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02.10.2012

17:47 Uhr

Was vom Tage bleibt

Was hat Peer Steinbrück zu verbergen?

VonFlorian Kolf

Der SPD-Kanzlerkandidat fordert von Banken Transparenz, von sich selber aber nicht, die EU formuliert neue Regeln für die Finanzbranche und die Autoindustrie sucht nach Zukunftskonzepten. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Kein gläserner Kandidat

Es ist ein langgehegter Traum der Demokratie: der gläserne Abgeordnete, der komplett offen legt, wie viel Geld er von wem erhält. Auch der künftige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück behauptet, er weise alle seine Einkünfte aus. Das ist rein juristisch sogar korrekt. Doch wer weiß, dass Steinbrück für eine Rede gut 20.000 Euro kassieren kann, dem ist auch klar, dass die pauschale Angabe nach dem Abgeordnetengesetz von rund 70 Reden mit einem Honorar von "mehr als 7.000 Euro" mehr verschleiert als offenlegt. Wer wie Steinbrück von den Banken "totale Transparenz" verlangt, muss sich andere Maßstäbe gefallen lassen. Sonst muss man vermuten, er habe etwas zu verbergen.

Fragwürdige Trennmauern

Fast wie ein Blaupause der Steinbrück'schen Ideen liest sich das Papier zur Bankenregulierung, das die EU heute vorgestellt hat. Auch sie fordert mehr Transparenz und eine möglichst weitgehende Abschottung des riskanten Eigenhandels vom Rest des Geschäfts. Hört sich gut an, doch der Teufel steckt im Detail. Wie genau, zum Beispiel, wird Eigenhandel definiert? Die Deutsche Bank etwa gibt an, schon seit 2009 keinen "Eigenhandel ohne Kundenbezug" mehr zu betreiben. Und glaubt wirklich jemand, dass innerhalb einer gemeinsamen Holding die Trennmauer so hoch gezogen werden kann, dass ein Zusammenbruch der Investmentbank das restliche Geschäft nicht beeinträchtigt?

Neue Mobilitätskonzepte gesucht

Gerade erst haben Europas Autobauer beim Branchentreff in Paris ihre neuesten Modelle vorgestellt, da zeigt sich mit ganzer Brutalität, wie nötig die Unternehmen attraktive Produkte braucht. Um elf Prozent ist der Absatz in Deutschland im September eingebrochen. Es wird immer klarer: Die Hersteller haben viel zulange nur neue Varianten des guten alten Autos gebaut, technisch hochgerüstet und zu ständig steigenden Preisen, statt überzeugende Konzepte für eine zukunftsfähige Mobilität zu entwickeln. Eine Zahl sagt alles: Die Neuzulassungen von Elektro-Pkw hatten im September gerade mal einen Anteil von 0,087 Prozent am Gesamtmarkt.

Steiniger Weg für Talanx

Eher flau war auch das Debüt der Talanx-Aktie an der Börse in Frankfurt. Nach dem Hin und Her vor dem Börsengang waren alle Beteiligten erleichtert, dass der Kurs heute zu Handelsbeginn immerhin leicht über den ohnehin nicht sehr hohen Ausgabepreis stieg. Doch selbst das hielt nicht lange, gegen Mittag waren die Gewinne schon aufgezehrt, der Kurs hielt sich danach knapp über dem Ausgabepreis. Ein Schelm, wer da an Stützungskäufe der beteiligten Banken denkt. Das Management des Versicherungskonzerns muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten, um das Vertrauen der Anleger zu gewinnen.

Was fehlt? Mit überraschend witzigen und launigen Worten hat sich jetzt der insolvente Versandhändler Neckermann auf seiner Website von den Kunden verabschiedet. Hätten die Verantwortlichen doch in der Vergangenheit genau so viel Gehirnschmalz darauf verwendet, die Wünsche der Kunden zu ergründen, dann würde es vielleicht jetzt noch heißten: "Neckermann macht's möglich."

Ich wünsche Ihnen einen launigen Feierabend und einen erholsamen Feiertag,

Florian Kolf

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Kommentare (5)

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Mazi

02.10.2012, 20:12 Uhr

Das ist ein weiterer Kandidat, der aus reinem Egoismus die SPD-Stammwählerschaft ein zweites Mal ausnimmt.

Die SPD lernt es nicht.

Wenn ein Steinbrück Transparenz einfordert, aber selbst nicht bereit ist die eigenen Hosen herunterzulassen, muss doch auch der Dümmste seine Schlüsse ziehen.

Account gelöscht!

02.10.2012, 21:22 Uhr

Steinbrück nach seiner Steuererklärung zu befragen kann nur als noch peinlicher betrachtet werden.

So gesehen wird es auch hierzulande ein Wahlkampf auf unterstem Niveau werden, sollte das so weitergehen.

Dass Steinbrück das Schicksal eines Bundesschweflers beschieden sein könnte, sollte man indes nicht über seine Steuererklärung bewerkstelligen wollen sondern mit handfesten politischen Argumenten.

Sollte das mit den Steuererklärungen jedenfalls so weitergehen wird sich das Niveau des politischen Diskurses (auch so eine politische Traumvorstellung) gewiß nicht erhöhen können, sondern seinen Niedergang weiter befördern müssen.

Es wäre ausgesprochen schade, würde Herr Kolf sich als einer der Protagonisten dieses Niedergangs der politischen Kultur empfinden müssen.

zottlschach

02.10.2012, 22:29 Uhr

Lieber Herr Kolf,
nicht jeder, der von den Banken Transparenz einfordert ist auch verpflichtet seine eigenen Einkommens- und Vermögensverhältnisse offenzulegen.
Hier gelten für Banken andere Maßstäbe, da den Banken Kundengelder anvertraut wurden, die es zu schützen gilt und Banken zudem als wichtiger Baustein für die Wirtschaft gelten. Wegen riskanter Bankgeschäfte musste z.B. vor nicht allzu langer Zeit die Commerzbank vom Steuerzahler vor dem Ruin gerettet werden.

Auch wenn ein Herr Seehofer im beginnenden Wahlkampfrummel Thesen bezüglich der Transparenz der Person Steinbrück aufstellt, sollte man als Kommentator diesen Unsinn nicht nachplappern.

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