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11.09.2012

18:10 Uhr

Was vom Tage bleibt

Verdienstorden für Gauweiler

VonOliver Stock

Der Euro-Kritiker hat eine Auszeichnung verdient. Schäuble verdient gut, aber macht neue Schulden. Die Deutsche Bank übt noch in Sachen Bescheidenheit. Und: Ach Bettina! Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Orden für Kassandra

Die Eurorettung rückt näher. Heute haben es die Verfassungsrichter abgelehnt, einem Eilantrag des CSU-Politikers Peter Gauweiler zu folgen und ihre Entscheidung über die Rechtsmäßigkeit des Rettungsschirms, die für morgen ansteht, zu vertagen. Gauweiler hatte die Aufschiebung gefordert, weil seiner Meinung nach erst die EZB ihr Anleihekaufprogramm stornieren soll, bevor sich die Richter darüber Gedanken machen, wie es mit dem zweiten Hilfsmittel für Schuldenländer, eben dem Rettungsschirm bestellt ist. Gauweiler ist auch einer der Auslöser für die Verhandlung morgen. Dem Mann gebührt das Bundesverdienstkreuz. Egal, ob seine Kassandrarufe zum Euro erhört werden oder nicht: Er hat für die intensivste und wirkungsvollste Debatte um den richtigen Weg zur Zukunft des Euro gesorgt.

Vergesst die Schulden!

Die Bundesregierung hat begonnen, ihren Haushalt für das nächste Jahr zu diskutieren. 300 Milliarden will sie ausgeben. 280 Milliarden fließen bloß herein. Rund 20 Milliarden neue Schulden kommen also hinzu. Der Finanzminister verkauft das als Erfolg, weil es weniger ist als zuletzt. Ich meine, in einem Jahr, in dem der Schuldendienst wegen Niedrigzinsen für Deutschland erneut billiger ausfallen wird, als sich es der Finanzminister in seinen kühnsten Träumen erhofft hatte, hätten auch keine neuen Schulden möglich sein können. Aber wie sagte mir kürzlich ein Banker: "Niemand macht Schulden, um sie jemals zurückzuzahlen."

Alles ein bisschen kleiner

Die Deutsche Bank hat eine neue Strategie. Dazu jedenfalls diente ihr Investorentag heute in Frankfurt. Ergebnis: Die neue Strategie ist die alte. Nur alles ein bisschen kleiner. Beschränktere Boni, weniger Gewinn, wenig Dividende. Und was ist mit dem Investmentbanking, dessen Schaden regelmäßig seinen Nutzen übersteigt? Das bleibt, auch wenn es kleiner wird, das wichtigste Standbein der Bank. Eine Wende sieht anders aus.

Abgeschmiert

Früher gab es Gewissheiten. Zu denen zählte, dass das Getreide auf dem Feld beim Bäcker landet und nicht bei der Tankstelle. Zumindest diese Gewissheit will die EU wieder herstellen und bis 2020 Subventionen für Biotreibstoffe weitgehend verbieten. Die Aktien der Hersteller schmierten darauf heute alle ab, was mal wieder gegen Geschäftsmodelle spricht, die auf Subventionen beruhen.

Einmischung in innere Angelegenheiten

Der französische Autokonzern PSA, zu dem zum Beispiel die Marke Peugeot gehört, muss sich seit heute mit einem Gutachten der Regierung auseinandersetzen, das ihm Managementfehler ankreidet. Zu wenig Innovation, zu viel an die Aktionäre verteilt, heißt der Vorwurf, was gleich doppelt interessant ist: Denn erstens gehört es nicht zur Aufgabe einer Regierung, Ratschläge an selbständige Unternehmen zu geben. Wenn es die Sozialisten um Hollande doch tun, überschreiten sie eine rote Linie. Und zweitens kritisieren sie bei PSA das, was sie bei Renault auch feststellen könnten. Machen sie aber nicht. Ein Schelm, der glaubt, es hängt damit zusammen, dass der Staat bei Renault beteiligt ist.

Worst Lady

Ach Bettina! Von der First Lady bist Du zur Worst Lady geworden. Deine dreckige Wäsche, die Du mit Christian wäscht, behalte doch lieber für Dich. Ich wünsche Dir eine erbauliche Zukunft in den Klatschspalten. Da werde ich über Dich lesen, bis mir langweilig wird. Hier bist Du raus.

Sie dürfen trotzdem ein bisschen Klatsch üben heute Abend. Bis dann,

Oliver Stock

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

11.09.2012, 19:03 Uhr

Also Herr Stock, den Tag haette man nicht besser zusammenfassen koennen - wirklich hervorragend! Lachen musste ich bei "Worst Lady". Es trifft die Sache hervorragend.

Account gelöscht!

11.09.2012, 19:37 Uhr

Gauweiler kann von mir aus einen Orden bekommen, wenn er mit der Wehrmachtsausstellung durch die neuen Bundesländer marschiert.
Aber für einen Eilantrag, von dem klar war, das der abgelehnt wird? Was man politisch tun um Stimmen zu holen? Mal eben ein paar Anträge stellen?
Eine Klage vor der EU-Gerichtshof - da hätte ich mehr Respekt vor.

andreash

11.09.2012, 19:41 Uhr

Es werden die Tage kommen, an denen viele Menschen sagen werden: Hätten wir mal auf den Gauweiler gehört. Dann wird es aber leider zu spät sein und das große Jammern wird nicht aufhören. Spätestens bei massiven Steuererhöhungen in allen Bereichen wird auch der letzte Dummkopf merken, was Merkel und Schäuble mit unserem Land gemacht haben.

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