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29.05.2013

18:48 Uhr

Was vom Tage bleibt

Vorbild Eidgenossen

VonStefan Menzel

Es gibt endlich entscheidende Fortschritte im Streit um das Bankgeheimnis. Nicht ganz so erfreulich ist die Entwicklung bei Internet-Währungen und bei Drogeriemärkten. Doch immerhin können sich VW und die Bayern freuen.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Eidgenossen werden zum Vorbild

Die Schweiz lernt dazu. Es hat zwar lange genug gedauert, aber jetzt geben die Eidgenossen im Bankenstreit endlich nach. Der Druck vor allem aus den USA und auch aus der Europäischen Union ist einfach zu groß geworden. Die Schweizer können sich keine Sonderregeln mehr in Sachen Bankgeheimnis und Besteuerung erlauben. Unsere Nachbarn wollen das Image ablegen, die Geld-Waschmaschine für Kriminelle und Steuersünder aus anderen Ländern zu sein. Dann gibt es keine Alternative dazu, sich den internationalen Regeln unterzuordnen. Ein Anfang ist gemacht. Andere Steueroasen sollten sich die Schweiz zum Vorbild nehmen.

Bereinigung bei Klopapier und Hundefutter

Können Sie sich überhaupt noch an die Schlecker-Märkte erinnern? Sie sind ziemlich schnell aus dem Straßenbild verschwunden, andere Drogerieketten haben den Platz des süddeutschen Unternehmens eingenommen. Auch aus Österreich war eine neue Gruppe angetreten, die sich die Schlecker-Pleite zunutze machen wollte: Dayli aus Wien. Doch aus den vollmundig verkündeten Plänen ist bislang nicht viel geworden. Die Expansion in Deutschland liegt auf Eis, in Österreich werden auf einen Schlag viele frühere Schlecker-Standorte aufgegeben. Da scheint jemand die Marktsituation ziemlich falsch eingeschätzt zu haben. Krankt die Drogerie-Branche nicht vor allem daran, dass der Markt ziemlich überbesetzt ist? Die Probleme bei Dayli waren absehbar, es gibt einfach zu viele Drogerie-Märkte.

Lernen hilft, auch beim Internet

Bis heute Morgen haben wahrscheinlich die meisten Deutschen noch nie etwas von Liberty Reserve gehört. Warum auch? Internet-Währungen sind bislang meist nur etwas für Spezialisten, der Großteil der Bevölkerung hat sich dafür nicht interessiert. Aber daran sollte sich schleunigst etwas ändern. Das Internet hat das Leben vieler Menschen ziemlich auf den Kopf gestellt – und dasselbe wird auch mit Banken und beim Geld passieren. Deshalb ist es gut, dass die US-Behörden den kriminellen Machenschaften von Liberty Reserve auf die Schliche gekommen sind. Kriminelle werden immer wieder versuchen, das Netz zu ihren Zwecken zu missbrauchen. Wenn Polizei und Staatsanwälte deren Machenschaften besser verstehen, dann ist dem Missbrauch im Internet schneller ein Ende bereitet.

Erfolgreicher Widerstand gegen Brüssel

Manchmal wird die EU als Krake gesehen, die sich überall in den Mitgliedsstaaten in nationale Besonderheiten einmischt. Beispiel VW-Gesetz, mit dem die Sonderrechte des Landes Niedersachsen als Anteilseigner von Volkswagen geregelt sind. Jetzt meinte die EU, dass sich diese besonderen deutschen Regeln nicht auf europäischer Ebene halten ließen. Okay, diese Meinung darf man vertreten. Aber auch auf europäischer Ebene gibt es einen Rechtsweg: Und vor dem Europäischen Gerichtshof zeichnet sich jetzt ab, dass die deutsche Seite Recht bekommen wird und dass das VW-Gesetz bleibt. Diese Entscheidung bietet Anlass für einen vernünftigen Europa-Optimismus. Natürlich wird Brüssel immer wieder versuchen, die eigenen Interessen durchzusetzen. Aber man kann sich (legal) dagegen wehren.

Gönnen wir es den Bayern?

Es gibt auch noch die schönen, die weniger problematischen Themen. Nach bald einer Woche haben sich vielleicht auch die Dortmund-Anhänger damit abgefunden, dass Bayern München den Sieg in der Champions League geschafft hat. Der Durchmarsch der Münchener ist eine Erfolgsgeschichte, über die sich alle Fußball-Fans in Deutschland freuen sollten. Nun ist der FC Bayern auch zum wertvollsten Fußballverein in der Welt aufgestiegen. Dahinter steckt ein klares sportliches und wirtschaftliches Konzept. Die bekannten deutschen Tugenden scheinen manchmal doch nicht so schlecht zu sein.

Genießen Sie den Feiertag, so Sie denn morgen einen haben werden. (Und für den protestantischen Norden und Osten Deutschlands: Der nächste Feiertag kommt bestimmt)

Stefan Menzel

Kommentare (2)

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Charly

29.05.2013, 21:37 Uhr

"Es gibt endlich entscheidende Fortschritte im Streit um das Bankgeheimnis. Nicht ganz so erfreulich ist die Entwicklung bei Internet-Währungen und bei Drogeriemärkten."

Sehr geehrter Herr Menzel,

also ehrlich, wer einen solche Überschrift in die Welt setzt gehört meiner Ansicht nach nicht in die Redaktion einer Handelszeitung, die Markwirtschaft, Recht und Demokratie vertreten sollte und auf sich auf dem Boden einer freiheitlich demokratischen Grundordnung bewegen sollte.

Wer solche Aussagen in die Welt setzt outet sich als Vertreter der Leute die früher hinter dem eisernen Vorhang an der Macht waren und jetzt die EUdSSR übernommen haben.

oha

30.05.2013, 02:33 Uhr

SgH Menzel

Eidgenossen sind nicht so deutsch wie Sie vlt annehmen könnten.
Sie sind Eidgenossen, also Schweizer.

Was Ihnen indes gelingt: das deutsche Wesen prägnant zu formulieren.

oha

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