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11.01.2012

18:04 Uhr

Was vom Tage bleibt

Von Bilanzlöchern und selbsternannten Datenschützern

VonFlorian Kolf

Mut zur Lücke kann manchmal befreiend wirken. Doch es kann auch zum kompletten Blackout führen. Das droht nicht nur deutschen Internet-Surfern. Auch Politiker und Banker müssen das zuweilen erfahren. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

heute waren ausnahmsweise mal Lücken das Thema des Tages.

Internetnutzern droht der Blackout

Eine Sicherheitslücke haben Kriminelle genutzt, um Internet-Surfer auf manipulierte Websites zu lotsen. Diesen Cyber-Angriff hat das FBI zwar abgewehrt. Doch nun kommt das dicke Ende: Da die Ermittler die Server der Kriminellen abschalten wollen, droht nun auch 33.000 infizierten Nutzern in Deutschland der Computer-Blackout - wenn sie die Schadsoftware noch nicht von ihrem Rechner entfernt haben. Da die meisten bisher gar nicht wussten, dass ihr Rechner missbraucht wurde, kann das böse enden.

Allianz will der Commerzbank helfen

Eine riesige Lücke hat die Commerzbank. Sie braucht 5,3 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital, um die verschärften Anforderungen der Aufseher zu erfüllen - bis zum 20 Januar. Sah es bisher so aus, als käme sie um weitere Staatshilfe nicht herum, hat sie jetzt offenbar einen großen Schritt dazu gemacht, die Kapitallücke zu schließen. Finanzkreisen zufolge will die Allianz eine Stille Einlage bei der Commerzbank so umwandeln, dass sie als Eigenkapital zählt. Der Versicherungskonzern beweist damit, dass er in der Krise Verantwortung übernimmt, geht die Allianz damit doch ein höheres Risiko ein. Aber im Grunde ist es ohnehin nur Wiedergutmachung. Hat doch die Allianz der Commerzbank einen Großteil ihrer heutigen Probleme erst eingebrockt, indem sie ihr die Tochter Dresdner Bank verkauft hat.

Christian Wulff spielt den Datenschützer

Jede Lücke nutzt auch Bundespräsident Christian Wulff, um seinen Kritikern zu entkommen. Jetzt ließ er mitteilen, dass er die Antworten auf die Journalistenfragen gar nicht veröffentlichen darf. Er habe das zwar versprochen, würde das auch gerne machen, sei aber rechtlich daran gehindert. Es würde "das Recht der anfragenden Journalisten am eigenen Wort und dem Schutz ihrer Rechercheergebnisse" verletzen. Was wie Verschleierung aussieht ist also in Wahrheit gut gemeinter Datenschutz? Merkt der Mann eigentlich nicht, dass er sich mit solchen taktischen Manövern immer lächerlicher macht? Es drängt sich schon der Eindruck auf, seine Berater und Anwälte wollten ihm bewusst schaden.

Börsenfusion droht das endgültige Aus

Nicht nur in eine Lücke, sondern in ein echtes Loch droht die Deutsche Börse zu fallen. Es wird immer deutlicher, dass ihre geplante Fusion mit der New York Stock Exchange am Widerstand der Kartellbehörden scheitern dürfte. Nun kämpfen beide Börsenbetreiber verzweifelt um den Zusammenschluss. Für Reto Francioni, den Chef der Deutschen Börse, geht es um alles oder nichts. den wenn die Pläne scheitern, kann er sich wohl einen neuen Job suchen.

Deutschland wächst souverän

Ganz und gar kein Loch hat sich das deutsche Wachstum im vergangenen Jahr erlaubt. Mit stolzen drei Prozent ist es durchs Ziel gegangen. Gerade in der Zeit der Euro-Krise ist Deutschland damit in Europa der Fels in der Brandung. Und der Start-Ziel-Sieg war so souverän, dass die Experten diesmal mit ihren Prognosen gar nicht so schlecht lagen. Handelsblatt Online hat nachgeschaut und festgestellt: Die schlechteste Prognose hatte Anfang vergangenen Jahres immerhin zwei Prozent Wachstum vorhergesagt.

Was fehlt? Eine ganz bittere Zahl. Die japanischen Behörden haben jetzt die offizielle Zahl der Todesopfer der Tsunami-Katastrophe im vergangenen Jahr bekannt gegeben. Das Erdbeben und die anschließende Flutwelle am 11. März haben insgesamt 15.844 Menschen getötet, 3450 Menschen werden immer noch vermisst. Gegen diese Zahlen verblassen fast alle anderen Meldungen, über die wir uns täglich so aufregen.

Ich wünsche Ihnen einen anregenden Feierabend,

Florian Kolf

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