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06.11.2013

19:07 Uhr

Was vom Tage bleibt

Verlassene Anleger

VonStefan Menzel

Ein neuer Finanzskandal rüttelt Deutschland auf, Commerzbank-Chef Blessing schafft eine Etappe. Toyota kommt zurück, Uli Hoeneß verzichtet auf sein erstes Amt. Und RWE muss wieder gehörig sparen. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wo war die Aufsicht?

Es fehlen zwar noch die letzten Beweise, aber die Indizien weisen doch ziemlich klar auf die traurigen Fakten: In Dresden dürfte sich ein neuer gravierender Anlegerskandal abgespielt haben. Rund um die Firmengruppe Infinus gibt es voraussichtlich 25.000 Geschädigte. Schadenshöhe: geschätzte 400 Millionen Euro. Wie kann so etwas nur passieren? Natürlich gibt es immer noch die gierigen Anleger, die den vermeintlichen Glücksrittern aus der Finanzbranche auf den Leim gehen. Aber wo war die Aufsicht in diesem Fall? Der Apparat der Finanzaufseher ist in den vergangenen Jahren kräftig aufgestockt worden. Doch wahrscheinlich reagiert diese Behörde immer noch erst dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Und nicht vorab, wie es eigentlich nötig wäre.

Sparen an der Spitze

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat es endlich geschafft. Mit der Doppelstimme des Vorsitzenden hat der Aufsichtsrat am Mittwoch die schon lange geplante Abberufung zweier Vorstandsmitglieder beschlossen. Blessing kann damit ein wichtiges Signal an die eigene Belegschaft aussenden: Auch ganz oben muss gespart werden. Aber mehr als ein Symbol ist diese Entscheidung nicht. Die Gesundung der Commerzbank hängt ganz bestimmt nicht an zwei Vorstandsgehältern, dafür müsste noch viel mehr passieren. Und das ist die wahre Aufgabe für den Commerzbank-Chef, er muss die Sanierung des angeschlagenen Geldhauses zu Ende bringen. Und wenn am Ende der Verkauf der Bank den größten Sanierungserfolg verspricht, dann muss sich Blessing auch dafür entscheiden.

Kraftvolle Japaner

Toyota ist wieder da. Nach der Hälfte des Geschäftsjahres hat der japanische Autokonzern seinen Gewinn schon um 80 Prozent gesteigert, bis zum Jahresende könnte das Plus noch deutlicher ausfallen. Viel zu früh hatten vermeintliche Experten den größten Automobilhersteller der Welt schon abgeschrieben. Interne Krisen und viele Rückrufe hatten Toyota in der Tat zurückgeworfen. Trotzdem besitzt dieses Unternehmen gewaltige Kräfte, die nun zu einem anhaltenden Umschwung führen. Für die unmittelbaren Konkurrenten Volkswagen und General Motors ist das ein ziemlich unmissverständliches Signal: Es wird verdammt schwer, die globale Nummer eins der Autohersteller zu überrunden.

Umdenken beim Bayern-Präsidenten?

Bislang schien für Bayern-Präsident Uli Hoeneß in dessen laufendem Steuerverfahren eine Art Prominentenstatus zu gelten. Während andere Steuersünder in vergleichbaren Verfahren schon längst ihren Posten räumen mussten, harrt Hoeneß unbeirrt an der Spitze von Deutschlands wichtigstem Fußballklub aus. So langsam scheint aber selbst bei Hoeneß ein Prozess des Umdenkens einzusetzen. Er räumt jetzt erstmals einen seiner etlichen Posten und verzichtet auf den Aufsichtsratssitz bei einer kleineren Allianz-Tochter. Das kann allerdings nicht viel mehr als ein erster Schritt sein. Uli Hoeneß hat jahrelang gegen deutsches Steuerrecht verstoßen, mit seiner Selbstanzeige hat er das eindrucksvoll bestätigt. Und damit stehen berechtigte Zweifel im Raum, ob er noch für den Posten des Bayern-Präsidenten geeignet ist.

Keine Zukunft für die Zukunft

Die Energiewende hat die deutsche Stromlandschaft gewaltig durcheinander gebracht. Dass Deutschland dauerhaft auf Kernenergie verzichten will, ist dabei keine schlechte Entscheidung. Viel schlimmer wirkt schon jetzt das Förderchaos bei den erneuerbaren Energien, also in erster Linie bei Wind- und Solarstrom. Es gibt keine Grenzen bei der öffentlichen Förderung. Wer ein Windrad oder eine Solaranlage in Betrieb nimmt, kann mit jahrelanger öffentlicher Förderung rechnen, nach der Wirtschaftlichkeit wird nicht gefragt. Der Markt ist jetzt schon so weit aus den Fugen geraten, dass der RWE-Konzern sogar bei seiner Zukunftssparte Innogy auf die Hälfte der Arbeitsplätze verzichten muss. RWE sägt jetzt also an seiner eigenen Zukunft, bei der die erneuerbaren Energien eigentlich eine zentrale Rolle spielen sollten. Vielleicht geht unseren Politikern in Berlin jetzt endlich ein Licht auf. Das RWE-Beispiel macht nur allzu deutlich, dass es mit der deutschen Förderpolitik nicht wie bisher weitergehen kann.

Bevor ich Sie in einen hoffentlich entspannten Abend entlasse, noch ein letzter Punkt: Das Handelsblatt ruft wieder zur Abstimmung über die Lieblingsfonds auf. Wenn Sie sich beteiligen wollen, hier finden Sie den Link.

Herzlichst Ihr

Stefan Menzel

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.11.2013, 19:54 Uhr

zum Punkt "Umdenken beim Bayern-Präsidenten?"

Uli Hoeneß ist der FCB.

Jeder Mensch macht mal Fehler, aber ich finde es ein Unding, dass heutzutage immer sofort der Ruf nach einem Abdanken laut wird - das ist jetzt nicht nur auf Hoeneß bezogen. Viele fähige Leute, die teils über Jahrzehnte hervorragende Arbeit geleistet haben, verlieren ihre Positionen auf diese Art und Weise - nur wegen eines einzigen Fehltritts.
Er hat lange genug unter Beweis gestellt, dass er (einer) der fähigste(n) Manager im Profi-Fußball ist.
Alleine der Schaden, der ihm daraus jetzt erwachsen ist, sollte Strafe genug sein - mal abgesehen vom Urteil des Gerichts.

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