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08.01.2013

17:51 Uhr

Was vom Tage bleibt

Vergiftete Glaubwürdigkeit der Griechen

VonFlorian Kolf

Athens Regierungschef betreibt Werbung in Berlin, der Technikchef des Berliner Flughafens rechnet ab, Versicherer müssen gezwungen werden, ihre Kunden ernst zu nehmen. Was hätte Graf Zahl dazu gesagt? Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Kampf gegen die Korruption

Der griechische Regierungschef kann einem schon leid tun. Zuhause wird er beschimpft wegen seines drastischen Sparkurses, im Ausland traut ihm kaum einer über den Weg, die Skepsis, ob die Griechen überhaupt reformwillig sind, ist groß. Heute hat Antonis Samaras in Berlin um Verständnis für sein Land geworben. Er versucht, Glaubwürdigkeit und Investoren zurückzugewinnen. Doch die Voraussetzung dafür ist, dass Athen entschiedener gegen die Korruption kämpft und für ausländische Firmen Rechtssicherheit und eine transparente Verwaltung schafft. Meldungen über den zweifelhaften Umgang mit Listen mutmaßlicher Steuerbetrüger sind Gift für die Glaubwürdigkeit. Wenn Samaras da hart durchgreift, ist das die beste Werbung für den Standort.

Abrechnung in Berlin

Drastischer hätte man es nicht formulieren können. „Fast grauenhaft“, „sehr, sehr heftig“ und „gravierend“ nannte der neue Technikchef des Pannenairports Berlin die Probleme, mit denen er sich konfrontiert sieht. Es ist eine Abrechnung mit den bisher Verantwortlichen, die er heute vorlegte. In welchem Zustand das Projektmanagement ist, zeigt auch, dass er die Missstände erst in mühevoller, monatelanger Kleinarbeit aufdecken musste. Da ist es ein schlechter Witz, dass als bisher einzige Konsequenz der Vorsitz des Aufsichtsrats von Klaus Wowereit zu Matthias Platzeck gewandert ist. Der Flughafenchef gehört ausgewechselt, es braucht externen Sachverstand auch im Aufsichtsrat. Sonst betreiben weiterhin die Böcke die Gärtnerei.

Zur Kundenfreundlichkeit gezwungen

Die Allianz muss jetzt tausende Kunden entschädigen, denen sie für gekündigte Lebensversicherungen einen zu niedrigen Rückkaufwert gezahlt hatte, es geht um insgesamt 117 Millionen Euro. Geklagt hatten Verbraucherschützer. Nun sollten sich alle ehemaligen Kunden melden, um ihre Ansprüche zu sichern. Und wer glaubt, das sei ein Einzelfall, dem sei gesagt: Gegen Signal Iduna, den Deutschen Ring sowie gegen Generali und Ergo haben die Verbraucherschützer bereits ähnliche Klagen durchgefochten. Versicherer müssen offenbar erst gezwungen werden, die berechtigten Forderungen ihrer Kunden anzuerkennen.

Minister unter Druck

Die Anschuldigungen sind pikant. Ausgerechnet der französische Haushaltsminister soll ein geheimes Konto in der Schweiz geführt haben. Bisher bestreitet Jérôme Cahuzac alles. Doch die Vorwürfe reichen offenbar aus, dass die Justiz nun Vorermittlungen aufgenommen hat. Sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten, bekommt die französische Regierung ein riesiges Glaubwürdigkeitsproblem. Hatte doch Regierungschef Francois Hollande seinen Kampf für eine Reichensteuer als Frage der „Steuergerechtigkeit“ bezeichnet.

Was fehlt? Seit 40 Jahren sorgt die Sesamstraße auf deutschen Bildschirmen nicht nur für Unterhaltung, sondern auch für Bildung der Kinder. Einer der Klassiker der Sendung ist Graf Zahl, der alles zählt, was ihm vor die Nase kommt. Was hätte er heute zählen können? Die Zahl der gebrochenen Versprechen der griechischen Regierung? Die Fehler am Berliner Airport? Die ungültigen Klauseln bei Versicherungen? Es gibt genug Stoff für weitere 40 Jahre.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Feierabend.

Florian Kolf

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Kommentare (1)

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Account gelöscht!

08.01.2013, 20:16 Uhr

Zur 'vergifteten Glaubwürdigkeit der Griechen'. Heute schreibt das Vima: http://www.tovima.gr/society/article/?aid=491862"Grünes Licht" für Tausende Einstellungen mit Zeitverträgen in den öffentlichen Diesnt (Kommunen).

Wenn jemand glaubt, dass die Korruption und Klientelgesellschaft mit dem besuch von samaras endet, ist mindestens leichchtgläubig.

Armes Deutschland !

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