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15.01.2015

19:13 Uhr

Was vom Tage bleibt

Was die Schweiz mit Griechenland verbindet

VonOliver Stock

Um 10 Uhr 28 hat mal wieder ein kleines Erdbeben die Finanzwelt erschüttert. Das Epizentrum war diesmal in Zürich. Welche Schäden zu besichtigen sind, lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ungleiches Paar

Die Schweiz und Griechenland – die beiden sind ein Paar, nur mit vertauschten Vorzeichen. Während bei Griechenland in Sachen Wachstum, Beschäftigung, Schulden überall ein dickes Minus steht, steht bei den Schweizern stets ein solides Plus. Dass beides in mittlere Katastrophen führen kann, wenn es dem großen Nachbarn nicht gefällt, wissen wir spätestens seit heute.

Um 10.28 Uhr gab die Schweizer Nationalbank ihre Strategie auf, sich mit einem festen Wechselkurs an den Euro zu binden. Innerhalb weniger Minuten schoss die Schweizer Währung nach oben und die Kurse der Schweizer Unternehmen an der Börse in Zürich rauschten nach unten. Wäre der Schweizer Notenbankpräsident ein Arzt und das Land sein Patient, müsste er feststellen, dass seine Schocktherapie den Patienten zwar nicht kollabieren, aber doch in eine tiefe Ohnmacht sacken ließ.

Ähnliches würde Griechenland bei einem Ausstieg aus dem Euro blühen, nur eben umgekehrt: Die griechische Währung würde absacken, die Unternehmen darüber jubeln, weil ihre Produkte im Ausland mit einmal sagenhaft günstig wären. Das Land fiele nicht in Ohnmacht wie die Schweiz, sondern wäre auf Ecstasy. Ungesund ist allerdings beides.

Es ist – und das ist die Lehre Nummer eins aus dem Schritt, den die Eidgenossen heute gegangen sind – ungesund, gegen den Strom zu schwimmen, wenn die eigene Wirtschaft aufs engste mit der Welt verbunden ist. Die Schweiz hat bestens organisierte Unternehmen, denen ihr Heimatland längst zu klein geworden ist. Sie alle brauchen einen verlässlichen Wechselkurs wie Grillwürstchen das Feuer. Seit heute können sie sich darauf aber nicht mehr verlassen.

Lehre Nummer zwei ist: Ein kleiner Währungsraum kann sich auf Dauer nicht gegen einen großen behaupten, wenn beide eine unterschiedliche Strategie fahren. Die Schweizer Nationalbank hat über Jahre hinweg den Euro gestützt und damit den Wechselkurs zum Franken verteidigt. Sie hat dadurch eine Menge an Devisen aufgehäuft, die in keinem Verhältnis zur Größe des Landes steht. Sie hat ein untragbares Risiko aufgebaut, dessen sie sich jetzt entledigen musste. Ein Machtwort von der Sorte „koste es, was es wolle“ kann sich die Schweizer Notenbank nicht leisten. Sie hofft stattdessen, dass das nun gewählte Ende mit Schrecken das kleinere Übel ist. Aber das ist erstmal nur eine Hoffnung.

Die dritte Lehre schließlich lautet: Mario Draghis Politik des billigen Geldes hat Nebenwirkungen, denen zuerst die kleineren Nachbarn zum Opfer fallen. Die Europäische Zentralbank verpasst dem eigenen Währungsraum eine Konjunkturspritze, in dem sie den Euro abwertet. Sie macht dies aber auf Kosten der anderen. Stabilität schafft sie so nicht.

Wohin das führt? So paradox es klingt: Die Schweiz führe besser, wenn sie ihren währungspolitischen Kurs radikal änderte, den harten Franken ins Museum brächte und sich dem Euroraum anschließen würde. Doch dazu werden die Schweizer so schnell nicht ja sagen. Stolz hat eben seinen Preis.

Einen Abend mit Schokolade und Fondue rät Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (23)

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Herr Rudolf Riedl

15.01.2015, 19:28 Uhr

Ob Sie mit Ihrer Theorie recht haben, wage ich zu bezweifeln. Die Schweizer wissen sehr wohl was sie währungspolitisch tun. Lieber heute heute ein Ausstieg aus einer Währungszwangsbindung, die in keiner Weltwirtschaft je funktioniert hat. Ein gutes Beispiel stellen die EU Pigs dar, die durch die Zwangsbindung an den teilweise für sie zu harten Euro am Rnde der Pleite stehen oder es sind. Künstlich kann man einiges für lange Zeiträume am Leben halten, irgendwann platzt jedoch der Ballon. Oder man subventioniert mit EU und Steuergeldern.

Tatsache ist: Die Schweizer sind weitgehend schuldenfrei und möchten dies auch bleiben im Gegensatz zu den EU Ländern.

Ich würde mir von Ihrem oberflächlichen Artikel etwas mehr Tiefgang in Wirtschaftsökonomie wünschen.

Einen schönen Abend noch.

Herr Werner Wilhelm

15.01.2015, 19:40 Uhr

Nicht einverstanden. Die Welt braucht keine verlässlichen Wechselkurse sondern einen den der freie Markt festlegt und der damit zu einem Ausgleich der Leistungsbilanzen führt.

Herr C. Falk

15.01.2015, 19:41 Uhr

Herr Stock ist Journalist und kein studierter Ökonom oder Währungsfachman. Man kann also von ihm nicht erwarten, dass er die Tiefen und Untiefen einer hoch komplexen und dazu suboptimalen Währungsunion, wie es der Euro ist auch nur annähernd zu beschreiben vermag.

Zweifelsfrei hat die Schweizer Zentralbank den Schritt er Abkoppelung vom Euro aus wohlverstandenem Eigeninteresse vollzogen. Die Schweizer Unternehmen hatten genügend Zeit sich so aufzustellen, dass die neue Lage bewältigt werden kann.

Die Schweiz und ihre Unternehmungen werden mit einem starken Franken zurecht kommen und leben können.

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