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10.12.2013

19:06 Uhr

Was vom Tage bleibt

Verrückte Historie

VonStefan Menzel

Die Eiszeit zwischen Kuba und den USA neigt sich dem Ende, die Ukraine geht ungewissen Zeiten entgegen. Mercedes kann punkten, schlechte Nachrichten vom Berliner Airport und ein Chefwechsel bei GM. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Tauwetter in Südafrika

Wer hätte sich jemals so etwas vorstellen können? Ein US-Präsident gibt seinem kubanischen Amtskollegen die Hand, und beide tauschen dabei auch noch freundliche Worte aus. So, als ob es die 50 lange Jahre dauernde Rivalität zwischen beiden Staaten nie gegeben hätte. Aber es ist tatsächlich möglich, geschehen am Dienstag bei der Trauerfeier in Johannesburg für den verstorbenen ehemaligen südafrikanischen Staatspräsidenten Nelson Mandela. Dieses Beispiel lehrt, dass jede noch so lange Feindschaft nicht ewig dauern muss. Dass es immer die Chance für Versöhnung und Verständigung gibt. Schade nur, dass Nelson Mandela diesen historischen Händedruck selbst nicht mehr erleben durfte.

Warten auf Freiheit

Für die Ukraine interessiert sich hierzulande selten jemand. Nur wenige wissen, dass das Land nach der Fläche fast so groß wie Frankreich ist und 45 Millionen Einwohner hat. Also einer der größten europäischen Staaten überhaupt ist. Aber vielleicht kann die aktuelle Auseinandersetzung auf den Straßen der Hauptstadt Kiew diese Unkenntnis beseitigen. In der Ukraine ist der alte Ost-West-Konflikt zwischen Russland und dem westlichen Europa neu entflammt. Russland verteidigt seine vermeintlichen alten Vorrechte in der Ukraine, deshalb hat die Demokratie in diesem geplagten Land noch wenig Chancen. Meine Sympathien gehören durch und durch der ukrainischen Bevölkerung, die endlich diese lästige russische Einflussnahme abschütteln will.

Immerhin: ein Monat

Es ist zwar nur ein Monatsergebnis und damit noch kein dauerhafter und durchschlagender Erfolg. Aber immerhin hat es Mercedes geschafft, innerhalb eines Monats erstmals wieder mehr Autos als Audi zu verkaufen. Beim Daimler-Konzern dürfte die heutige Meldung eine gehörige Portion an Genugtuung ausgelöst haben. Wie oft waren die Stuttgarter schon abgeschrieben worden, sie hätten wegen ihrer manchmal sehr unglücklichen Produktpolitik auf Jahre den Anschluss an die Dauerrivalen Audi und BMW verloren. Mercedes kann also auch noch anders, so schnell lässt sich der Daimler-Konzern am Ende doch nicht unterkriegen.

Abflug in die Vergangenheit

Auf diese Meldung hat wirklich niemand gewartet: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit besitzt beste Aussichten, schon am kommenden Freitag wieder zum Aufsichtsratschef des Pleite-Flughafens Berlin-Brandenburg gewählt zu werden. Ausgerechnet der Mann, der schon einmal an der Spitze des Kontrollgremiums stand und der deshalb die Fehlentwicklungen am Berliner Großprojekt mit zu verantworten hat. Unser Politik-Betrieb ist manchmal schwer zu begreifen: Warum wieder Wowereit? Die politisch Verantwortlichen in der Hauptstadt dürfen sich nicht wundern, wenn die Bevölkerung ob solch wundersamer Personalentscheidungen den Glauben an die Politik völlig verliert.

Berufung mit Fragezeichen

Mit einer Überraschung hat der größte US-Autokonzern General Motors aufgewartet. Mit Mary Barra rückt erstmals eine Frau an die Spitze des Konzerns. Natürlich ist es eine gute Nachricht, dass endlich einmal eine Frau die Führung bei einem internationalen Autobauer übernimmt. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass GM auch seine Probleme in den Griff bekommen wird. Nur der Staat hat den Konzern während der Finanzkrise vor der Pleite retten können. General Motors braucht endlich eine klare Modell- und Markenstrategie, die nicht alle zwei bis drei Jahre von Grund auf geändert wird. Wenn Mary Barra dieses Problem in Detroit lösen kann, dann hätte sich ihre Berufung wirklich gelohnt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Genießen Sie den Advent.

Stefan Menzel

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