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10.07.2013

18:05 Uhr

Was vom Tage bleibt

Warum wir Juncker lieben

VonOliver Stock

Luxemburg ist für einen Tag nicht nur für Fonds-Investoren interessant. Die Pkw-Maut kommt nicht morgen und nicht übermorgen, was für die Bankenunion nicht gilt. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die letzte Schlacht

Geht er? Bleibt er? Kommt er wieder? Jean-Claude Juncker, der nicht verhindert hat, dass der Geheimdienst seines Landes über die Stränge schlug, steckt in seiner letzten Schlacht. Eine Mehrheit im Parlament von Luxemburg könnte ihn zu Fall bringen. Irgendwie ist uns der alte Fuchs auch hierzulande ans Herz gewachsen. Ein Löwe kann eine Laus nicht ärgern, aber eine Laus den Löwen ganz gewaltig, hat er mir einmal auf meine Frage nach dem Verhältnis Luxemburgs zur EU gesagt. Falls er nun als Regierungschef abtritt, mag ihn trösten, dass er große Vorbilder hat: Von Otto von Bismarck bis Helmut Schmidt verließen die Großen die Bühne nicht freiwillig – und trotzdem finden wir sie heute noch gut.

Folgenlose Forderung

Es gibt eine Faustregel, wie ein Kommentar wie dieser niemals aufzuhören hat. Nämlich mit: „Bis es soweit kommt, ist es nur noch eine Frage der Zeit.“ Das ist immer richtig und gilt als Antwort auf die Frage, wann der Ober kommt genauso wie als Antwort auf die Frage nach dem Lebensende. Verkehrsminister Ramsauer hat nun gesagt, die Pkw-Maut ist nur noch eine Frage der Zeit. Das ist sicher richtig, aber eben auch völlig unerheblich.

Das Gute an der Bankenunion

Die Bankenunion rückt näher, und wir Deutsche werden das Gefühl nicht los, es geht dabei eigentlich nur darum, die funktionierenden Sicherungssysteme der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken anzuzapfen. Tatsächlich geht es darum, alle Banken das wirtschaftliche Risiko ihrer Existenz selbst tragen zu lassen. So schlecht, wie wir sie immer machen, ist die Idee der Bankenunion also nicht.

Spaß in der Krise

Falls Sie in den nächsten Tagen nach Italien in die Ferien fahren – machen Sie sich doch bitte selbst ein Bild: Steht das Land am Abgrund, ist die Pizza kalt oder schmeckt sie wie immer? Die Ratingagentur S&P glaubt eher an den Abgrund und hat sich mit einer entsprechenden Notenvergabe Empörung bei den Italienern selbst eingehandelt. Wahrscheinlich ist die Pizza warm, die Toskana elegant, der Strand voll und die Geschäfte sind es auch. Aber wahrscheinlich haben die Notengeber trotzdem Recht. Das ist das schöne an dieser Krise: Auch mittendrin hat man seinen Spaß.

Einen ansonsten krisenfreien Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

10.07.2013, 18:16 Uhr

"Warum wir Juncker lieben"

Geht es Ihnen irgendwie zu gut?

halidu

10.07.2013, 18:27 Uhr

Wie hat es dieser Mann nur zum Chefredakteur geschafft?

"Warum wir Juncker lieben"
Wo lebt der denn? Wer liebt denn jemanden, der solche Dinge sagt: "Wenn es ernst wird, muss man lügen."
"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."
lächerlich.

Und zum Thema Bankenunion. Wer das gut findet, hat in einer Wirtschaftszeitung nichts verloren. Es geht nicht darum, dass Banken die Haftung übernehmen. Es geht darum, dass solvente Banken, für Zockerbanken in Haftung genommen werden. Also das gleiche Spiel wie bei der Eurorettung. Wer gut und nachhaltig haushaltet, ist am Ende der Dumme. Na wenn das Schule macht. Herr Stock sei an den kategorischen Imperativ erinnert. In eigenen Worten ausgedrückt: Handle stets nach der Maxime, von der du erwarten kannst, dass sie zum allgemeinen Gesetz wird.
Bedeutet also. Wir zocken alle, machen alle wie von Herrn Stock vorgeschlagen Schulden und lassen die Deppen dafür zahlen.

Soplaris

10.07.2013, 18:33 Uhr

Bankenunion: "Tatsächlich geht es darum, alle Banken das wirtschaftliche Risiko ihrer Existenz selbst tragen zu lassen."
Dazu braucht man keine Bankenunion, im Gegenteil. Und man muss mit der EZB auch nicht den Bock zum Gärtner machen.

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