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10.12.2012

18:15 Uhr

Was vom Tage bleibt

Warum der Nobelpreis gefährlich für die EU ist

VonFlorian Kolf

Die EU bekommt eine zweifelhafte Ehrung, ein Populist greift nach der Macht in Italien und in Bochum heucheln Gewerkschafter Überraschung. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Gute Idee in schlechter Verfassung

Das Nobelkomitee hat der EU letztlich einen Bärendienst erwiesen. Dass die Idee der europäischen Einigung auch friedensstiftend war, ist klar. Aber das wird so von den aktuellen Problemen überlagert, dass die Verleihung des Friedensnobelpreises heute fast lächerlich wirkt. Und es könnte sogar kontraproduktiv sein. Denn die Gefahr ist groß, dass die Verantwortlichen in der EU sich auf den Lorbeeren ausruhen und dabei verdrängen, wie reformbedürftig diese Institution ist. Denn eins ist klar: Die Idee der europäischen Einigung ist zwar großartig. Von der EU in ihrer heutigen Verfassung aber kann man das nicht behaupten.

Silvios Logik

Und das hat Folgen bis in die Mitgliedsstaaten hinein. Denn die EU macht es zurzeit Populisten leicht, sich auf Kosten Europas nach vorne zu spielen. Silvio Berlusconi ist so einer. Er kündigt den Konsens der Vernunft auf und setzt die noch jungen Reformbemühungen in Italien aufs Spiel, weil die Chance sieht, noch einmal nach der Macht zu greifen. Ja, warum sollen die Italiener denn Steuern zahlen, wenn man es sich doch so schön leihen kann, scheint Berlusconis Logik zu sein. Und ganz nebenbei wäre er als Regierungschef wieder gegen Strafverfolgung in seinen zahlreichen dubiosen und amourösen Skandalen geschützt.

Chance für die Alternative

Mit der Anti-Euro-Karte wird auch politisch in Deutschland gezockt. Heute haben die Freien Wähler in ihren neuen Spitzenkandidaten Stephan Werhahn präsentiert und auch er wettert gegen die Euro-Politik. Aber da das nicht sein einziges Thema ist, kann man ihm angesichts der programmatischen Dürre der CDU durchaus Chancen einräumen. Wie groß das Potenzial für eine Alternative zu den etablierten Parteien ist, hat schon der vorübergehende Aufstieg der Piraten gezeigt. Sie haben aber auch gezeigt, dass es nicht reicht, anders zu sein. Ein vernünftiges Programm und ein überzeugendes Personal braucht es auch. Ob sie das besser können, müssen die Freien Wähler noch beweisen.

Keine Opels mehr aus Bochum

Der Volksmund kann so grausam sein: "Hoffen und Harren hält manchen zum Narren", lautet ein bekanntes Sprichwort. So bitter es ist, kann man das jetzt auch auf dem Betriebsrat des Bochumer Opelwerks zurufen. Dass die Automontage in der Ruhrpottstadt nicht zu retten war, musste jedem Beobachter schon lange klar sein. Die Signale von der Konzernführung in den USA waren eindeutig, die Überkapazitäten in Europa und die aktuelle Absatzstatistik sprechen für sich. Dass die Gewerkschafter den Mitarbeitern trotzdem immer noch Hoffnung gemacht haben, ist nicht blauäugig, sondern unverantwortlich. Nun herrscht zumindest Klarheit.

Was fehlt? Der dramatisch missglückte Scherz zweier australischer Radiomoderatoren, der vermutlich die Krankenschwester von Prinzessin Kate in den Selbstmord getrieben hat, löste in Facebook einen Sturm der Entrüstung aus. Sicherlich hat der Radiosender eine Mitverantwortung. Aber angesichts der vielen derben Scherze, die so in den sozialen Netzen kursieren, ist Facebook sicherlich der falsche Platz um die Moderatoren zu verurteilen.

Legen Sie heute Abend doch mal eine Gedenkminute für die Idee der europäischen Einigung ein.

Florian Kolf

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Kommentare (8)

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Account gelöscht!

10.12.2012, 20:07 Uhr

der Nobelpreis für die EU ist Witz.

Volksverdummung

10.12.2012, 20:14 Uhr

Absolut. Der ist nicht gefährlich, sondern eine perverse Lachnummer.

hasstnicht

10.12.2012, 20:33 Uhr

Der Beste Satz dieser kurzen Tageszusammenfassunf war meiner Ansicht nach:

"Hoffen und Harren hält manchen zum Narren" Unabhängig vom Kontext.

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