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16.01.2012

18:16 Uhr

Was vom Tage bleibt

Und langsam tropft das Gift

VonOliver Stock

Kein großer Knall, dafür die schleichende Krise. Das ist die Folge des S&P-Urteils. Und sonst? Das Schiffsunglück ist bald vergessen. Der einzige, der das nicht hofft, ist vielleicht Herr Wulff, der heute aus den Schlagzeilen kam.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend Ihnen allen,

Schleichendes Gift

Was nachhaltig wirkt: Die Ratingagentur Standard & Poors hat neun Euroländer herabgestuft. Das war Freitag. Der große Knall an den Börsen blieb deswegen heute aus. Hat die mächtige Agentur etwa an Einfluss verloren? Eher nicht. Ihr Urteil ist nur wie eine Substanz, die einmal versprüht, nur langsam ihre Wirkung entfaltet. In diesem Fall dürften die Banken wieder die Multiplikatoren sein. Sie müssen jetzt die Staatsanleihen in ihren Beständen neu und eher schlechter bewerten, was am Ende ihre Eigenkapitalausstattung schwieriger macht. So tropft das Gift der Krise immer schön langsam aber beständig in den Wirtschaftskreislauf. Und von der Entwarnung sind wir noch weit entfernt.

Zu schneller Schuldspruch

Weniger nachhaltig wirkt das, was sich vor der Küste Italiens abgespielt hat: Das dort gekenterte Kreuzfahrtschiff wird die Branche der Schiffbauer und Reeder nicht in Verlegenheit bringen. Dazu trägt bei, dass Urlauber Gefahren gerne ausblenden. Dazu trägt aber auch bei, dass drei Tage nach der Havarie das Reiseunternehmen Costa-Kreuzfahrten und auch die restliche Welt den Schuldigen bereits gefunden haben: Es ist der Kapitän. Er war zum Zeitpunkt des Unglücks auf der Brücke, manövrierte das Schiff manuell und war sicher nicht der letzte, der von Bord ging. Nun sitzt er, seiner Paradeuniform beraubt, in Untersuchungshaft. Misstrauisch macht, dass ein einziger Mann der Sündenbock ist, wenn eine ganze schwimmende Stadt auf Grund läuft.

Made out of Germany

Es ist schon unerhört: Da rüttelt die EU an unserer Erfolgsbotschaft „Made in Germany“. Seit Jahrzehnten steht das Siegel für Top-Produkte aus Deutschland. Künftig sollen möglicherweise Herkunft und Wert der Vormaterialien darüber entscheiden, ob die Produkte das Label tragen dürfen. Mindestens 45 Prozent des Wertanteils sollen aus Deutschland stammen. Die Unternehmensverbände glauben nun, es geht die Welt unter. Komisch. Und ich habe immer geglaubt, dass sowieso mindestens 99 Prozent aus Deutschland stammen müssten.

Ab in die Werkstatt

Deutsche Autos sind zwar Made in Germany - aber leider nicht immer top: Zehntausende Autofahrer eines VW-Diesels sowie eines BMW Mini müssen in die Werkstatt. Die beiden Hersteller rufen weltweit insgesamt mehr als eine halbe Million Autos zurück. Bei VW gilt der Rückruf für 300 000 Autos. An Einspritzleitungen kann Kraftstoff austreten. BMW ruft wegen Problemen mit einer Kühlwasserpumpe 235 000 Minis zurück, im Extremfall bestehe Brandgefahr. Schade. Da ist die schöne Bilanz, wonach ausgerechnet die beiden Hersteller in China zuletzt mehr Autos absetzten als je zuvor schon wieder relativiert. Hoffentlich sind die Werkstatten da drüben einigermaßen.

Einen mehr als einigermaßen guten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (5)

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Radiputz

16.01.2012, 18:43 Uhr

99% von was Herr Stock? Also ich bitte Sie, etwas genauer müssen sie schon sein , auch wenn Feierabend ist!

Luzifer

16.01.2012, 18:54 Uhr

Stock war schon besser, na ja heute ist "blauer Montag",
das mag die "99%" entschuldigen . LOL

beobachter

16.01.2012, 19:04 Uhr

Atropin zum Beispiel gilt als Gift.
Von Nichtmedizinern verabreicht: kann das tödliche Wirkung haben.
Von Medizinern verabreicht kann das Leben retten.
Ähnlich soll es sich mit steten Gaben von Arsen verhalten.

Zum Glück kennt man inzwischen sowohl die tödliche Wirkung von Giften, wie auch deren, richtig dosiert, lebensrettende Wirkung.

Blicken wir also mit Zuversicht voran.

Auch Ihnen einen angenehmen Feierabend.

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