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18.11.2014

18:10 Uhr

Was vom Tage bleibt

Warum ein Richter Middelhoffs Substanz sucht

VonOliver Stock

Der inhaftierte Ex-Manager hat auch als Kläger kein Glück. Eine „Drei“ im Arbeitszeugnis ist normal. Edathy bekommt ein Urteil. Und die Lufthansa zeigt sich rücksichtsvoll. Wo – das lesen Sie im Tagesrückblick.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Existenzielle Fragen

Erst ist er selbst verhindert und dann läuft es auch noch schlecht: Ein Richter in Köln bescheinigt Thomas Middelhoff, dass er mit seiner Zivilklage gegen das Bankhaus Sal. Oppenheim „nach derzeitigem Stand recht ungünstige Aussichten“ habe. Das Gericht habe „an manchen Stellen Probleme mit der Substanz des klägerischen Vortrags“. Middelhoff hält sich für falsch beraten und fordert rund 100 Millionen Euro. Er selbst konnte nicht zum Prozess kommen, weil er derzeit in U-Haft sitzt. Für ihn geht es nicht mehr um Substanz, sondern um Existenz, wobei die Frage erlaubt ist, ob das eine auf Dauer ohne das andere besonders gut geht.

Den Schnitt schlagen

Wer durchschnittlich arbeitet, darf im Arbeitszeugnis mit der Note 3 bewertet werden. Im Zeugnisdeutsch heißt das dann „zur vollen Zufriedenheit“. Möchte jemand eine bessere Note, muss er für seine überdurchschnittlichen Leistungen selbst Beweise vorlegen, urteilte heute ein Arbeitsgericht. Das wird hart. Denn schließlich glaubt jeder, er sei besser als der Durchschnitt. Tatsächlich kann es allenfalls die Hälfte sein.

Edathy muss vor den Richter

Sebastian Edathy kommt um einen Prozess nicht herum. Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete muss sich wegen des Besitzes von Kinderpornografie vor Gericht verantworten. Das Landgericht Verden ließ die Anklage zu. Öffentlich ist Edathy bereits verurteilt. Selbst ein Freispruch kann da nicht helfen.

Auch Nobelpreisträger haben Wissenslücken

Manche Menschen haben verblüffende Antworten. Der Nobelpreisträger Bob Merton ist so einer. Mein Kollege Jürgen Röder und ich haben ihn zu diesem und jenen befragt und über einen Mann gestaunt, der die Weisheit besitzt, nicht alles zu wissen. „Es ist gefährlicher, zu glauben, die Antwort zu kennen, aber im Grunde nichts zu wissen als sich einzugestehen: 'Wir wissen nicht was hier vorgeht und wir müssen mit der Unsicherheit umgehen'.“ Wissen ist Macht, hieß es früher an meiner Schule. Ich weiß nichts, das macht nichts, war unsere vielleicht nicht ganz so dumme Antwort.

Kulturelle Rücksicht bei der Lufthansa

Der asiatischen Liebesinsel Jeju widmet das Bordmagazin der Lufthansa die jüngste Titelgeschichte. Das Aufmacherbild ist mit einem Adress-Etikett überklebt. Liebe Reisende: Falls Sie es abrubbeln – dahinter erscheint das Bild phallusförmigen Kekse, wie sie auf Jeju stets gern geknabbert werden. „Wir haben es aus Rücksicht auf unsere Fluggäste mit diversen kulturellen Hintergründen unkenntlich machen lassen“, sagt uns ein Lufthansa-Sprecher. Es ist schön, dass die Lufthansa auf kulturelle Hintergründe immerhin mehr Rücksicht nimmt, als auf diverse unterschiedliche Beinlängen. Die müssen alle mit dem gleichen Sitzabstand auskommen.

Vielleicht knabbern Sie einfach etwas heute Abend

Oliver Stock

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

18.11.2014, 19:04 Uhr

Lieber einen Merton, der trotz großen Wissens im Finanzbereich bescheiden bleibt, als ein Schäuble, der zwar keine Ahnung von Finanzen und Währungsräumen hat, aber permanent das Gegenteil verbreiten muss und alle Andersdenkenden harsch abkanzelt (inkl. VWL-Professoren etc).

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