Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.07.2012

18:28 Uhr

Was vom Tage bleibt

Warten aufs K. o.

VonOliver Stock

Euro auf Talfahrt, Börse auf Talfahrt. Und bei McDonald's läuft es auch nicht mehr so richtig. Letzteres lässt sich aber auch als Hoffnungsschimmer interpretieren. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die K.-o.-Propheten

Kennen Sie Folker Hellmeyer? Nicht? Er ist Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. Und als solcher, muss er schon auf den Putz hauen, um gehört zu werden. Das hat er heute gemacht: „Der K. o. der Eurozone ist zunehmend eine Frage des Zeitpunkts und weniger des 'Ob'.“ Gemeint hat Herr Hellmeyer damit, dass Angela Merkel heute weitere Finanzhilfen für Griechenland ablehnt, womit Athen dann wohl bald pleite wäre und der Eurozone ein Mitglied abhanden kommt. Ob Herr Hellmeyer und seine Bank allerdings im Verborgenen bereits in Dollar rechnen und ob die Konten der Bank bereits in Franken geführt werden, das erfahren wir nicht. Wir glauben es auch nicht. Solange aber eine Mehrheit dem Euro letztlich treu bleibt, wird es ihn geben. Da mögen noch so viele Chefvolkswirte Alarm schreien.

Chinas Waffen

Die USA haben seit dem zweiten Weltkrieg mindestens ein Dutzend Kriege angezettelt und waren nochmal in ebenso viele verwickelt. China gab sich in der gleichen Zeit nach außen erheblich friedlicher. Komisch an sich, dass vor der chinesischen Vormachtstellung gern gewarnt, die amerikanische aber geradezu zurückgesehnt wird. Wer diese verkehrte Welt vom Kopf auf die Füße stellt, kann die heutige Ankündigung ganz cool betrachten: Chinas staatlicher Erdölförderer greift nach dem kanadischen Energiekonzern Nexen. Der Kaufpreis beziffert sich auf 15,1 Milliarden Dollar - Nexen ist an der Börse nicht einmal halb soviel wert. Es ist bislang die größte Übernahme eines chinesischen Unternehmens im Ausland überhaupt. Wenn China die Kapitalisten schlägt, dann schlägt es sie mit ihren eigenen Mitteln.

Gesichter des Krieges

Endzeitstimmung in Syrien: Wer kann, verlässt das Land. Das Regime droht mit Giftgaswaffen. Kinda al-Adem und ihrer Tochter laufen Tränen übers Gesicht. Sie warten am Kontrollpunkt in Masnaa an der Grenze zum Libanon darauf, dass ihre Pässe kontrolliert werden. „Es bricht dir das Herz, dein Land verlassen zu müssen“, sagt die Syrerin. Sie hätten sich jedoch zu diesem schweren Schritt gezwungen gesehen, denn die Lage in ihrer Heimat werde von Tag zu Tag schlimmer: „Syrien befindet sich in einem dunklen Tunnel voller Blut.“ Der Krieg hat Gesichter. Je mehr wir davon sehen, um so stärker ist unsere Abscheu.

Bahn-Konkurrenz aus dem Museum

Heute ratterte der erste Zug von HKX von Hamburg nach Köln. Die Firma ist die erste, die der Deutschen Bahn im Fernverkehr Konkurrenz machen will. Ein bisschen geht es aber schon los wie beim großen Wettbewerber: Eigentlich wollte die Privatbahn zur Premierenfahrt mit firmeneigenen Waggons unterwegs sein, doch die Umrüstung des Zugmaterials in Polen hat sich immer weiter verzögert. Deshalb kamen ausgemusterte Wagen der Deutschen Bundesbahn zum Einsatz. Jawohl Bundesbahn. Denn sie stammen aus den Siebzgierjahren. Ob eine Museumsbahn wirklich als Konkurrent taugt?

Gastronomischer Hoffnungsschimmer

McDonald's ist Teil unserer Kultur. Der Konzern steht für Essen zwischen Tür und Angel, für fragwürdige Ernährung, und einen hohen Quengelfaktor bei Kindern. Jetzt ist der Gewinn im zweiten Quartal um vier Prozent geschrumpft. So richtig bedauert das eigentlich niemand. Im Gegenteil: Gastronomisch gesehen ließe sich auch von einem Hoffnungsschimmer reden.

Guten Appetit beim Abendbrot wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

hasstnicht

23.07.2012, 18:59 Uhr

Zitat:

"Chinas staatlicher Erdölförderer greift nach dem kanadischen Energiekonzern Nexen. Der Kaufpreis beziffert sich auf 15,1 Milliarden Dollar - Nexen ist an der Börse nicht einmal halb soviel wert."

Ja kein Wunder. Die Chinesen wissen das Ihre Devisenreserven bald nichts mehr wert sind. Daher ist es nur logisch das China seine Dollars jetzt noch in Unternehmen und Rohstoffe investiert. Da braucht man sich doch nicht über den Kaufpreis wundern. Man kann sich nur wunderen wer heute noch für Flettergeld was verkauft.

Tabu

23.07.2012, 20:26 Uhr

Solange aber eine Mehrheit dem Euro letztlich treu bleibt, wird es ihn geben. Da mögen noch so viele Chefvolkswirte Alarm schreien
-------------------
Rummsdabumms...die Treue zur Deutschen Mark war nicht
nur in Deutschland stark..Eine Atombombe wie Mitterand
sie nannte.Eine überdimensionale Macht,Helmut Schmidt.
Es wäre besser gewesen,wenn sich der Euroraum schon vorher
darüber Gedanken gemacht hätte,wie mit Sparsinn und
Verstand,gewirtschaftet hätte werden können..Stattdessen
wurden nur Hände aufgehalten in Spanien und Griechenland,
anstatt Strukturreformen einzuleiten.

Radiputz

23.07.2012, 21:00 Uhr

Ja, ja, der liebe Euro. Der ist halt ein Glaubensartikel in unserer säkularisierten Welt, sozusagen als Religionsersatz für Gottvater und Gottsohn. Doch die Häretiker und Ketzter lauern an allen Ecken. Schade, dass man ihnen nicht mehr das Autodafe mit einem zünftigen Verbrennungsritual bereiten kann.
Blöde Aufklärung!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×