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22.04.2013

18:15 Uhr

Was vom Tage bleibt

Von Merkel abgewatscht

VonFlorian Kolf

Uli Hoeneß hat sein Image endgültig zerstört, Euro-Land lebt unbekümmert auf Pump, Geiz ist nicht mehr geil und ein Leben ohne Handy ist tatsächlich möglich - selbst für Jugendliche. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Öffentliche Hinrichtung

Dass sich SPD und Grüne auf ihn stürzen, hatte er erwartet. Doch diese Kritik wird Uli Hoeneß am meisten schmerzen: Angela Merkel ließ mitteilen, sie sei "enttäuscht" vom Präsidenten des FC-Bayern. Dass sich Merkel so überraschend schnell und klar positioniert zeigt eindeutig: Egal was die weiteren Ermittlungen ergeben, in der Öffentlichkeit ist Hoeneß erledigt. Zuschreiben kann er sich das selbst. Zu sehr hatte er sich zuvor als Moralapostel gegeben mit Sprüchen wie: "Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant", oder "Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein". Jetzt hat er sich nicht nur als Sprücheklopfer entlarvt sondern ein erschreckendes Beispiel dafür gegeben, dass viele Reiche offenbar Steuern als unverbindliche Empfehlung betrachten.

Fast ein Jahr auf Pump

Die laxe Steuermoral vieler Reicher ist auch mitschuldig an der Misere südeuropäischen Länder. Speziell wohlhabende Griechen haben Milliarden heimlich ins Ausland transferiert. Und wie sich heute zeigte, verschärft sich in diesen Länder die Überschuldung sogar. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitgeteilt hat, ist die Neuverschuldung etwa in Griechenland 2012 um 0,5 Punkte auf 10,0 Prozent gestiegen. Spanien kam sogar auf ein Defizit von 10,6 Prozent. In der Eurozone erhöhte sich die Staatsverschuldung 2012 damit auf 90,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - die Staaten lebten fast ein ganzes Jahreseinkommen auf Pump. Und das bezeichnete EU-Kommissar Olli Rehn gerade erst als "konsequent auf Konsolidierungskurs". Das verstehe, wer will.

Geiz ist nicht mehr geil

Sicherlich gibt es auch gute Argumente gegen die Vereinbarung von Mindestlöhnen. Aber dass in manchen ostdeutschen Bundesländern ausgebildete Friseurinnen bisher für gerade mal drei Euro pro Stunde arbeiten, ist geradezu unwürdig. Es kann nicht sein, dass durch den Konkurrenzkampf in der Branche viele Kunden nicht mehr bereit sind, mehr als zehn Euro für einen Haarschnitt auszugeben - und gleichzeitig der Staat das Gehalt der Friseure aufstocken muss, damit sie überhaupt das Existenzminimum erreichen. Dass es nun ab 2015 einen bundesweit einheitlichen Mindestlohn von 8,50 Euro geben soll, ist ein gutes Signal gegen die "Geiz-ist-geil"-Mentalität.

Hase und Igel

Es ist die Horrorvorstellung jedes Online-Händlers: Unbekannte Täter sind in ein Datenzentrum für Online-Buchungen mehrerer Reiseveranstalter eingebrochen und haben komplette Kreditkartendatensätze von den Servern kopiert, darunter Kreditkartentyp, Kreditkartennummer, CVV-Nummer, Ablaufdatum und Name, Adresse und E-Mail des Inhabers. Die Veranstalter sagen, sie hätten das Leck schon wieder geschlossen. Doch die Erfahrung lehrt: Nach der Sicherheitslücke ist vor der Sicherheitslücke. Das Hase-und-Igel-Spiel zwischen Kriminellen und Sicherheitsabteilungen geht weiter. Und den Kunden bleibt nur, regelmäßig ihre Abrechnungen zu prüfen.

Was fehlt? In einem Experiment haben 45 Schüler aus Braunschweig eine Woche lang auf ihr Handy verzichtet. Die unerwartete Erkenntnis: Vielen hat es gar nicht so arg gefehlt und einige haben gemerkt, dass sie Zeit gewonnen haben. Ein Schüler hat sogar das Festnetz wiederentdeckt - und überrascht festgestellt, wie gut da die Empfangsqualität ist.

Schalten Sie doch auch mal ab am Feierabend.

Florian Kolf

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Kommentare (8)

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Account gelöscht!

22.04.2013, 18:33 Uhr

Was hat Hoeneß getan? Eine rationale Entscheidung getroffen, indem er das Geld nicht vom Fiskus verbrennen lässt. Die Politiker sind die Wahren Verbrecher, da diese Steuerbetrug in Millardenhöhe begehen (siehe Großprojekte). Wer wird für gefälschten Zahlen für den EU-Beitritt verantwortlich gemacht - der Steuerzahler, der jetzt die Zeche zahlt. Wen interessiert das in Deutschland - NIEMAND, noch nicht einmal die schlechte mediale Welt. Darüber solltet Ihr mal debattieren aber euch fehlt der Mum und der Mut. Armseliges Deutschland, armeseliges Europa! That´s life:-((((((

Account gelöscht!

22.04.2013, 18:36 Uhr

Hat Uli Hoeneß ein Verbrechen begangen - ganz klar nein! Warum: Weil er einfach rational gehandelt hat. Wenn er das Geld dem Fiskus gibt, kann er es auch gleich verbrennen. Das eigentliche Verbrechen in diesem Land ist doch, wie die Steuergelder verwendet werden. Allein die Großprojekte (BER, Stuttgart21, Elbphilharmonie usw.) und die EU-Beitritte (gefälschte Zahlen etc.) sind Steuerbetrug in Millardenhöhe. Wer regt sich auf - NIEMAND, evtl. ein wenig dudu! Wer wird zur Rechenschaft gezogen - der Steuerzahler, in dem er den Müll weiter finanziert. Würden diese Projekte durch die Wirtschaft finanziert werden, würden Sie ein Bruchteil dessen Kosten!

Darüber solltet Ihr mal debattieren, aber die mediale Welt ist ja genauso armselig, wie die Politik!

Armseliges Deutschland, armseliges Europa! That´s life:-(((((

wassollderquatsch

22.04.2013, 19:34 Uhr

@vantheman007
Also ich stimme Ihnen zu, dass wir unsere Politiker dafür in Anspruch nehmen müssten, was sie uns mit dem Euro und der ständigen Erweiterung seines Raumes angetan haben. Leider haften die aber für gar nichts - weder zivil- noch strafrechtlich. Für Steuervermeidung habe ich deshalb großes Verständnis; sie sollte halt intelligent durchdacht und rechtlich einwandfrei sein. Das kriegen nicht alle hin, leider. Herr Hoeneß wird sich auf die Meinung von Politikern im übrigen seinen eigenen Reim machen. Übrigens: die AfD ist auch für eine Steuervereinfachung und für Bürokratieabbau, insbesondere in europäischen Behörden, wo übrigens ein ganz besonderes Steuersparmodell eingerichtet wurde: Beamte und Mitarbeiter zahlen gar keine Einkommensteuer. Das zum Thema Steuergerechtigkeit...

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