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08.10.2013

18:22 Uhr

Was vom Tage bleibt

Was der Staat alles für uns regelt

VonOliver Stock

Die Schädlichkeit des Tabaks treibt die EU zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Die Grünen trauen sich keine Experimente zu. Deutsche sind nur mittelschlau. Und in Limburg hängt der Segen schief. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Fürsorge im Übermaß

Ein verfaulter Fuß, eine schwarze Raucherlunge - mit solchen Schockbildern auf Zigarettenschachteln will die EU Menschen vom Rauchen abhalten. Einer entsprechenden Neuregelung hat das Europaparlament zugestimmt. Ein Mindestlohn, eine Frauenquote, eine Pflegeversicherung, ein Betreuungsgeld, die Größe meine Badezimmers im Bauantrag und die chronische Schuppenflechte beim Wechsel der Krankenversicherung - der Staat ist ein liebevoller Vater, der viel wissen will und für uns die Dinge regelt. Aber mit 18 ziehe ich aus - ich weiß bloß noch nicht wohin.

Absage an ein Experiment

Schade. Irgendwie hat es in den vergangenen Tagen die Hoffnung gegeben, dass in Berlin ein Experiment startet, das viel Neugier geweckt, einige Vorschusslorbeeren geerntet und natürlich auch Ängste geschürt hätte: das schwarz-grüne Experiment. Doch die Chancen dafür sind heute auf nahe null gefallen. Die grüne Bundestagsfraktion hat Katrin Göring-Eckardt und den linken Verkehrspolitiker Anton Hofreiter an die Spitze gewählt. Zumindest die erste war aktiv daran beteiligt, die Grünen bei der Wahl von 10,7 auf 8,4 Prozent zu drücken. Wäre die Partei ein börsennotiertes Unternehmen, hätte jetzt der CEO, der den Kursverlust zu verantworten hat, noch einen COO an die Seite bekommen, der den Verfall beschleunigt. Unwahrscheinlich ist, dass die Union mit so einem Unternehmen ein Joint Venture eingeht.

Mittelmäßige Noten

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich in diesen Artikel geklickt und damit eine Fähigkeit bewiesen, die nicht selbstverständlich ist. In Deutschland hat mehr als jeder zehnte Erwachsene keinerlei Erfahrung im Umgang mit Computern und scheitert beispielsweise am Bedienen einer Maus. Auch unsere Kompetenzen in anderen Schlüsselqualifikationen sind im internationalen Vergleich eher mittelmäßig. Zu diesem Ergebnis kommt der „Skills Outlook 2013“, eine von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung veröffentlichte Untersuchung. Überprüft wurde das Wissen der 16- bis 65-Jährigen in 24 Industrienationen. Während wir nur durchschnittlich abschneiden, erreichen die Erwachsenen in Japan und Finnland im Lesen und Rechnen Spitzenwerte. Als Schüler habe ich mich immer damit getröstet, dass es auch außerhalb des Unterrichts etwas zu gewinnen gab. Das wird auch diesmal klappen.

50 Jahre gesucht

Goethes Gelehrter Heinrich Faust zweifelte am Erkenntniswert der Wissenschaft, weil auch sie nicht weiß, was die Welt im Innersten zusammenhält. Faust hätte heute seine Antwort bekommen: Es ist das Higgs-Teilchen, für dessen Fund Peter Higgs den Physik-Nobelpreis erhalten hat. Das Teilchen sorgt dafür, dass alles an seinem Platz ist. Wer das nicht versteht, der kann sich der Geschichte der Entdeckung widmen: Das Higgs-Teilchen wurde 50 Jahre nach seinem theoretischen Beweis in einem praktischen Experiment nachgewiesen. Higgs war nur der Theoretiker. Er habe still gelächelt, als das Ding tatsächlich gefunden wurde, sagt er. Und so können wir von dem Quantenphysiker immerhin lernen, dass es sich lohnt ein halbes Jahrhundert nach etwas zu suchen, an das man wirklich glaubt.

Der Segen hängt schief

31 Millionen Euro. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst soll selbst erschrocken sein, als er erfuhr, wie viel seine Residenz in Limburg gekostet hat. Wenn es bei den derzeit gehandelten Zahlen bleibt, hat die Unterkunft des Kirchenmanns etwa sechsmal mehr Geld verschlungen als geplant. Der Bischof steht in einer langen Tradition. Sie heißt: Mit Gottes Segen lässt sich Geld bewegen.

Einen segensreichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.10.2013, 19:01 Uhr

"In Deutschland hat mehr als jeder zehnte Erwachsene keinerlei Erfahrung..."

Hier muss man wissen, dass dieser hohe Anteil wohl nicht den in hohem Maße der Schulpflicht folgenden deutschen Bevölkerungsanteilen entspringt, sondern durch Bevölkerungsanteile generiert wird, die sich dem deutschen Bildungsweg wie auch der deutschen Gesellschaft im hohen Maße entziehen.

Sie bilden Paralellgesellschaften, in denen anscheinend Internetkompetenz nicht so wichtig sind.

Es bestürzt mich, dass 'Deutschland' in seiner Gesamtheit dadurch aus einem einst elitären internationalen Stand auf Mittelmaß abrutscht.

Die Politik sollte sich dringlich darum bemühen, derlei Bevölkerungsanteile tatsächlich zu integrieren, eben auch zu assimilieren.

Die Hautfarbe ist dabei nicht so wichtig - die SPRACHE ist das verbindende, Fremdheit überwindende Element.

Es sollte ein offizieller Anspruch auf die deutsche Sprache hier in Deutschland verlangt werden - wie es in Frankreich und anderen Ländern ebenfalls vorgeschrieben ist.

Republikaner

08.10.2013, 19:44 Uhr

Ich lerne jeden Tag mehr Leute kennen, denen die Regeln schlicht am A........ vorbeigehen, die EU regeln insbesondere.

baerbel

08.10.2013, 20:00 Uhr

Was die Welt im Innersten zusammenenhält ist das Bewußtsein, das sich in dem deutschen Satz widerspiegelt: "Es gibt etwas." "Higgs-Teilchen" ist nur der Name für dieses Etwas, das ansonsten völlig unverfügbar und unbekannt ist. Aber das reicht schon, um damit zu denken.

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