Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.11.2012

17:49 Uhr

Was vom Tage bleibt

Von Betrügern und Aufklärern

VonFlorian Kolf

Eine prominente Grüne versteht die Basis nicht mehr, Betrüger genießen in Deutschland erschreckend viel Sympathie und für die USA naht ein gefährlicher Unabhängigkeitstag. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Grün ist nicht mehr Roth

Heute Morgen sah es mal wieder so aus, als ob sich bei den Grünen alles um Claudia Roth dreht. Doch die nervig-schrille Alt-Achtundsechzigerin war nicht ohne Grund in ungewohnt schwarzem Kostüm aufgetreten. Auch wenn sie noch einmal als Parteivorsitzende gewählt werden sollte, sie hat ihre Zukunft hinter sich. Für die künftige Richtung der Partei steht die neue Spitzenkandidatin Katrin Göhring-Eckardt. Und die sagt so kluge Sachen wie: "Wir brauchen keinen Staat, der sagt, wie man zu leben hat - aber Freiheit und Wahlmöglichkeiten darf es eben nicht nur für diejenigen geben, die es sich leisten können." Sie macht grüne Politik mit christlichen Werten, eine echte Konkurrenz für die Volksparteien.

Sympathie mit dem Betrüger

Leider aber scheinen viele Bürger überhaupt keinem Politiker mehr zu trauen. Wenn man sich die Leserkommentare unter den Artikeln über die Steuerrazzien bei UBS-Kunden durchliest, könnte man meinen, es handele sich um arme Opfer staatlicher Willkür und nicht um wohlhabende Steuerbetrüger. Es ist schon erschreckend, wie weit viele Bürger sich vom Staat entfremdet haben und sehr sie mit denen sympathisieren, die nur ihren eigenen Vorteil sehen. Wer von Politikern verantwortungsbewusstes Handeln erwartet, sollte auch selber bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Die Stunde des Aufklärers

Für den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS wird es eng. In einer konzertierten Aktion wollen deutsche und österreichische Fahnder jetzt die Korruptionsvorwürfe rund um den Verkauf des Kampfjets Eurofighter nach Österreich aufklären. Offenbar gab es auch hier eine unheilige Allianz zwischen Industrie und Politikern zum Schaden des Staates. Der Augenblick für die Ermittlungen ist günstig: Nach der gescheiterten Fusion mit BAE Systems bleibt EADS-Chef Tom Enders nur die Flucht nach vorne. Er muss bedingungslos im eigenen Laden aufklären, sonst sind seine Tage an der Konzernspitze wohl gezählt.

Gefährliche Unabhängigkeit

Für die USA naht ein neuer Unabhängigkeitstag. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die USA als größte Volkswirtschaft der Welt bis 2017 zum größten Ölproduzenten und schon bis 2015 zum größten Gasproduzenten der Welt aufsteigen. Damit würde das Land vom Importeur von Energie zum Exporteur und damit quasi autark. Für die US-Wirtschaft ist das gut, sinken doch mit steigender Produktion im eigenen Land die Energiepreise. Doch die Gefahr ist groß, dass darüber das Energiesparen wieder vernachlässigt wird. Doch das böse Ende wird kommen, denn fossile Energien sind bleiben endlich.

Was fehlt? Wer sich an Gourmetführern orientiert, hat es zurzeit nicht leicht. Hatte in der vergangenen Woche noch der Guide Michelin eine neue Rekordzahl an Sternen an deutsche Restaurants vergeben, hat nun der Gault Millau deutschen Köchen in einer Art Generalabrechnung "austauschbare Produkte" und "uniforme Geschmackserlebnisse" attestiert. Wissen Sie was? Nehmen Sie sich doch einfach mal wieder die Zeit und kochen selbst, mit frischen Zutaten und viel Fantasie.

Ich wünsche Ihnen einen genussreichen Feierabend,
Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

WutSchwabe

12.11.2012, 18:05 Uhr

"Es ist schon erschreckend, wie weit viele Bürger sich vom Staat entfremdet haben und sehr sie mit denen sympathisieren, die nur ihren eigenen Vorteil sehen."

Nein, Herr Kolf. Erschreckend ist, wie weit der Staat sich von den Interessen der Bürger entfernt hat.

SenecAAA

12.11.2012, 18:11 Uhr

Es ist nicht erschreckend, dass ....es ist vielmehr folgerichtig, wenn der Staat sich gegenüber dem Bürger zum Leviathan aufschwingt und den vom Bürger abgeforderten Rechtsgehorsam mit Füssen tritt. Gleichgültig ob bei Missachtung der selbstgesetzten EURO-EU-Regeln oder beim Schreddern von Akten in Sicherheits(?)behörden. Wenn Politiker bei einem historisch hohen Steueraufkommen nur nach mehr Steuereinahmen gieren, um den aus den Angeln geratenen Sozialstaat zu erhalten (zu wenige Leistungsträger, zu viele Leistungsempfänger - Romneys 47% sind in D schon längst 50% +), dann gleicht dies einem Kurshalten auf der Titanic vor Eisberg-Berührung. Die "demokratische" Mehrheits-Dikatur erhält sich selbst bis zum totalen Kollaps des Wirtskörpers. Dass Leistungsträger tatsächliche oder vermeintliche Schweizer-Rettungsbotte beizeiten klarmachen wollen, ist der Natur der Sache geschuldet bei dem was absehbar ist aber es wird wenig helfen. There is no way to hide.

Account gelöscht!

12.11.2012, 18:19 Uhr

Ich finde beides erschreckend. Mit besten Grüßen, Florian Kolf

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×