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17.10.2012

17:43 Uhr

Was vom Tage bleibt

Vorbild Dagobert Duck

VonFlorian Kolf

Warum die Deutschen am liebsten in Bargeld baden würden, wo schöne Abschiedsworte als Heuchelei entlarvt werden und wie der Steinbrück-Effekt verpufft. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Nur Bares ist Wahres

Seit Monaten hören wir nichts anderes: Die Krise treibt die Deutschen in Sachwerte, die Menschen haben das Vertrauen ins Geld verloren. Alles Unsinn! Denn nichts liebt der Deutsche so sehr wie sein Bargeld. "Geldscheinbündel und Tresore voller Geld gehören heute noch zu den unmittelbarsten und eingängigsten Symbolen für Reichtum und Wohlstand", brachte es Bundesbank-Präsident Jens Weidmann heute bei einem Symposium der Notenbank in Frankfurt auf den Punkt.118 Euro Bargeld haben die Menschen im Schnitt im Portemonnaie, der überwiegende Teil der Zahlungen im Handel wird bar beglichen. Das Vertrauen ins Bare hat offenbar auch die EZB-Politik des billigen Geldes nicht erschüttert - noch nicht.

Deutsche Wertarbeit

Aber es gibt etwas, in das der Deutsche noch mehr Vertrauen hat als in sein Bargeld: den deutschen Mittelstand. Das zeigt sich auch an der Börse. Der Index für die mittelgroßen Werte, der MDax, hat heute in Frankfurt sein Allzeithoch erreicht. Nicht mal in den aktienseeligen Zeiten Anfang des Jahrtausends lag er höher. Die harte und bodenständige Arbeit der Mittelständler, die sich vom Krisengejammer nicht irritieren lassen, imponiert auch den Investoren. Schönstes Beispiel: Die Aktie des Anlagenbauers Dürr hat in den vergangenen drei Jahren um mehr als 300 Prozent zugelegt. Das ist deutsche Wertarbeit.

Böse Worte zum Abgang

Meist werden auch Abgänge im Streit mit schönen Floskeln zugedeckt, so dass alle Beteiligten das Gesicht wahren können. Dann spricht man von "beiderseitigem Einvernehmen" und bedankt sich für den "unermüdlichen Einsatz". So war es heute auch beim HSH-Nordbank-Chef Paul Lerbinger. Peinlich nur, wenn sich dann nicht alle ans Drehbuch halten. Die Finanzminister der Eigentümerländer haben mit einer unmissverständlichen Botschaft die schönen Worte als Heuchelei entlarvt. "Eine erfolgreiche Restrukturierung erfordert einen handlungs- und durchsetzungsfähigen Vorstand", ätzten sie zu Lerbingers Abgang. Guter Stil ist anders.

Steinbrück-Effekt verpufft

Was die SPD im Moment auch macht, es will ihr nichts wirklich gelingen. Nun hatte sich die Partei durchgerungen, ihre Kür des Kanzlerkandidaten vorzuziehen, hatte Peer Steinbrück nominiert und so etwas wie Aufbruchsstimmung gespürt - und schon ist wieder Alltag. Nach einer aktuellen Umfrage ist der Steinbrück-Effekt schon verpufft, die Zustimmung zur SPD sinkt wieder, auch der Kandidat selbst hat im Vergleich zur Kanzlerin an Boden verloren. Polternde Bankenkritik reicht wohl noch nicht als überzeugendes Programm.

Was fehlt? Beim Abriss eines Hauses in Japan haben Bauarbeiter umgerechnet 250.000 Euro entdeckt. Das Geld war in einer kleinen Schachtel unter dem Wohnzimmerboden versteckt. Vielleicht nutzen Sie ja den Feierabend, um auch mal wieder richtig zuhause aufzuräumen. Es könnte ja sein, dass Sie auch einen Schatz finden.

Mit besten Grüßen

Florian Kolf

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