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09.07.2013

18:55 Uhr

Was vom Tage bleibt

Was Facebook und die NSA gemeinsam haben

VonOliver Stock

Facebook kommt mit neuer Suchfunktion. Ein Dossier deckt Pannen der Osama-bin-Laden-Fahnder auf. Und Ex-Eurogruppenchef Juncker kämpft um sein Denkmal. Die Kommentare zum Tag.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Entspannter Umgang mit der NSA

Facebook hat seine erweiterte Suchfunktion „Graph Search“ für die Nutzer des sozialen Netzwerks in Deutschland freigeschaltet. Damit kann etwa danach gesucht werden, welchen Arbeitskollegen ein bestimmter Film gefallen hat. Auch pikante Fotos können besser auffindbar sein, weil Nutzer sie vielleicht verdrängt oder schlicht die Funktionen nicht richtig eingestellt haben. Wir feiern das als Fortschritt und beklagen uns gleichzeitig über die NSA, die unsere Telefongespräche mithört, unsere Mails auswertet und unsere Konten scannt. Vielleicht sollten wir uns klar darüber werden, was wir eigentlich wollen: Das Netz und seine Ansprüche an unsere Daten hat nicht nur unsere Umgebung, sondern auch uns selbst verändert. Wer täglich mehrere Passwörter vergibt, wer sich System-Administratoren anvertraut, wer  m Stundentakt Privates in E-Mails verpackt, und wer auf Facebook sein Innerstes nach außen kehrt – der kann mit der Datensammelwut der NSA an sich ganz entspannt umgehen.

Das Osama-bin-Laden-Dossier

Er war nach dem 11. September 2001 der meistgesuchte Mann der Welt – und konnte doch für mehr als neun Jahre in Pakistan untertauchen: Osama bin Laden. Erst im Frühjahr 2011 spürten ihn seine amerikanischen Jäger in Pakistan auf. Eine Untersuchungskommission im Auftrag der pakistanischen Regierung hat die Geschehnisse in jener Nacht und die erfolgreiche Flucht bin Ladens in den Jahren davor rekonstruiert. Von „kollektivem Versagen“, von „Fahrlässigkeit“ und „Inkompetenz“ ist in dem 337 Seiten-Werk die Rede. In einer Verkehrskontrolle zum Beispiel sei der Terrorist zwar angehalten, aber dann unbehelligt durchgewunken worden. Auch die USA werden für ihr Verhalten kritisiert: Die Tötung bin Ladens durch die US Navy Seals sei ein „kriegerischer Akt“ gewesen und eine schwere Demütigung Pakistans. Das Dossier ist Vergangenheitsbewältigung. Optimistisch für die Zukunft stimmt, dass ein derart kritisches Dokument in Pakistan überhaupt erstellt werden konnte.

Hoffnung statt Gefahr

Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde sieht neue Gefahren für die Weltwirtschaft. Dazu gehört vor allem das schleppende Wachstum in den Schwellenländern. Die Probleme dort könnten sich durch eine straffere Geldpolitik in den Industrieländern noch verstärken. Natürlich ist da was dran. Aber Tatsache ist auch, dass sich die Euro-Zone soweit stabilisiert hat, dass Krisen wie die in der Regierung Portugals das Währungssystem nicht mehr grundsätzlich ins Wanken bringen. Ich finde: Beide Nachrichten gleichen sich zumindest aus.

Quittung an die Manipulateure

Der Börsenbetreiber Nyse Euronext ist künftig dafür zuständig, den vom Manipulationsskandal erschütterten Interbanken-Zins Libor zu berechnen. Der britische Bankenverband, der den Libor seit den 1980er-Jahren festlegte, hat damit die Quittung für seine erschütternde Nachlässigkeit bekommen. Ob die transatlantische Börse es nun besser macht? Zumindest sind die guten Vorsätze noch nicht gebrochen.

Juncker verteidigt sein Denkmal

Die politische Zukunft von Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, dem Miterfinder des Euros, steht morgen in Luxemburg auf dem Spiel. Wegen einer Geheimdienst-Affäre könnte es sein, dass der dienstälteste Ministerpräsident der EU zurücktritt. Seit er nicht mehr „Mr. Euro“ ist, werden Risse im Finanzplatz Luxemburg sichtbar. Falls er endgültig abdankt, dürften auch einige Akteure aus der Welthauptstadt der Fonds vor der Ablösung stehen.

Schmiergeldverdacht bei Fraport

28 Wohnungen und Büros von mehr oder weniger prominenten Immobilienhändlern, die alle mit dem Frankfurter Flughafen zu tun haben, wurden heute von Fahndern durchsucht. Es geht um Schmiergeld und Bestechung beim Flughafenausbau. Es gab Verhaftungen und überall stöhnen sie nun herum. Nur aus Berlin sind Seufzer über diesen Entlastungsangriff an der Frankfurter Front zu hören.

Einen seufzerfreien Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.07.2013, 23:28 Uhr

Für mich sind die Geheimdienste das Backboone (Rückgrad) der konservativen westlichen Welt. Daten sammeln allein datf man noch nicht verteufeln, es sei denn, man ist GRÜNER und will seine peinlichen Laster (Kindermissbrauch, Kleinkriminalität, Drogenmissbrauch) verheimlichen, wie von Ströbele angestrebt, der sich gegen alle überwachenden Gehimdienste wehrt.

Nein, ob die Daten missbraucht werden ist relevant ! Und davon habe ich bislang nichts gemerkt, weder in Deutschland noch in den USA. Dazu sollte auch nicht kommen, dass Computer Menschen kategorisieren und Drohen sie dann verfolgen. Das wäre in jedem Fall zuviel ! Die Offenheit der westlichen Welt ist zugleich ihre Achilles-Ferse und die muss von unseren westlichen Geheimdiensten bewacht werden.

Die Schattenseite ist dabei, dass wir mit den radikalen Bevolkerungen im Nahen Osten und in Nordafrika nichts weiter anfangen können, als dass die kampfeswilligen Gruppen, wie 2 Mühlräder glcih, gegeneinander aufgehetzt werden, damit zum Schluss alle Agressiven weg sind. Auf beiden Seiten. So wurde in Afghanistan, im Irak, in Syrien in Ägypten immer ein Teil der Bevölkerung gegen den anderen Teil aufgebracht - es entstehen Bürgerkriege, die die Agressionslust als Treibstoff in sich hat, bis endlich Friedenswille einkehrt.

Somit kann man sagen, NSA, sammle Daten, bewahre uns vor Gefahren, aber das ist keine Berechtigung für Gehimnisverrat, wie Herr Snoden sie vorhat. Vielleicht war er überfordert mit all den Daten umzugehen, die sonst ein Normalbürger nicht kennen kann und ehrlich gesagt auch nicht kenne will, solange keine eindeutige absolute Übermacht daraus entsteht.

btw

09.07.2013, 23:34 Uhr

Facebook und die NSA - welch ein apartes Duo:
Wobei Facebook das Frontend gibt und die NSA sozusagen das Backoffice: Was man hier nicht bekommt, steht ggf dort zur Verfügung.
Das Gesamtszenario indes könnte schon irgendwie beunruhigen - oder eben auch nicht, je nach Perspektive.

Wer weiß, vielleicht macht FB lediglich öffentlich, was die NSA Backstage zu praktizieren scheint: komplette Bewegungsmuster zu erstellen von denen man nichteinmal weiß wie sie gedeutet werden und welche Grundlagen dafür herangezogen werden.

Die FB Generation jedenfalls dürfte die NSA durchaus anders diskutieren als der gewöhnliche Bürger es zu tun scheint.

Account gelöscht!

10.07.2013, 04:04 Uhr

@say the thruth


Hm, ich befürchte nur, dass diese selbstlos-uneigennützige VERTEIDIGUNGS-Haltung nicht ganz der Realität entspricht.


Vergegenwärtigen Sie sich mal die Situation: Der NSA verwanzt die Büros, nicht nur von Parteien, nein, natürlich auch von Unternehmen, manche Privatpersonen. Das heißt, die hören mit. ALLES, was darin gesprochen wird... Wahrscheinlich Filmen die auch...


Es mag mutmaßlich sein, aber irgendwo dünkt mir ein Zusammenhang bspw. zur Siemens-Korruptionsaffäre: Wie kann es denn sein, dass die Münchener in Dutzenden Fällen der Bestechung überführt werden, bzgl. Projekten/Ländern, wo JEDER Branchenkundige weiß, dass ohne Schmiere schlichtweg GAR NIX weitergeht - und der Hauptkonkurrent GE prächtig dort Geschäfte mit zwangsläufig gleichem Geschacher, diese jedoch VÖLLIG UNBEHELLIGT bleiben?


Wer schneidet die AngloIrish-Banker-Telefonate mit?
Wer sammelte die Materialien gegen den Walllstreet-Jäger Eliot Spitzer? Wer gegen General Petreaus?


Ich vermute, dass die NSA wunderbare Verwertungskanäle bedient, die allesamt egozentrische US-Staats- und allgemeine Machtinteressen füttert. Perfektes Material, mit dem ich meine Konkurrenten raushauen kann, alles im Dienste der nationalen Sicherheit.

Da läuft ein schmutziges Geschäft, mit Vollgas - aber natürlich schön im Deckmantel der Terrorabwehr. Klingt gut - ist aber Wirtschaftskrieg.

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