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16.03.2012

18:00 Uhr

Was vom Tage bleibt

Vor dem Start gescheitert

VonOliver Stock

Bei der Deutschen Bank holpert der personelle Neubeginn. Der Finanzminister soll einen Nebenjob bekommen. Ein Vielflieger wehrt sich. Und die Genossenschaftsbanken leisten sich einen Meistertrainer - der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Duo mit Sollbruchstelle

Das hatte sich die Deutsche Bank anders vorgestellt: Ein dynamisches Duo sollte Josef Ackermann ablösen, wenn der im Mai sein Amt als Vorstandschef abgibt. Anshu Jain, der smarte Investmentbanker aus London, und Jürgen Fitschen, das Urgestein aus Frankfurt, sollten die Geschicke lenken und wollten mit ersten Personalentscheidungen im Aufsichtsrat heute schon die Weichen für eine neue Deutsche Bank stellen. Schief gelaufen ist dabei jedoch einiges. Erst sickerten die Personalvorschläge via Bild-Zeitung an die Öffentlichkeit und dann gaben die Kontrolleure der Bafin nicht ihr Okay dazu, dass Jain seinen Vertrauten William Broeksmit auf den Posten des Risikovorstands hieven wollte. Dieses größtmögliche Durcheinander lässt die Frage zu, ob das Spitzenduo als Tandem nicht schon gescheitert ist, bevor es überhaupt angefangen hat?

Früher Kandidat

Wer sich in diplomatischen Kreisen in Brüssel umhört, erfährt: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble soll nach dem Willen von Kanzlerin Angela Merkel neuer Chef der Eurogruppe werden. „Es gibt eine deutsche Kampagne für Schäuble“, heißt es. Schäuble solle den Posten ab Juli dieses Jahres nebenamtlich ausüben und gleichzeitig deutscher Finanzminister bleiben. Die Amtszeit des derzeitigen Eurogruppen-Chefs, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, endet im Juni. Eine Verlängerung, so hat Juncker jüngst im engeren Freundeskreis wiederholt, strebt er nicht an. Die Deutschen würden damit einen Top-Job besetzen, der beim Krisenmanagement rund um den Euro von zentraler Bedeutung sein kann. Ein sonderlich glückliches Händchen mit solchen Besetzungen beweist Berlin allerdings selten. Und auch jetzt sieht alles danach aus, als werde ein Kandidat ein bisschen zu früh ins Rennen geworfen, damit er genügend Zeit hat, sich bei der Kandidatentour noch gehörig in die Nesseln zu setzen.

Unbequemer Kunde

Kennen Sie das: Sie quetschen sich ins Flugzeug und einzig die Genugtuung, wenigstens ein paar Meilen für das Vielfliegerprogramm gesammelt zu haben, hält ihre Laune aufrecht. Ein Vielflieger, der so fühlte, fand es deswegen gar nicht lustig, als die Lufthansa im vergangenen Jahr verkündete, dass für bestimmte Prämien künftig mehr Meilen im „Miles & More“-Programm angesammelt werden müssen als vorher. Der Mann sah seinen Prämien-Kontostand dahin schmelzen und klagte. Heute hat er recht bekommen. Die Fluglinie hätte das angesammelte Meilenkonto eines leidgeprüften Kunden nicht entwerten dürfen, entschied das Kölner Landgericht. Die Richter betonten, generell sei die Lufthansa berechtigt, die Teilnahmebedingungen für ihr Bonusprogramm zu ändern, da es sich um eine freiwillige Leistung handele. Allerdings hätte das Unternehmen dies mit einem Vorlauf von vier Monaten ankündigen müssen, um den Kunden eine ausreichende Übergangszeit einzuräumen. Die eigentliche Erkenntnis ist aber die: Vielflieger sind am Ende keine Pay Back-Kunden, die auf Rabattfang gehen, sondern sie betrachten die gesammelten Meilen und dafür fälligen Prämien als Entschädigung für Reisen, die komfortabler ausfallen könnten. Entsprechen empört reagieren sie, wenn sie sich übervorteilt fühlen.

Meistertugenden

Den Volks- und Raiffeisenbanken ist ein Coup gelungen. Sie haben Meistertrainer und Sympathieträger Jürgen Klopp als Markenbotschafter der Bankengruppe verpflichten können. Klopp, im Hauptberuf Trainer bei Borussia Dortmund, hatte sich im Juni des vergangenen Jahres von dem Versicherer Ergo gelöst. Dort hatte er für die Tochter HMI geworben, die im Zentrum mehrerer Skandale stand, unter anderem einer Lustreise von Versicherungs-Vertretern nach Budapest. bei den Genossenschaftsbanken glaubt Klopp nun besser aufgehoben zu sein. Vielleicht haben sich da ja tatsächlich zwei gefunden: Der eine ist Meister im Fußball und der andere ist der Meister der Unauffälligkeit, was ja in Zeiten, in denen das Bankenimage ramponiert ist, ein deutlicher Vorteil ist.

Ein Wochenende ohne unangenehme Auffälligkeiten wünscht Ihnen

Oliver Stock

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