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22.10.2012

18:48 Uhr

Was vom Tage bleibt

Verschwörungstheoretiker aufgepasst

VonOliver Stock

Der Rechnungshof geht einer Verschwörungstheorie auf den Grund. Unser Öl kommt künftig von Putin. Und unser Glaube in die Sportlichkeit von Sportlern ist erschüttert. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Goldzähler gesucht

Es gibt eine Menge Verschwörungstheorien: Die erste Mondlandung hat in Wirklichkeit nie stattgefunden. Oder: Der US-Geheimdienst ist verantwortlich für den 11. September. Bei den Deutschen hält sich eine andere Theorie hartnäckig: Unser - also ihres und mein Gold - ist möglicherweise weg. Es wird nämlich im Ausland bei so zwielichtigen Adressen wie der US-Notenbank Fed, der französischen Nationalbank und der britischen Zentralbank aufbewahrt. Und wer weiß, was die damit anstellen. Der Bundesrechnungshof hat sich von diesem Gedanken jetzt entweder infizieren lassen oder er will ihn ein für alle Mal tilgen. Jedenfalls verlangt er eine regelmäßige Inventur der deutschen Goldreserven. Also auf geht's: Freiwillige Goldzähler vor. 133 Milliarden Euro müssen es sein. Das reicht ungefähr für zweieinhalb Deals nach der Methode Rosneft.

Der Ölprinz

Der russische Staatskonzern Rosneft übernimmt die russisch-britische TNK-BP. Das ist ein richtig großer Deal. 55 Milliarden Dollar zahlt Rosneft und BP erhält Anteile am russischen Unternehmen. Soweit, so wirtschaftlich. Und sonst? Russland ist der zweitgrößte Ölförderer der Welt. Der staatliche Einfluss auf den Rohstoffsektor wird in dem Land wieder stärker. Nach dem Ende der Sowjetunion war die Energiewirtschaft privatisiert worden und einige Oligarchen wurden schwerreich. Nun schwingt das Pendel zurück. Russland leistet auch mit Abstand den größten Beitrag zur deutschen Ölversorgung, - mehr als ein Drittel. Der Rosneft-Deal wird daran nichts ändern; die Rohöllieferungen aus Russland bekommen nur einen neuen Absender: Vladimir Putin.

Sonnenfinsternis bei Siemens

„Bei Siemens scheint künftig die Sonne.“ So hatte Konzernchef Peter Löscher im Herbst 2009 die Übernahme der israelischen Solarfirma Solel gewürdigt. Heute wissen wir: Konzernchefs können irren. Das für 418 Millionen Dollar erworbene Töchterchen kostete mehr als es je verdiente. Das kommt zwar in den besten Familien vor, doch die Hoffnung auf eine Trendwende verdüsterten sich zusätzlich Monat für Monat. Deswegen ist nun Schluss damit. Siemens verkündete heute die Sonnenfinsternis. Aus dem Solargeschäft will sich der Konzern, der sich der grüne nennt, komplett verabschieden.

No dope, no hope

„Lance Armstrong hat keinen Platz im Radsport. So etwas darf nie wieder passieren.“ Diese Worte fand heute der Präsident des Weltradsportverbades. Alle sieben Titel wurden der gefallenen Tour-de-France-Legende aberkannt. Wird das Sportler vom Doping abhalten? Nein, denn Armstrong und Co. denken so: "Wenn ich nicht dope, dann tun es eben andere und holen sich den Titel. Also dope ich. Wenn ich dann am Ende auffliege, hatte ich ein paar schöne Jahre, war erfolgreich und verdiente so viel Geld, dass auch nach dem Ende meiner Karriere etwas übrigbleibt." Damit kann man doch umgehen.

Gewonnen durch Parkgebühren

Fritz Kuhn von den Grünen hat mit seinem Wahlsieg in Stuttgart heute die politischen Kommentatoren gereizt: Die CDU und die Großstädte, die Grünen und die Konservativen und was das alles für die Bundestagswahl bedeutet - so lauten die Orakel. Wer dem künftigen Oberbürgermeister Kuhn heute die Frage nach dem "Und nun?" stellte, erhielt bodenständigere Antworten: Mehr Kitaplätze, weniger Feinstaub, und "konsequente Parkraumbewirtschaftung". Mit Bodenständigkeit lassen sich möglicherweise noch am besten Wahlen gewinnen, lautet also mein Kommentar.

Einen bodenständigen Abend wünscht Ihnen,

Oliver Stock

Kommentare (10)

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Falk

22.10.2012, 19:24 Uhr

Warum liegt der Staatsschatz eines Landes überhaupt in anderen Ländern? Weil die Tresorkosten so schön billig sind und zu Hause ist alles so teuer?
Ne, werter Herr Stock, das ist einfach die Garantie für politisches Wohlverhalten und Bündnisfreundlichkeit.
Sie sind doch ein politisch denkender Mensch , vermute ich mal.
Na also.

azaziel

22.10.2012, 19:40 Uhr

Da die betroffenen Stellen nichts zu verbergen haben, werden sie dem berechtigten Pruefanliegen nachkommen. Wuerde das nicht geschehen, wuerde viel Misstrauen entstehen. Da das Ersuchen um Pruefung und Bestandsaufnahme nun einmal ausgesprochen wurde, muss dieser Angelegenheit bis zur befriedigenden Erledigung nachgegangen werden. Rechnungshof, Bundesbank, Presse und Kommentatoren: NICHT LOCKERLASSEN! Und, Herr Stock, machen Sie unser Anliegen bitte nicht laecherlich. Es ist die selbsteverstaendlichste Sache der Welt, dass man die Werthaltigkeit seines Anlagevermoegens regelmaessig ueberprueft. Laecherlich ist vielmehr die Leichtglaeubigkeit, mit der man seinen Staatsschatz ueber Jahrzehnte voellig ungeprueft laesst.

HOCHVERRRAT

22.10.2012, 20:03 Uhr

http://www.arte.tv/de/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt/6891612.html

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