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08.04.2013

18:38 Uhr

Was vom Tage bleibt

Warum Thatcher bleibt

VonOliver Stock

Margaret Thatcher hat sich in einem entscheidenden Punkt geirrt. Trotzdem ist sie ein Idol. Christian Wulff muss vor Gericht kämpfen, um auch uns Gewissheit zu verschaffen. Kim Jong Un spielt Roulette. Der Tagesbericht

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Unmögliche

Margaret Thatcher ist gestorben. Die Frau mit dem unbeugsamen Willen war eine große Politikerin, vielleicht die größte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ich habe damals aufgehorcht, als sie den britischen Gewerkschaftsführern entgegentrat, ich habe als Schüler dem Pazifismus abgeschworen, als sie ihre Flotte Richtung Falkland schickte, und ich habe mich als Deutscher darüber gefreut, dass sie der Wiedervereinigung keine Steine in den Weg gelegt hat. Heute weiß ich: Das Ende der Ära-Thatcher lässt sich ziemlich genau datieren. Mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 verlor das von ihr propagierte Wirtschaftsmodell auf einen Schlag an Strahlkraft. Von Deregulierung auf Teufel komm raus will seither niemand etwas wissen. Das Modell Thatcher ist viereinhalb Jahre vor der Person gestorben. Sie bleibt dennoch eine Frau, die das unmögliche möglich machte. Dafür bewundere ich sie.

Wulffs Ehre

In Hannover gab es heute zwei Treffen, bei denen es sich lohnte hinzuschauen: Das eine war weltpolitisch. Das andere eher privatpolitisch. Bei dem ersten Treffen begegneten sich Merkel und Putin und redeten eben über Weltpolitik am Rande der Hannover-Messe. Beim anderen Treffen saßen sich Anwalt und Staatsanwalt gegenüber und verhandelten, wie sie im Fall Christian Wulff weitermachen wollen. Bleiben wir beim zweiten Treffen: Christian Wulff hat sich längst von einer der meistgehassten Personen zu einer der meist bemitleidetsten Personen gewandelt: Job weg, Frau weg, tiefer Fall aus luftiger Höhe.

So sieht die Strafe aus für einen Mann, der im höchsten Amt das richtige Fingerspitzengefühl im Umgang mit denen, die Geld und Glanz versprühen, vermissen ließ. Die juristische Aufarbeitung – ja die interessiert nach diesem politischen Ende diejenigen wenig, die ein Opfer sehen wollten und es bekommen haben. Staatsanwälte gebt Ruhe, der Mann hat seine Strafe gehabt, so sagt es meine Oma. Ich meine: So leicht dürfen wir es uns nicht machen. Wulff ist rauf und runter durch Zeitungen, Online-Portale und Rundfunksender gejagt worden. Das hat zu einem öffentlichen Urteil geführt, weit bevor eine juristische Einschätzung in Sicht war. Deswegen muss es jetzt die Öffentlichkeit - müssen wir alle es ertragen, dass in einem ordentlichen Verfahren der Fall detailliert aufgearbeitet wird. Eine schnelle Lösung hat es schon gegeben, jetzt brauchen wir eine endgültige Entscheidung. Wir wollen wissen, ob wir richtig lagen, ober ob wir uns den Vorwurf des Übereifers anhören müssen. Ein Freispruch zweiter Klasse, wie er durch einen Handel Geld gegen Ehre mit der Staatsanwaltschaft zustanden käme, kann sich Wulff, aber können vor allem wir uns nicht leisten.  

Koreanisches Roulette

Das nordkoreanische Roulette geht weiter: Kim Jong Un hat heute seine Arbeiter aus einer Sonderwirtschaftszone abgezogen, in der der Norden und der Süden von Korea zusammenarbeiten. Wenn das Roulette gut ausgeht, dann wird die nächsten fünf Jahre die nordkoreanische Propaganda genau von dieser Krise zehren. Sie wird sie als eine Art Krieg beschreiben, den sie gegen die USA geführt habe. Aufgrund brillanter Führung - so wird es dann heißen - habe sie diesen diplomatischen Krieg gewonnen. Wenn es schlecht ausgeht - dann malen wir das Bild hier lieber nicht weiter. Klar ist: Spieler an der Spitze eines Staates sind die denkbar schlechtesten Staatenlenker.

Angriff vor der Haustür

Airbus hat heute nicht abgehoben, sondern ist in die Erde gegangen - und zwar mit einem Spaten in die amerikanische. Der Erzfeind will seinem US-Rivalen Boeing ein Flugzeugwerk vor die Nase setzen. das ist so, als wenn Coca-Cola eine Niederlassung auf dem Werksgelände von Red Bull in Salzburg eröffnet. Das ist doch mal ein Statement.

Zeigen Sie Haltung heute Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (6)

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MarinaS

08.04.2013, 18:52 Uhr

Alleine für ihren Auftritt in Brüssel, als sie donnernd ihre Handtasche auf dem Tisch plazierte und laut und eindringlich sagte "I want my money back!" gebührt ihr der Hosenbandorden!

Schaarschmidt

08.04.2013, 18:58 Uhr

Lehman kann man nun nicht Thatcher in die Schuhe schieben.Die sind daran kaputt gegangen,dass sie Immobilien viel zu teuer eingekauft haben.

1Zeitgeist

08.04.2013, 19:04 Uhr

Herr Stock,

Sie waren offensichtlich viel zu jung, um die Ereignisse, verursacht durch diese Diva, in den 80er Jahren beurteilen zu können:

1.Falkland-Krieg I, die Drohung mit einem Atomschlag seitens der Briten gegen Buenos Aires
2.Falkland-Krieg II, ein Archipel aus der Kolonialzeit, der eigentlich Argentinien zuzurechnen ist
3.Die Verwerfungen im Sozialsystem der Briten bis heute, etc.
4.Die Schwächung der britischen Wirtschaft, z.B. die Zersetzung der britischen Automobilindustrie, etc.
5.Die „Büchse der Pandora“ der Finnzmärkte, etc.
6.Diese Diva hat unsere Einheit nie gewollt!
7.Etc.

Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.

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