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15.03.2013

18:18 Uhr

Was vom Tage bleibt

US-Banken lernen nichts aus der Krise

VonFlorian Kolf

JP Morgan vertuscht, täuscht, verliert Milliarden und zahlt doch stolze Gehälter. Spanien versinkt immer tiefer im Schuldensumpf. Und Fußball-Fans werden gnadenlos abgezockt. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Vertuscht und getäuscht

Jetzt rufen Sie sich mal alle Vorurteile in Erinnerung, die Sie gegen Investmentbanken hatten und multiplizieren Sie das mit zwei. Dann sind Sie ganz nah an der Realität. Diesen Eindruck muss man bekommen, wenn man den Untersuchungsbericht des US-Senats in der Ermittlung gegen die US-Bank JP Morgan liest. Die Bank habe im vergangenen Jahr bei Zockereien einer Londoner Abteilung in Milliardenhöhe Risiken ignoriert, Verluste vertuscht, die Aufsicht getäuscht und die Öffentlichkeit in die Irre geführt, heißt es dort. Auch bei den jüngsten Bankenstresstests ist JP Morgan genau wie Goldman Sachs durchgefallen. Ja, haben die denn gar nichts gelernt? Dass die verschärfte Bankenregulierung in den USA weiter verschleppt wird, ist angesichts dieser Zustände ein Skandal.

Abgehoben und Unverschämt

Auch die Diskussionen über Gehaltsexzesse scheinen bei einigen großen US-Banken keine Spuren hinterlassen zu haben. So hat die Bank Wells Fargo ihrem Chef jetzt ein Gehalt von 19,3 Millionen Euro bezahlt. Richtig, die Bank hat unter seiner Führung auch einen Rekordgewinn erzielt. Doch wenn man bedenkt, dass jeder sechste Amerikaner unterhalb der Armutsgrenze lebt, erscheinen solche Gehälter doch arg abgehoben. Der JP-Morgan-Chef Jamie Dimon musste übrigens wegen der Milliardenverluste in Folge des Handelsskandals auf die Hälfte seines Bonus verzichten. Aber bevor Sie jetzt Mitleid bekommen: Er hat auch so noch 11,5 Millionen Dollar verdient. Das ist schon nicht mehr abgehoben, das ist unverschämt.

Bankrotterklärung der Politik

Trotz des Sparkurses der Madrider Regierung sind die Schulden des spanischen Staates im vorigen Jahr kräftiger gestiegen als je zuvor. Wie die spanische Zentralbank heute mitteilte, lagen die Staatsschulden im Dezember 2012 auf der Rekordhöhe von 884 Milliarden Euro, 84,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und die rund 40 Milliarden Euro, die Spanien als Hilfe für den maroden Bankensektor von den EU-Partnern bekommen hat, sind da noch gar nicht mitgerechnet. De facto ist das eine beschämende Bankrotterklärung des Staates. Ich fürchte jedoch, dass das nicht mal als abschreckendes Beispiel für andere Regierungen taugt. Auch Politiker wursteln sich lieber durch als die Lehren aus der Finanzkrise zu beherzigen.

Mutig reagiert

„Red Bull verleiht Flügel“, heißt es in der Werbung. Das hat ein unbekannter Kleinkrimineller falsch verstanden und erpresst nun den Hersteller der zuckersüßen Energydrinks. Wenn das Unternehmen nicht zahlt, droht er, die Getränkedosen mit Fäkalien zu verunreinigen. Red Bull hat beeindruckend mutig reagiert und die Erpressung öffentlich gemacht – auf die Gefahr hin, dass die Kunden nun angeekelt die Brause meiden. Doch dem Erpresser nehmen sie so auf einen Schlag sein infames Drohpotenzial. Eigentlich müsste ich heute aus Solidarität mal eine Dose Red Bull trinken – obwohl ich das Zeug gar nicht mag.

Was fehlt? Fußball ist Big Business. Ein Kollege hat direkt nach der Auslosung des Champions-League-Spiels Dortmund gegen Malaga bei Ryanair noch günstige Flüge nach Malaga gefunden. Doch während der Online-Buchung wurde plötzlich die Seite grau, er musste die Buchungsmaske neu aufrufen – und der Flugpreis war auf das Vierfache gestiegen. So geht Marktwirtschaft! Aber das haben auch die Vereine kapiert: Die billigste verfügbare Karte im Stadion in Malaga kostet 65 Euro.

Ich wünsche Ihnen einen sportlichen Feierabend

Florian Kolf

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Kommentare (3)

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Brasil

15.03.2013, 18:42 Uhr

"Banken lernen nicht aus der Krise?"
FALSCH, SIE LERNEN SEHR WOHL AUS DER KRISE! Nur die Politiker lernen nichts.
Nicht die Banken sind das System, sie tun nur was ihre Anteilseigner wollen und dagegen ist nichts zu meckern!
Die Politik versagt auf allen gebieten und das genau ist das Problem! Nur das ist absolut und ohne Einschraenkungen vorhersehbar, denn woher sollten sie in der Lage sein auch nur das kleinste Problem zu erkennen und dann auch noch die richtige Loesung zu finden?????? Hat denn eine Einziger von diesen Marionetten auch nur annaehernd die Qualifikation, die dieser Job erfordert???

Frank3

15.03.2013, 19:58 Uhr

RICHTIG !! BANKEN HALTEN sich AN GESETZE und EINS IST : " wer HIER GELD BRINGT HAT DAS RECHT DAS BANK MEHR DRAUS MACHT " . Das der DAS GELD NUR ZUM ZUR BANK BRINGEN HAT und AN GESETZE SIND NUR POLITIKER SCHULT und DAS WEIL KEINE DEMOKRATIE HABEN !!!
FRAKTIONSZWANG und JEDER NACH MORAL AUF LISTENPLATZ und BRAUCH SO BEKANNTES GEWISSEN . . . wer VERGIBT LISTENPLÄTZE ODER MEDIENTODSCHLAG WENN GEBRAUCHT ???
MIT VOLKSENDSCHEIT HÄTTEN SCHON , DEMOKRATISCH ABGESTIMMT , ANDRES STEUER GESETZ aber VOLK WIRD JA NICHT GEFRAGT , weil es WISSEN UND NICHT WOLLEN , für SIEG DE WELTHERRSCHAFT UND NICHT ein VOLK HINTER sich .


ATHEIST SICH Gott
SOUVERÄN
Frank Frädrich WILL AUCH WAHRHEITEN WISSEN WELCHE NURNOCH 4 IM ZUSAMMENHANG WISSEN


MEDIEN WO EIN WORT VERBOTEN IST BETRÜGEN .

satyricum

15.03.2013, 20:25 Uhr

Mit Ryanair zum Fußballspiel.
Da treffen sich aber auch die Richtigen.

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