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28.06.2012

17:59 Uhr

Was vom Tage bleibt

Warum Opels bald lila sind

VonFlorian Kolf

Der Europäische Gerichtshof drängt Konzerne in die Grauzone, dem Opel-Chef gehört der Führerschein entzogen und Deutschland schwimmt am Rande des Strudels. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Ad-hoc in der Grauzone

Es ist ja auf den ersten Blick durchaus verständlich, dass Aktionärsschützer jede zusätzliche Information für den Anleger als wertvoll feiern. Doch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, dass Daimler die Anteilseigner früher über einen möglichen Abgang von Konzernchef Schrempp hätte informieren müssen, bringt wenig Klarheit. Im Gegenteil: Es verbreitert eher die Grauzone, in der sich Konzerne bewegen. Wenn sie künftig die Anleger aus Angst vor Strafen mit ungaren Ad-hoc-Mitteilungen bombardieren, richtet das unter Umständen mehr Schaden an als es hilft.

Opels letzter Versuch

Wenn die Redewendung stimmt, dass die Farbe Lila der "letzte Versuch" ist, dann wissen wir auch, in welche Farbe Opel künftig seine Autos vom Band rollen lassen müsste. In einer geradezu verzweifelten Flucht nach vorn, hat der Aufsichtsrat heute ein Konzept abgesegnet, das den abgewirtschafteten Autohersteller mit neuen Modellen und neuen Märkte aus der Krise führen soll. Doch was bisher bekannt wurde von der neuen Strategie des Konzernchefs hört sich eher an wie das Pfeifen eines verängstigten Kindes im dunklen Wald. Mit Verlaub: Die Idee, ein luxuriöses Cabrio unter der demolierten Marke Opel auf den Markt zu bringen, müsste man mit Führerscheinentzug bestrafen.

Der europäische Strudel

Es ist keine gute Begleitmusik für den heute beginnenden Euro-Gipfel in Brüssel: Das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone sei so schlecht wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr, teilte die EU-Kommission heute mit. Auch für Deutschland sind die Aussichten mittlerweile nicht mehr so rosig, warnt das ifo-Institut und prognostiziert für dieses Jahr ein Wachstum von nur noch 0,7 Prozent. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn warnt deswegen eindringlich, davor, der Forderung nach Euro-Bonds nachzugeben. Dann würde Deutschland "in den Strudel gezogen." Sein Wort in den Ohren von Kanzlerin Merkel.

Erfolgreich, aber arbeitslos

Eine frühere Schlecker-Mitarbeiterin hat vor Gericht erfolgreich gegen ihre Kündigung geklagt. Die Sozialauswahl sei fehlerhaft gewesen, argumentieren die Richter. Für die Betroffene ist das eine gute Nachricht. Insgesamt gesehen aber ist das Urteil eine Farce. Nicht zuletzt wegen der drohenden Klagen sind jetzt alle Schlecker-Mitarbeiter arbeitslos. Selbst die Rettung der Schlecker-XL-Märkte war nicht zuletzt daran gescheitert, dass sich wegen des gemeinsamen Tarifvertrags sämtliche Schlecker-Mitarbeiter bei dem neuen Investor hätten einklagen können. Das zeigt, wie gut gemeinte Regelungen das Gegenteil bewirken können.

Was fehlt? Noch ist das Halbfinale der Europameisterschaft zwischen Deutschland und Italien nicht angepfiffen. Doch mein Kollege Jan Mallien hat offenbar hellseherische Fähigkeiten. "Deutschland.Italien 5:2" titelte er heute morgen. Bevor Sie jetzt lachen: Seine sehr lesenswerte Analyse bezog sich auf einen Vergleich der ökonomischen und politischen Stärke der beiden Länder. Aber wer weiß...

Ich wünsche Ihnen einen spannenden Feierabend im Fußballfieber,

Florian Kolf

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Kommentare (1)

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Pluralissimus

28.06.2012, 20:11 Uhr

Ich dachte immer, die Mehrzahl von Opel wäre "Opeltze". Aber nein, "Opels" soll es sein. Na gut, soweit. Danke HB-Online für die Erleuchtung :)

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