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23.10.2012

18:17 Uhr

Was vom Tage bleibt

Warum die Steuern steigen

VonOliver Stock

Die Tageskommentare: Zehn Länder einigen sich auf eine neue Steuer für Finanzgeschäfte. Deutsche wollen Immobilien kaufen, finden aber kaum noch welche. Apple erfindet wieder etwas neues. Und Neudenker sind gefragt.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Es gibt keine gute Steuer

Es soll eine neue Steuer geben, Finanztransaktionssteuer heißt sie und soll den Handel mit Anleihen, Aktien und spekulativen Finanzinstrumenten besteuern. Zehn EU-Länder - darunter Deutschland und Frankreich - haben sich darauf geeinigt. Die Steuer, so meinen die Steuereintreiber, soll die Finanzbranche an den Krisen-Kosten beteiligen und Milliarden einbringen. Uns wird also weis gemacht, dass es eine gute Steuer ist, weil sie nur die Bösen trifft. Tatsächlich trifft jede Steuer alle Steuerzahler. In diesem Fall direkt die Investoren und indirekt die Bankkunden, die von den Geldhäusern immer dann zur Kasse gebeten werden, wenn es darum geht, höhere Kosten auszugleichen. Deswegen ist jede neue Steuer schlecht. Diese auch.

Vier Wände für ein Hallelujah

Die Deutschen setzen auf ihre eigenen vier Wände. Fast jeder Zweite kauft sich Wohnung oder Haus, weil er es für die beste Form der Altersvorsorge hält, haben die Sparkassen herausgefunden. Keine brandneue Erkenntnis. Und nicht dumm. Dumm ist nur was jetzt passiert: Die Immobilienpreise steigen so sehr, dass die Investition ins eigene Haus mehr Vermögen auffrisst, als dass sie Sicherheit bringt. Manchmal ist es mit der Marktwirtschaft schon so ein Kreuz.

Die „Bad Bank“ der verstaatlichten Hypo Real Estate hat den Steuerzahler dieses Jahr bisher wenig belastet. Sie machte im ersten Halbjahr - nur - 50 Millionen Euro Verlust. Das liegt daran, dass bisher keine weiteren Abschreibungen auf Staatsanleihen fällig wurden. Davon profitiert nicht nur sie, sondern alle Banken und Versicherer werden deswegen besser dastehen als zuletzt. Unterm Strich führt diese Erleichterung dazu, dass Analysten vor der Quartalsbilanz der Dax-Konzerne entspannt aufatmen und feststellen: So schlimm wird es nicht.

Konto für Kult

Apple stellt heute Abend ein kleineres - und billigeres - iPad vor. Der Konzern braucht das, weil ihm die Konkurrenz von Samsung dicht auf den Fersen ist. Technisch haben die Koreaner sogar schon überholt, nur beim Kultstatus liegen sie abgeschlagen zurück. Vor allem auf dieses Konto wird Apple heute wieder einzahlen.

Sie sind eingeladen

Apple ist gut darin, Dinge neu denken. Das ist anstrengend, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Aber ohne dass Johannes Gutenberg das Kopieren von Büchern neu gedacht hätte, würden wir heute immer noch abschreiben. Und ohne jene beiden Wissenschaftler, die 1968 zwei Computer verbunden und damit das Internet erfunden haben, hätten wir heute immer noch bloß bessere Schreibmaschinen. Deutschland gönnt sich einmal im Jahr ein Treffen der Neudenker: Die Falling Walls Conference in Berlin.  Am 9. November treffen sich Vordenker und präsentieren im 20-Minuten-Takt Nachdenkliches: Aaron Kaplan etwa, Gründer von Funkfeuer, zur Zensur im Internet. Stararchitekt Daniel Liebeskind zur Überwindung von Konventionen. Ich werde mir auf jeden Fall Hal Ronald Varian anhören. Der Chefökonom von Google hat ein Rezept gegen das Auf und Ab der Ökonomie, verspricht er. Wenn Sie auch kommen wollen, schicken Sie mir eine Mail an stock@handelsblatt.com mit dem Betreff „Falling Walls“. Unter den Einsendern verlosen wir vier Premium-Eintrittskarten inklusive Einladung zu Empfang und exklusivem Dinner im Wert von je rund 2.000 Euro.

Einen ideenreichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

23.10.2012, 20:02 Uhr

Die gesamten Gewinne der Finanzbranche müssen von anderen erarbeitet werden. Investitionen selbst bringen keine Gewinne - diese müssen erst erwirtschaftet werden.
Steuern auf Finanzgeschäfte werden letztendlich wieder auf den Verbraucher (Steuerzahler) abgewälzt.
Wir brauchen eine grundlegende Reform unseres Steuersystems, die eine Umwälzung auf den Endverbraucher minimiert. Es ist an der Zeit unser Geldsystem anzupassen, dadurch würde unser Steuersystem praktisch ganz entfallen - fliessendes Geld, statt unserer mittelalterliches Schuldgeldsystem von dem primär die Banken profitieren.

holbeinperdchen

24.10.2012, 10:05 Uhr

"Tatsächlich trifft jede Steuer alle Steuerzahler. In diesem Fall direkt die Investoren und indirekt die Bankkunden, die von den Geldhäusern immer dann zur Kasse gebeten werden, wenn es darum geht, höhere Kosten auszugleichen. Deswegen ist jede neue Steuer schlecht".

Ist wirklich jede neue Steuer schlecht? Und jede alte gut?
Nur weil sie neu bzw. alt ist? Wie wärs denn ganz ohne Steuern? Am besten?

Und gibt es denn keine riesigen Gewinnpuffer bei den Banken, aus denen - neben den Boni - die Kosten aus höheren Steuern abgefangen werden können, bzw müssen, wenn der Wettbewerb dazu zwingt?

Abgesehen davon gehen Sie wohl davon aus, daß diese Steuer
tatsächlich zu nennenswerten Einnahmen der Staaten führen wird. Auch dies eine unüberlegte Annahme.

Also bitte keine Zeilenfüller nach dem Motto: Wie kann ich wissen, was ich denke, bevor ich sehe, was ich schreibe!

holbeinpferdchen

24.10.2012, 10:24 Uhr

Habe noch einen Aspekt vergessen: die Finanztrans-aktionssteuer ist von der Politik wohl auch nur als
Handlungsnachweis und Ablenkungsmanöver konzipiert -
Ablenkung von den Versäumnissen der Regierung in der Reorganisation des Bankensektors nach Lehman Brothers , Ablenkung der Grünen und der SPD von ihrem Komplett-ausfall bei der Verhinderung des immer tieferen Watens in den Eurosumpf.

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