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25.08.2014

18:50 Uhr

Was vom Tage bleibt

Vive la trance

VonOliver Stock

Trat Frankreichs Regierung zurück, weil sie nicht den deutschen Schmalhans machen will? Warum Katar eine PR-Offensive startet, und wer die Galileo-Satelliten zu früh rausgeschmissen hat - hier lesen Sie es.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Suche nach dem Sündenbock

Frankreichs Präsident Francois Hollande steht ohne Regierung da. Sie trat zurück, weil sie sich nicht mit dem Wirtschaftskurs des Präsidenten anfreunden konnte. Hierzulande führt das zu Kopfschütteln: „Frankreich weigert sich hartnäckig die eigenen Schwächen einzugestehen und sucht den Sündenbock lieber im Ausland“, sagte uns der Präsident des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Marcel Fratzscher. Was die deutschen Ökonomen derzeit von ihrem Nachbarn halten, lässt sich in drei Wörtern zusammenfassen: „Liberté, Egalité, Beaujolais.“

Ist der Ruf erst ruiniert

Die Worte lassen an sich keine Deutungen zu: „Wir finanzieren weder die IS noch andere extremistische Gruppen“, schreibt der Außenminister des Golfemirats Katar, Chaled Al-Attijah, im Handelsblatt. Die PR-Offensive, die der Minister über eine darauf spezialisierte deutsche Agentur eingefädelt hat, kommt nicht von ungefähr: Auf der einen Seite nennen deutsche Politiker jeglicher Couleur Katar immer dann, wenn sie auf der Suche nach denen sind, die den IS-Terror finanzieren. Auf der anderen Seite hat aber ausgerechnet Katar in Deutschland so viel Kohlen im Feuer wie kein anderer Golfstaat: Deutsche Bank, VW, Hochtief, Siemens – überall halten die Scheichs einen unübersehbaren Teil der Aktien. Klar, dass diese ehrenwerte Runde deutscher Unternehmen ihre Großaktionäre nun drängt, etwas für ihren Ruf zu tun. Es könnte sonst könnte etwas abfärben.

Strich durch die Rechnung

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat ausgerechnet, dass in den Großstädten die Preise um mehr als sechs Prozent höher liegen als auf dem Land. Außerdem sind sie in Westdeutschland um sieben Prozent höher als in Ostdeutschland. Wer jetzt in eine mecklenburgische Kleinstadt ziehen will, um zu sparen, kommt aber auch auf keinen grünen Zweig, weil dort eben auch kein Geld zu verdienen ist. München oder Malchow? Arm kann man überall sein, sagen die Wissenschaftler des Instituts. Oder anders ausgedrückt: Das Leben macht allen Deutschen manchmal einen Strich durch die Rechnung, nur nie durch unbezahlte.

Muskelspiele

Im Tarifkonflikt mit den Piloten will die Lufthansa einen Streik in letzter Minute abwenden. Personalvorstand Bettina Volkens schrieb einen Brief an die Gewerkschaft, in dem sie Kompromissbereitschaft andeutet. Ob der gelesen wird? Die Gewerkschafter haben ja alle Hände voll zu tun, sich mit den Eisenbahnern abzustimmen, die auch streiken wollen. „Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will“, dichtete einst die SPD-Basis. In diesem Fall sind es genau 86.000 Arme, also 43.000 Lokführer und Piloten, die 80 Millionen Deutsche zum zu Hause bleiben bewegen wollen. Was für ein starkes Muskelspiel!

Falsch ausgestiegen

Die EU-Kommission möchte wissen, wieso eine russische Rakete die beiden Galileo-Satelliten, die sie Freitag ausgesetzt hat, zu früh rausschmiss. Anstatt in 23,5 Kilometern Höhe kreisen sie jetzt tiefer und sind so unbrauchbar wie ein Freund, der an der falschen Bushaltestelle auf die Verabredung wartet. „Sabotazh“, heißt das russische Wort für das, was auf deutsch das Gleiche meint.

Einen sabotagefreien Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

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Frau Ich Kritisch

25.08.2014, 20:55 Uhr

Zitat: "„Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will“, dichtete einst die SPD-Basis."

Gedichtet wurde es von Georg Herwegh 1863, die SPD gibt es erst seit 1890. Zwar gab es 1863 bereits den allgemeinen deutschen Arbeiterverein, aber Herrn Herwegh als Basis der SPD zu bezeichnen finde ich doch reichlich gewagt. Er würde sich wohl im Grab umdrehen, wenn er mit der heutigen SPD in einem Satz genannt wird. Damals wollte man noch etwas für die Arbeiter tun. Die HarzIV-Gesetze stammen von der heutigen SPD.

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