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12.11.2013

18:22 Uhr

Was vom Tage bleibt

Warum Deutschland nicht daneben liegt

VonOliver Stock

Ein US-Topökonom will Deutschland treffen, aber er schießt daneben. Die SPD legt sich vor der Hochzeit eine Geliebte zu. Und: Ihre Fragen an den Chef der Ratingagentur Fitch sind gefragt. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Auch Top-Ökonomen können irren

Adam Posen zählt zu den amerikanischen Top-Ökonomen. Seit heute zählt er auch zu Deutschlands Top-Kritikern. Im Interview mit dem Sender CNBC feuert Posen aus allen Rohren: „Deutschland liegt in gleich fünf Punkten daneben. Erstens zahlt Deutschland seinen Arbeitnehmern keinen der Produktivität entsprechenden Lohn. Es bringt seine Beschäftigten um die Früchte ihrer Arbeit. Zweitens investiert es nichts, weder im öffentlichen noch in den privaten Sektor.“ Beides zusammen führe drittens dazu, dass „Deutschland als Billiglohnland konkurriert. “ Das war aber noch nicht alles: „Viertens zockt Deutschland andere Länder ab, weil seine Exporte durch den schwachen Euro subventioniert werden. Und fünftens nimmt es anderen Ländern Marktanteile weg, indem es Deflation exportiert.“ Posens Fazit: „Deutschlands Wirtschaftspolitik verursacht überall Probleme.“ Herr Posen, wir machen folgendes mit Ihnen: Sie kommen uns zu Weihnachten besuchen. Zur Weihnacht gibt der Deutsche durchschnittlich 273 Euro für den Gabentisch aus. Weil er nicht weiß wofür, rennt er am 24. Dezember vormittags noch verzweifelt durch die Kaufhäuser. So sieht das Land aus, das zu niedrige Löhne zahlt. Halleluja.

Riese am Himmel

Der Himmel ist weit, aber er kann für manche eng werden, wenn sich dort Riesen tummeln. Ein solcher ist heute entstanden: Die US-Regierung hat den Zusammenschluss von American Airlines und US Airways zur weltgrößten Fluggesellschaft gebilligt. Eine Wettbewerbsklage des US-Justizministerium und mehrerer Bundesstaaten ist damit vom Tisch.

Billiger wird's niemals

Das ist doch mal um die Ecke gedacht: Benzin ist billig wie lange nicht mehr. Doch die Internationale Energieagentur warnt vor einem drohenden Engpass bei der Ölversorgung und höheren Preisen. Der Grund ist ausgerechnet die wachsenden Erdölförderung der USA. Deswegen streichen die klassischen Produzenten am Persischen Golf ihre Investitionen zusammen und wir werden sehen: Wenn's drauf ankommt ist zu wenig Öl vorhanden. So richtig erschrecken wird die Prognose niemanden. Bei den Ölpreisen hat jeder, der sie länger als ein paar Monate beobachtet, einen todsicheren Tipp: Sie werden steigen.

Viel fließt daneben

Der Milliarden-Poker ist entschieden: Europaparlament und die Regierungen der 28 Staaten der Europäischen Union haben sich auf den EU-Haushalt fürs kommende Jahr geeinigt: 135,5 Milliarden Euro. Fast vergessen ist da der Rechnungshofbericht aus der vergangenen Woche. Da steht drin: „In den meisten Ausgabenbereichen ist keine umfassende Übereinstimmung mit den geltenden Rechtsvorschriften gegeben.“ Zu deutsch: Da wurde beim Geld ausgeben nicht so genau hingeschaut. Es wurde hier mal eine Grünfläche als Ackerland gefördert, auf der an sich ein Wald wuchs, und dort mal ein Forschungsprojekt bezahlt, das an sich schon ausgelaufen war. Wo viel Geld fließt, fließt eben auch viel daneben.

Keine Ausschließeritis

Mit dem Näherrücken eines Koalitionsvertrags mit der CDU öffnet sich die SPD ein Hintertürchen, falls der neue Partner Zicken macht: Der SPD-Parteivorstand und auch der konservativer Seeheimer Kreis setzen sich für eine Öffnung zur Linkspartei ein. „Keine Ausschließeritis“, lautet die Parole der Parteioberen, die sich damit schon vor der Hochzeit eine Geliebte warm halten wollen.

Ihre Frage ist gefragt

Ratingagenturen und Journalisten haben eines gemeinsam: Sie sind die Überbringer von Nachrichten. Und je nach Beschaffenheit der Nachricht werden sie manchmal beinahe dafür erschossen, obwohl eigentlich der Absender und nicht der Briefträger gemeint sein müsste. Bei den Ratingagenturen hat vor allem seit der Finanzkrise eine intensive Diskussion darüber eingesetzt, was schief gelaufen ist bei den Notengebern für Finanzprodukte, Unternehmenskredite und Staatsbonitäten. Ich unterhalte mich am Donnerstag Abend darüber mit dem Chef der Ratingagentur Fitch in Deutschland Jens Schmidt-Bürgel. Falls Sie Fragen an den Gesprächspartner haben - ich werde Sie stellen, wenn Sie sie mir vorher schicken an stock@handelsblatt.com, Betreff: Rating. Am Freitag kann ich an dieser Stelle einige Antworten wiedergeben.

Ich freue mich auf Ihre Anregungen und wünsche einen entspannten Abend

Oliver Stock

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