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22.04.2015

19:19 Uhr

Was vom Tage bleibt

Warum Jürgen Fitschen an die Justiz glaubt

VonOliver Stock

Der Deutsche Bank-Chef sieht sich zu Unrecht angeklagt. Die Lokführer streiken für fremde Löhne. Das G36 fliegt aus dem Programm. Sparkassen spielen Schwarzer Peter. Das sollten Sie heute nicht verpasst haben.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Unschuldige

Wenn der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, seine Unschuld beschreibt, klingt das so: „Ich war ja aufrichtig“. Er sagt das jetzt dem Magazin „Stern“ wenige Tage bevor ein Strafprozess gegen ihn und andere beginnt, in dem ihm der Staatsanwalt das Gegenteil nachweisen will. Er habe ein Grundvertrauen in die Justiz und sei zuversichtlich, erklärt Fitschen weiter. Im bevorstehenden Betrugsprozess will die Münchner Staatsanwaltschaft dagegen den Angeklagten eine systematische Täuschung von Richtern nachweisen. Sie wirft ihnen vor, sich mit Hilfe von Juristen auf eine gemeinsame Strategie geeinigt zu haben, um durch unwahre Angaben vor Gericht Schadenersatzzahlungen an die Erben des Medienkonzerns Kirch abzuwehren. Wer Fitschens Worte liest, dem wird klar, dass zu seinem Lesestoff der letzten Tage neben der Anklageschrift vermutlich auch der Fall Middelhoff gehört hat.

Der Kampf für eine gute Sache

Seit zwei Uhr in der Früh streiken die Lokführer. Auf den Fernzugstrecken tummeln sich die Rehe, an den Bahnsteigen drängen sich die Pendler. Das geht bis morgen Abend so und ist ganz nach dem Geschmack der Lokführer-Gewerkschaft GDL. Sie kämpft gar nicht für sich selbst, sondern für Kollegen. Genauer: für Lokrangierführer. Diese Hin-und-her-Schieber wurden bislang von der konkurrierenden Gewerkschaft EVG vertreten. Wenn die GDL jetzt mehr für sie rausholt, werden sie vielleicht das Mitgliedsbüchlein wechseln. Aus dem Kampf für Kollegen wird so ein Kampf um Kollegen. Ob das die Pendler verstehen?

Aus für die Schießbude

Um zu retten, was zu retten ist, hat der Waffenproduzent Heckler & Koch eine Zitatesammlung seiner Website vorangestellt. Das Unternehmen sammelt dort Sätze von Soldaten, die sich zum Sturmgewehr G36 äußern. Es sei „absolut präzise, und damit nicht zu treffen, ist schon eine Kunst“, wird ein Stabsgefreiter namens H. aus F. zitiert. Das Problem: Frau v. d. L.. aus B. sieht das anders. Das Gewehr habe in seiner derzeitigen Version keine Zukunft in der Bundeswehr, kündigte Ursula von der Leyen in Berlin nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses im Bundestag an. Heckler & Koch ist damit seinen wichtigsten Kunden los. Angesichts der ehemals wunderbar intakten Beziehungen zwischen dem Rüstungshersteller aus dem Schwarzwald und Verteidigungsministerium in Berlin ist das auch schon eine Kunst.

Sparkassen spielen Schwarzer Peter

Achtung hier kommen die Rechenkünstler: Wenn künftig ein öffentlich-rechtliches Bankhaus in Deutschland in die Pleite segelt, dann wird es unter anderem mit Geld aus einem Topf aufgefangen, in den die Sparkassen 49,4 Prozent, die Landesbanken 44,1 Prozent und die Landesbausparkassen 6,5 Prozent einzahlen. Darauf hat sich die versammelte Sparkassengruppe geeinigt. Interpretieren lässt sich das so: All die Hunderte von Sparkassen zusammen sind ein bisschen weniger verantwortlich, wenn etwas schief geht, als die paar Landesbanken und Bausparkassen. „Das Klumpenrisiko liegt bei Euch“, hätten die Sparkassen auch mit Blick auf die Landesbanken über dieses Schwarze-Peter-Spiel schreiben können.

Einen unbeschwerten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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