völlig gerettet ist Griechenland noch nicht, trotz der Einigung vom Dienstag mit den anderen Euro-Ländern. Es wird sicherlich noch die eine oder andere Klippe zu umschiffen geben und wahrscheinlich wird das krisengeplagte Land erneut für etwas Unruhe sorgen. Wichtig bleibt aber die Kernbotschaft vom vergangenen Dienstag: Niemand will, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt. Auch die Griechen selbst fangen an, daran zu glauben. Die griechischen Banken melden, dass jetzt zuvor abgehobene Gelder wieder auf die Konten eingezahlt werden. Das ist auch ein Bank-Run, eben nur in die andere Richtung.

Die Spaltung

Die Konfrontation zwischen dem Westen und Russland ist einfach nicht mehr zu leugnen. Allein die Wirtschaft wird Jahre brauchen, um die seit dem Beginn der Ukraine-Krise gekappten Verbindungen wieder aufzubauen. Ganz zu schweigen vom Vertrauensverlust in der Politik. Die Funkstille zwischen Ost und West dürfte eher noch größer werden, wie das Beispiel der Weltraum-Kooperation zeigt. Die Russen arbeiten lieber an ihrer eigenen Raumstation und verzichten künftig auf westliche Gäste. Lassen wir uns überraschen, wo die Entfremdung zwischen Ost und West demnächst ebenfalls noch zuschlägt. Die Zeichen stehen nicht unbedingt auf Einigung.

Wider die Emotionen

Fußball ist bekanntlich ein extrem emotional besetztes Thema. Wer allerdings allein auf die Emotionen setzt, der übersieht dabei etwas Wichtiges: Fußball ist heute auch Big Business, ein Milliardengeschäft. Deshalb ist es völlig normal, dass sich ein Großkonzern wie Volkswagen für den Fußball interessiert und insbesondere den VfL Wolfsburg zu einer international anerkannten Spitzenmannschaft aufbauen will. Fußballfans sollten endlich damit aufhören, Klubs wie den VfL aus Wolfsburg wegen ihrer Abhängigkeit von einem Konzern zu verteufeln. Allein der Realismus zählt. Und danach wird in der niedersächsischen Provinz inzwischen so guter Fußball gespielt, dass die Kicker am Donnerstagabend die nächste Runde in der Europa League erreichen sollten.

Einen angenehmen Abend, vielleicht auch angereichert mit etwas Fußball, wünscht Ihnen

Stefan Menzel

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